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Ätna Update (01.04. - 17.06.2016)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.
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17. Juni 2016

In den letzten beiden Wochen setzte sich am Ätna die ruhige Gasemission fort. Der Tremor hielt sich auf niedrigem Niveau und abgesehen von einer kleinen Erdbebenserie blieb auch die seismische Aktivität recht gering.

Während den vergangenen 14 Tagen kam es an den Gipfelkratern des Ätna lediglich zu ruhiger und relativ schwacher Gasfreisetzung. Schlechtes Wetter behinderte zeitweise die Beobachtungen mittels Webcams. Am Nordostkrater zeigte sich anhaltende, jedoch überwiegend schwache Gasemission. An der Voragine wurde aus der Fraktur an ihrer südöstlichen Flanke weiterhin verhältnismäßig kräftig Gas emittiert. An der Bocca Nuova erfolgte die meiste Gasfreisetzung im nordwestlichen Bereich. Am Südostkraterkomplex wurde Gas aus Fumarolen emittiert, die sich auf dem Grat zwischen altem und Neuem Südostkrater befinden. Auch aus dem Gipfelbereich des Neuen Südostkraters, sowie aus dem Kollapskrater an seiner oberen Ostflanke wurde anhaltend etwas Gas freigesetzt.

Dieses Webcam-Foto vom 14. Juni zeigt die Gipfelkrater von Osten aus. Ganz links am Bildrand sieht man einen Teil des neuen Südostkraters. Rechts davon kann man den oberen Abschnitt der Fraktur erkennen, die sich am 21. Mai an der Südostflanke der Voragine geöffnet hatte. Sie setzt weiterhin kräftig Gas und weißen Dampf frei. Recht davon die Voragine, die fast kein Gas emittiert und ganz rechts der Nordostkrater. Auch hier ist die Gasfreisetzung relativ schwach:
Dampffreisetzung aus Fraktur und schwache Gasemission aus dem Nordostkrater
Foto vom 14.06.2016, 11:39 Uhr: Milo-Webcam des INGV

Am 03. Juni wurden die Gipfelkrater vom INGV erneut inspiziert. Hier eine kurze Zusammenfassung des Berichts:
Der Kraterboden der mit Lava gefüllten Bocca Nuova ist weiter abgesunken und zwar um etwa 10 m. Auch um den Schlot innerhalb der Voragine ist weiterer leichter Kollaps zu beobachten. Die Fraktur an der Südostflanke der Voragine, die sich während dem Paroxysmus vom 21. Mai geöffnet hatte, setzt immer noch viel Gas und weißen Dampf frei. Die Fraktur zieht sich in Form von zwei Gräben bis zur nordwestlichen Basis des alten Südostkraters, wo ein Schlot am 21. Mai einen kurzen Lavastrom emittiert hatte. Die Fraktur streicht von hier aus weiter in südöstliche Richtung und zieht sich der Nordflanke des Südostkraters entlang bis zum westlichen Rand des Neuen Südostkraters [1].

Vom 30.05. bis 05.06. waren die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater deutlich niedriger als in der Vorwoche. Spitzenemissionsraten von mehr als 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag wurden nur noch gelegentlich erreicht [1]. Vom 06.06. bis 12.06. gingen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater weiter zurück und lagen stets unterhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Im gleichen Zeitraum nahmen die Emissionen von Chlorwasserstoff gegenüber früheren Messungen zu [2].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten nach dem 03.06. zunächst noch häufig langperiodische Signale, sowie einzelne Explosionssignale. Die Signale wurden ab dem 06. Juni  allmählich immer schwächer und seltener. In den vergangenen Tagen trat anhaltendes schwaches Rauschen auf, das von leicht gestiegenem Tremor verursacht wurde. Die langperiodischen Signale wurden zudem wieder etwas stärker und traten häufiger auf. Der Tremor bewegte sich während der vergangenen zwei Wochen auf niedrigem Niveau, unterlag jedoch in den letzten Tagen einem leicht steigenden Trend [3].

Vom 11.06. bis 12.06. kam es im Raum Gaggi - Motta Camastra (nordöstlich des Ätna) zu einer Erdbebenserie. Das stärkste dieser meist sehr schwachen Beben erreichte eine Magnitude von 1.9. Die Hypozentren lagen in 15 bis 20 Kilometern Tiefe [4].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 30/05/2016 - 05/06/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 06/06/2016 - 12/06/2016
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  4. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


03. Juni 2016

Während der letzten Tage blieb der Ätna weiterhin sehr ruhig. Der Tremor ist noch etwas zurückgegangen und auch die seismische Aktivität ist zurzeit sehr gering.

In der vergangenen Woche war an den Gipfelkratern des Ätna nur sehr schwache Gasemission erkennbar. Ascheemissionen konnte ich nicht beobachten. Entlang der Fraktur im südöstlichen Abschnitt des Zentralkraterkegels setzten Fumarolen Gas und weißen Dampf frei.

Nach dem Ende der eruptiven Aktivität in der Voragine wurde am 26. Mai eine Inspektion der Gipfelkrater von INGV-Personal vorgenommen. Am 27. Mai fand ein Beobachtungsflug mittels Helikopter statt. Hier eine Zusammenfassung des Berichts:
Auf dem Kraterboden der Voragine kann man ringförmige Spuren von Kollaps beobachten. Sie umschließen einen Schlot der nur schwach Gas emittiert. Ein ganzes Bündel an eruptiven Spalten verläuft in etwa von Nord nach Süd, ist ca. 400 m breit und die Spalten sind bis zu 1300 m lang. Sie dehnen sich bis zur Nordflanke des Nordostkraters aus, durchziehen den Zentralkrater und enden in der Nähe des Südostkraters. Hierbei ändern sie ihre Orientierung in Richtung Nordwest-Südost. Die vierte Fraktur zeigt eine beachtliche, im rechten Winkel verlaufende Ausdehnung die vor allem den östlichen Abschnitt des Gipfelbereichs vereinnahmt. Das Frakturenfeld wird von einem Graben begrenzt der wenige zig Meter breit ist. Er hat einen Teil der südlichen Flanke des Nordostkraters kollabieren lassen und so seine Morphologie komplett verändert. Der Nordostkrater ist durch den Kollaps mit Schutt gefüllt, was auch Fotos einer Wärmebildkamera zeigen. Bemerkenswert ist auch die Präsenz einer kleinen eruptiven Spalte an der äußeren nördlichen Flanke des Nordostkraters. Hier war es am 18. Mai für wenige Stunden zu strombolianischen Explosionen gekommen. Die Spalte ist 20 - 30 m lang und verläuft von Nord nach Süd. Im zentralen Abschnitt berührt der Graben den östlichen Kraterrand der Voragine und propagiert dann weiter nach Süden. Schließlich biegt er nach Südosten ab und durchläuft den Sattel zwischen dem Zentralkraterkegel und dem Südostkrater. In diesem Gebiet nährte die Fraktur am 21. Mai einen kleinen Lavastrom und sorgte für eine Hangrutschung an der Nordflanke des Südostkraters.
Im Zentralkrater erfolgte die eruptive Aktivität aus Schloten die sich im Bereich der Voragine befanden. Nach dem Ende der eruptiven Aktivität vom 23. bis 26. Mai, setzte hier Kollaps ein. Dies führte zur Bildung ringförmiger Frakturen die einen schwach entgasenden Schlot umschließen.
Die Bocca Nuova ist komplett mit dem Material der jüngsten eruptiven Aktivität gefüllt. An ihrem westlichen Rand kam es zum Übertritt von Lava. Auch in diesem Gipfelkrater hat inzwischen leichter Kollaps eingesetzt [1].

Trotz dem Ende der eruptiven Tätigkeit blieb der Besuch der Gipfelkrater strikt verboten und obwohl ich langjährige Erfahrung aufweisen kann und alle erdenklichen Schutzmaßnahmen getroffen hatte, wurde mir der Aufstieg zur Bocca Nuova von Bergführern untersagt. Darum muß ein detaillierter Fotobericht über die Veränderungen an den Gipfelkratern diesmal leider unterbleiben. Allerdings konnte ich im Umfeld des Gipfelbereichs noch verschiedene Inspektionen vornehmen. Dazu nun noch einige Fotos:
Blick auf die nordöstliche Basis des Nordostkraters
27.05.2016 12:46 Uhr
Blick auf die nordöstliche Basis des Nordostkraters. Irgendwo hier hat sich am 18. Mai eine kleine eruptive Spalte geöffnet und für wenige Stunden strombolianische Aktivität generiert.
Blick auf eine Spalte an der nordöstliche Basis des Nordostkraters
27.05.2016 13:18 Uhr
Markant ist diese Spalte die von Nord nach Süd verläuft. Bei ihrer Öffnung wurden offenbar größere Eisblöcke ausgeworfen. Allerdings sieht sie älter aus und befindet sich eher an der Nordostflanke als an der Nordflanke des Nordostkraters.
Weg vom Piano Provenzana zum TDF ist mit Bomben bedeckt
27.05.2016 14:25 Uhr
Der Weg der vom Piano Provenzana nördlich bzw. westlich an den Gipfelkratern vorbei bis zum Torre del Filosofo führt, ist von der paroxysmalen Aktivität der Voragine, die im Dezember 2015 stattfand, mit reichlich pyroklastischem Material überzogen. Häufig findet man allerdings auch frische Bomben bzw. Schlackebrocken die offenbar von der strombolianischen Aktivität in Nordostkrater bzw. Voragine stammen.
Blick aus nordwestlicher Richtung auf die Gipfelkrater
27.05.2016 14:45 Uhr
Blick aus nordwestlicher Richtung auf die Gipfelkrater. Links der Nordostkrater und rechts die Voragine. Der gesamte Sattel, auf dem man früher relativ leicht zur Voragine gelangen konnte, ist mit groben (20 - 30 cm Durchmesser) Schlackebrocken überzogen. Auch das Gebiet bis hinunter zum Weg ist mit reichlich Schlacke und Lapilli bedeckt.
Große Bomben im pyroklastischen Material unterhalb der Voragine
27.05.2016 15:12 Uhr
Bomben mit einem Durchmesser von über einem Meter stecken in dem pyroklastischen Material. Teilweise haben sie es auch durchdrungen, sind im Eis darunter verschwunden und haben große Krater hinterlassen.
Am Lavastrom der sich über den westlichen Rand der Bocca Nuova ergossen hat
27.05.2016 15:30 Uhr
Am Lavastrom der sich über den westlichen Rand der Bocca Nuova ergossen hat. Er ist nun ca. eine Woche alt und ich spüre immer noch die Hitze die er ausstrahlt.
Blick dem Lavastrom Hang abwärts
27.05.2016 15:31 Uhr
Der Lavastrom hat den Weg zum Torre del Filosofo, der sowieso schon kaum noch vorhanden war, unterbrochen und sich dann weiter Hang abwärts der Westflanke des Ätna hinab bewegt wo er oberhalb des Monte Nunziata zum Stillstand gekommen ist.
Blick vom Monte Nunziata aus auf die Westflanke des Ätna
28.05.2016 12:33 Uhr
Blick vom Monte Nunziata aus auf die Westflanke des Ätna. Der Lavastrom aus der Voragine/Bocca Nuova kam von oben rechts und ergoss sich über die Lava von 1964 in nordwestliche Richtung (unten links) in Form zahlreicher Zungen. Seine Front dürfte ca. 2100 m hohes Gelände erreicht haben. Dürre Bäume markieren seinen Weg entlang eines kleinen Waldstücks.
Der Neue Südostkrater von der Serra delle Concazze aus
29.05.2016 11:13 Uhr
Der Neue Südostkrater von der Serra delle Concazze (Ost-/Nordostflanke) aus gesehen. Der Kollapskrater an seiner oberen Ostflanke generierte insbesondere vor der letzten eruptiven Episode der Voragine zahlreiche Aschefreisetzungen. Ansonsten blieb der Protagonist vergangener Jahre diesmal ruhig.
Zoom auf den Neuen Südostkrater
29.05.2016 11:14 Uhr
Zoom auf den Neuen Südostkrater. Der Kollapskrater hat bereits ein großes Loch in die Ostflanke des Kegels gefressen. Zahlreiche Rutschungsnarben und Lavaströme an den Flanken des Kegels zeugen von der Aktivität der letzten Jahre.
Das neue Spaltensystem an der Südostflanke der Voragine
29.05.2016 11:14 Uhr
Das neue Spaltensystem an der Südostflanke der Voragine bzw. des Zentralkraterkegels setzt Gas und weißen Dampf frei. Ganz rechts der Lavastrom der aus einer eruptiven Spalte in der Zeit vom 18.05. bis 19.05. gefördert wurde.
Die Schlackenkegel vom Juli und August 2014
29.05.2016 11:15 Uhr
Die Schlackenkegel die im Juli und August 2014 aktiv waren und ebenfalls mehrere Lavaströme in Richtung Valle del Bove produzierten, sind inzwischen bereits reichlich mit dem pyroklastischen Material der beiden eruptiven Episoden der Voragine überzogen.
Lapilli auf den Pflanzenkissen auf dem Schiena dell'Asino
24.05.2016 10:14 Uhr
Überall auf den Pflanzenkissen hier auf dem Schiena dell'Asino findet man großporige Lapilli bzw. Schlackebrocken. Sie stammen von der eruptiven Episode der Voragine die am 21. Mai stattfand. Ein schmaler Streifen mit Lapilli-Niederschlag zieht sich von hier bis hinunter an die Straße SP92.
Die Schlackebrocken sind unglaublich leicht und fragil
24.05.2016 10:18 Uhr
Die Schlackebrocken sind unglaublich leicht und fragil. Sie gleichem erstarrtem Schaum und zeugen von der raschen Gasentwicklung und damit verbundenen Aufblähung während ihrer Freisetzung.

Vom 23.05. bis 29.05. waren die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater vergleichbar mit denen der Vorwoche. Sie lagen stets oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Es wurden Spitzenemissionsraten von über 16.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag gemessen [1].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE (Nordostkrater) waren zunächst noch zahlreiche langperiodische Signale erkennbar. Diese wurden im Verlauf der Woche jedoch immer seltener und schwächer. Ab dem 01.06. zeigten sich allerdings wieder vermehrt kleine Explosionssignale. Ihre Intensität nahm bis zum 03.06. etwas zu. Der Tremor ging im Laufe der letzten Woche immer weiter zurück und hat inzwischen sehr niedriges Niveau erreicht [2].

Am 01.06. und 02.06. kam es im Raum Monte Fontane - Pietrafucile (Ostflanke) zu einer Erdbebenserie. Die Beben waren meist sehr schwach und lagen in Tiefen zwischen 5 und 8 Kilometern. Das stärkste Beben erreichte dabei eine Magnitude von 1.5 [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 23/05/2016 - 29/05/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


28. Mai 2016

Seit dem 26. Mai kam es am Ätna zu keiner eruptiven Aktivität mehr. Der Tremor ist weiter zurückgegangen und die Seismik ist unauffällig.

Am späten Abend des 25. Mai waren in der Voragine noch einzelne strombolianische Explosionen erkennbar. Diese Aktivität endete in der Nacht auf den 26. Mai und bei Tagesanbruch waren keine Ascheemissionen bzw. erhöhte Gasemissionen mehr aus der Voragine zu sehen. Auch die anderen Gipfelkrater blieben sehr ruhig und unauffällig. Am 27. Mai zeigte sich das gleiche Bild. Auch heute war an allen Gipfelkratern lediglich schwache Gasfreisetzung erkennbar.

Dieses Foto von gestern zeigt die Gipfelkrater von Osten aus (fotografiert an der Mareneve-Straße oberhalb von Fornazzo). Links der mächtige Neue Südostkrater mit seinem Kollapskrater im Vordergrund. Rechts davon der Zentralkrater. Dampf und Gaswolken treten aus der eruptiven Spalte aus, die während der paroxysmalen Episode vom 21. Mai an der Südostflanke der Voragine entstanden ist. Ganz rechts der Nordostkrater der auch nur wenig Gas emittiert:
Die Gipfelkrater von Osten aus
27.05.2016 09:22 Uhr

Vom 16.05. bis 22.05. nahmen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche deutlich zu und lagen stets oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Es wurden Spitzenemissionsraten von über 12.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag gemessen. Die Chlorwasserstoff-Emissionen nahmen im gleichen Zeitraum gegenüber der Vorwoche ebenfalls zu [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren am 25.05., während der eruptiven Episode der Voragine, noch von starkem Rauschen überlagert welches vom vulkanischen Tremor generiert wurde. Am 26.05. war das Rauschen bereits deutlich schwächer, jedoch noch phasenweise erhöht; häufig zeigten sich kleine Explosionssignale. Am 27.05. dominierte noch einmal verstärktes Rauschen die Seismogramme. Heute trat nur noch gelegentlich etwas erhöhtes Rauschen auf, das manchmal einige Minuten lang andauerte. Sporadisch waren schwache Explosionssignale erkennbar.
Der mittlere Tremor nahm in der Nacht auf den 26.05. weiter ab, stabilisierte sich jedoch dann auf einem Niveau welches in etwa so niedrig war wie vor der vierten eruptiven Episode der Voragine. Heute schwächte sich der Tremor noch etwas weiter ab [2].

Am 18.05. wurde nordöstlich des Zentralkraters ein Beben der Stärke 2.0 gemessen. Am 20.05. kam es östlich des Monte Zoccolaro (Südostflanke) zu einem Beben der Stärke 1.7 [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 16/05/2016 - 22/05/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


25. Mai 2016

Gestern Abend setzte in der Voragine heftige strombolianische Aktivität ein. Diese dauerte heute den ganzen Tag über an. Glühende Bomben wurden dabei auf die südliche bis südöstliche Flanke des Zentralkraterkegels geschleudert. Heute Abend hat sich die Aktivität abgeschwächt und der Tremor ist rückläufig.

Am späten Abend des 23.05. und während der Nacht auf den 24.05. ereigneten sich in der Voragine einzelne, teilweise jedoch recht starke strombolianische Explosionen. Dabei wurde glühendes Material mehrere hundert Meter hoch geschleudert und ging auf der östlichen Flanke des Zentralkraterkegels nieder. Am Morgen des 24.05. kam es nur noch vereinzelt zu schwachen strombolianischen Explosionen.
Im Tagesverlauf wurde am Kollapskrater des Neuen Südostkraters immer wieder bräunliche Asche emittiert. Die Ascheemissionen waren jedoch meist schwach bis moderat und wurden von einem stürmischen westlichen Wind rasch in das Valle del Bove getrieben.

Dieses Foto habe ich am Vormittag des 24. Mai vom Schiena dell'Asino aus gemacht. Es zeigt eine der Ascheemissionen aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters, wie sie sich an diesem Tag häufig ereigneten:
Ascheemission aus Kollapskrater
24.05.2016 11:26 Uhr

Am Abend des 24.05. gegen 21:30 Uhr zeigten die Wärmebildkameras des INGV-OE plötzlich leichte thermische Anomalien über der Voragine. Diese wurden innerhalb von nur 15 Minuten recht intensiv und deutlich größer. Nun waren auch über die visuellen Webcams strombolianische Explosionen erkennbar. Dabei wurden glühende Bomben 300 - 400 m höher als der Kraterrand ausgeschleudert. Einige gingen dabei auf der südöstlichen Flanke des Zentralkraterkegels nieder. Die Explosionen ereigneten sich alle zwei bis drei Sekunden, manchmal unterbrochen von einer wenige Sekunden dauernden Ruhephase. Diese Aktivität dauerte die ganze Nacht auf den 25. Mai an.

Dieses Foto konnte ich am Abend des 24. Mai von der Südflanke (Nähe Monte Vetore) aus machen. Es zeigt die strombolianische Aktivität in der Voragine. Ein stürmischer westlicher Wind weht das glühende pyroklastische Material rasch nach Osten:
Heftige strombolianische Explosionen in der Voragine
24.05.2016 22:09 Uhr

Heute bei Tagesanbruch markierten bläuliche Gaspilze, die manchmal auch von graubrauner Asche durchsetzt waren, die heftige strombolianische Aktivität in der Voragine. Wie bereits in der Nacht war das Donnern der Explosionen bis hinunter auf ca. 1900 m Höhe hörbar. Im Tagesverlauf steigerte sich die Energie der Explosionen noch weiter. Braune Aschepilze schossen unter lautem Donnern aus der Voragine. Rotglühende Bomben und Schlacke wurden 400 - 500 m hoch in die Luft geschleudert. Zahlreiche Bomben regneten auf die südliche bis südöstliche Flanke des Zentralkraterkegels herab. Einige erreichten auch seine südliche Basis. Ein weiterhin kräftiger westlicher Wind wehte die Aschewölkchen rasch in das Valle del Bove wo sie sich schnell auflösten. Mehrmals bildeten sich auch sehr schöne Gasringe. Diese hielten sich teilweise mehrere Minuten lang in der Luft bevor sie sich auflösten. Gegen Abend ging die Intensität der strombolianischen Explosionen zurück, dennoch traten sie auch bei Sonnenuntergang noch an.
Der Kollapskrater des Neuen Südostkraters emittierte heute nur noch selten Asche. Die meisten Ascheemissionen traten heute Vormittag kurz vor dem Höhepunkt der eruptiven Aktivität in der Voragine auf.

Eine interessante Begleiterscheinung der heutigen strombolianischen Aktivität der Voragine war die Produktion von Gasringen. Dieser wunderschöne Ring, der sich mehrere Minuten lang in der Luft hielt, konnte ich von der Südostflanke des La Montagnola aus fotografieren:
Gasring aus der Voragine
25.05.2016 09:03 Uhr

Die heftigen strombolianischen Explosionen in der Voragine aus südlicher Richtung, vom Monte Frumento Supino aus gesehen. Graue Aschepilze schießen unter lautem Donnern aus dem Gipfelkrater. Ein Regen aus glühenden Bomben und Schlacke geht auf die Bocca Nuova, sowie auf die südliche bis südöstliche Flanke des Zentralkraterkegels nieder:
Aschepilz und Bomben aus der Voragine
25.05.2016 13:21 Uhr

Hier noch weitere Fotos bzw. Videos die die eruptive Aktivität in der Voragine von gestern und heute dokumentieren:
Glühendes Material 200 - 300 m hoch geschleudert
24.05.2016 21:51 Uhr
Bereits wenige Minuten nach dem Einsetzen der strombolianischen Aktivität in der Voragine wird glühendes Material 200 - 300 m hoch geschleudert. Der starke Westwind treibt die Gas- und Aschewolken rasch nach Osten.
Schnell steigert sich die Aktivität
24.05.2016 22:08 Uhr
Schnell steigert sich die Aktivität. Die Explosionen ereignen sich im Abstand von zwei bis drei Sekunden und erfolgen aus einem einzigen Schlot heraus.
Serien von strombolianischen Explosionen
24.05.2016 22:25 Uhr
Unterbrochen von wenigen Sekunden dauernden Ruhephasen, ereignen sich Serien von strombolianischen Explosionen, die fast schon der Freisetzung von Lavafontänen gleichen. Das glühende Material wird nun ca. 400 m hoch ausgeworfen und landet gelegentlich auf der Flanke des Zentralkraterkegels.
Aschefreisetzungen aus dem Kollapskrater
25.05.2016 09:51 Uhr
Nach dem die strombolianischen Explosionen die ganze Nacht über angedauert haben, setzen sie sich auch am Tag fort. Sie treten alle paar Sekunden auf und sind somit nicht mehr ganz so häufig und intensiv wie am Vorabend. Immer wieder kommt es nun auch zu kleinen Aschefreisetzungen aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters.
Pilz aus Gas und Asche bei strombolianischer Explosion
25.05.2016 10:31 Uhr
Vom La Montagnola blicke ich auf das eruptive Geschehen. Die strombolianischen Explosionen sind als lautes Zischen wahrnehmbar. Dabei wird jedes Mal ein Pilz aus Gas und Asche generiert. Ein immer noch sehr starker Wind treibt die Aschewölkchen nach Osten in das Valle del Bove.
Die Aktivität steigert sich noch einmal
25.05.2016 12:57 Uhr
Die Aktivität steigert sich noch einmal. Die Explosionen sind nun stärker und ereignen sich häufiger. Auch wird mehr Material ausgeworfen. Ich beobachte die Situation nun vom Monte Frumento Supino aus, ca. 1 Km südlich der Voragine gelegen.
Bei jeder Explosion werden unzählige Bomben ausgeworfen
25.05.2016 13:25 Uhr
Bei jeder Explosion werden unzählige Bomben und glühende Lavafragmente ausgeworfen. Viele gehen in der Bocca Nuova nieder und immer wieder prasseln auch einige auf der südlichen bis südöstlichen Flanke des Zentralkraterkegels herab.
Zoom auf die südöstliche Flanke des Zentralkraterkegels
25.05.2016 13:28 Uhr
Zoom auf die südöstliche Flanke des Zentralkraterkegels. Beim Einschlag der Bomben werden kleine graue Aschewölkchen produziert.
Aschepilz aus Video
25.05.2016 14:05 Uhr, 14.7 MB, 30 s
Noch besser wird die Aktivität durch dieses Video dokumentiert, das ich ebenfalls vom Monte Frumento Supino aus machen konnte. Leider übertönt der starke Wind häufig die Eruptionsgeräusche:

Der Tremor ging während der Nacht vom 23.05. auf den 24.05. weiter zurück und war damit so niedrig wie seit einer Woche nicht mehr. Im Laufe des 24.05. stieg er jedoch allmählich wieder an und nahm gegen Abend rapide zu. Schnell erreichte er ein Niveau wie während der letzten paroxysmalen Episoden der Voragine. Bis zum Mittag des heutigen Tages hielt er diese Intensität bei, ging dann aber langsam zurück und unterlag auch am heutigen Abend einem Abwärtstrend [1].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


23. Mai 2016

In den vergangenen beiden Tagen kam es am Ätna zu keiner paroxysmalen Episode mehr. Allerdings zeigte sich im Nordostkrater strombolianische Aktivität. Zeitweise wurde aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters Asche freigesetzt. Der Tremor ging immer weiter zurück und hat niedriges Niveau erreicht.

Während der Nacht vom 21. auf den 22. Mai zeigte die Wärmebildkamera des INGV-OE einzelne kleine Ascheemissionen aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters. Diese wurden gegen Morgen häufiger und intensiver. Zeitweise stand eine bräunliche Aschefahne über dem Südostkraterkomplex die vom Wind in südliche Richtung getrieben wurde. Bei einer der Emissionen zeigte sich um 05:48 Uhr auch eine kleine thermische Anomalie über dem Kollapskrater, was auf die Freisetzung von heißem Material hinweist.
Nach Sonnenaufgang waren weitere Ascheemissionen, verbunden mit kräftigen Gas- bzw. Dampfemissionen aus dem Kollapskrater erkennbar. Diese schwächten sich im Tagesverlauf jedoch wieder ab.
An der Voragine war starke Gasemission erkennbar. Entlang der kurzen Spalte, an ihrer oberen Ostflanke wurde weißer Dampf freigesetzt. Am Nordostkrater kam es zu pulsartiger Gasemission.
Den ganzen Tag über waren an der Südflanke, wie z.B. in der Gegend um das Rifugio Sapienza einzelne Detonationen hörbar, die möglicherweise von der Voragine kamen. Hier ereigneten sich vermutlich weitere strombolianische Explosionen.
Am Abend des 22. Mai gegen 20:00 Uhr wurde vermehrt Asche aus dem Nordostkrater ausgestoßen und nach Sonnenuntergang war dort moderate strombolianische Aktivität erkennbar. Gelegentlich wurde dabei glühend heißes Material mehrere hundert Meter hoch über den Kraterrand hinweg ausgeschleudert. Auch an der Voragine kam es zu einzelnen strombolianischen Explosionen. Während der Nacht zeigten die Wärmebildkameras weitere, teilweise kräftige Aschefreisetzungen aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters.
Heute Morgen setzten sich die sporadischen Ascheemissionen aus dem Neuen Südostkrater fort. Am Nachmittag und Abend wurden sie etwas häufiger und kräftiger. Nach 19:00 Uhr wurde auch aus dem Nordostkrater pulsartig Asche emittiert. Gelegentlich ereigneten sich ab diesem Zeitpunkt auch pulsartige Aschefreisetzungen aus der Voragine. Einzelne intensive strombolianische Explosionen in der Voragine schleuderten glühendes Material auf die östliche Flanke des Zentralkraterkegels.

Dieses Foto konnte ich am Abend des 22. Mai von der Südwestflanke (Nähe Rifugio Galverina) aus machen. Es zeigt links die Gaswolken aus der Voragine und rechts davon die bräunlichen Aschewolken aus dem Nordostkrater:
Ascheemission am NEC
22.05.2016 19:55 Uhr

Dieses Webcam-Foto dokumentiert die strombolianische Aktivität des Nordostkraters während der vergangenen Nacht. Einzelne Explosionen schleudern dabei glühende Bomben mehrere hundert Meter höher als der Kraterrand:
Strombolianische Explosionen im NEC
Foto vom 22.05.2016, 23:20 Uhr: Webcam 6 von Radio Studio 7

Auf diesem Foto, das ich heute Nachmittag von der Südostflanke aus gemacht habe, kann man die Aschefreisetzung aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters erkennen. Die Aschewolken steigen ca. 100 m hoch auf bevor sie vom starken westlichen Wind in Richtung des Valle del Bove verfrachtet werden:
Ascheemissionen aus Kollapskraters des NSEC
23.05.2016 16:12 Uhr

Heute veröffentlichte das INGV einen Bericht zum letzten Paroxysmus der Voragine. Hier die wichtigsten Punkte:
Wie bereits bei den ersten beiden paroxysmalen Episoden in der Voragine wurde auch das Ereignis vom 21. Mai durch eine Inflation des Gipfelbereichs des Ätna begleitet. Die strombolianische Aktivität, die bereits Stunden zuvor in der Voragine eingesetzt hatte und aus zwei bis drei Schloten erfolgte, ging dabei in die Emission pulsierender Lavafontänen über. Diese warfen glühende Bomben bis zu einer Entfernung von einem Kilometer aus. Die Bomben gingen an der südlichen Basis der Bocca Nuova nieder.
Bei dieser paroxysmalen Episode wurde auch ein Schlot im südlichen Bereich des Nordostkraters aktiv. Dieser war durch Kollaps am 18. oder 19. Mai entstanden. Außerdem bildete sich an der südöstlichen Flanke des Zentralkraterkegels eine Fraktur. Auf dieser öffnete sich im Bereich des Sattels zwischen dem alten Südostkraterkegel und dem Zentralkraterkegel ein effusiver Schlot. Er setzte einen kleinen Lavastrom frei der sich in Richtung Valle del Leone bewegte.
Die bei dem Paroxysmus emittierte Lava strömte erneut in die Bocca Nuova ein. Diese war bereits durch die jüngsten Episoden nahezu aufgefüllt und so trat die Lava anschließend über ihren westlichen Rand über. Dort formte sie einen aus vielen Zungen bestehenden Lavastrom der die Ströme vom 18. und 19. Mai  überdeckte. Die Aktivität schwächte sich gegen 05:00 Uhr ab und war um 06:00 Uhr zu Ende [1].

Das Rauschen des Tremors dominierte bis zum 22.05. die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater). Heute ging der Tremor immer weiter zurück und das nur noch schwache Rauschen war von einzelnen kräftigen Explosionssignalen, sowie häufigen und starken langperiodischen Signalen durchsetzt.
Der Tremor stieg am Abend des 21.05. wieder deutlich an und stabilisierte sich anschließend auf einem erhöhten Niveau. Im Tagesverlauf ging er wieder leicht zurück und am Abend des 22.05. nahm er etwas zu. Er war damit ähnlich hoch, wie in den Stunden vor der dritten paroxysmalen Episode der Voragine am 20.05.2016. Heute hielt er sich zunächst noch in diesem Bereich, ging jedoch im Tagesverlauf immer mehr zurück und erreichte am Abend niedriges Niveau [2].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. AGGIORNAMENTO ETNA, 23 MAGGIO 2016, ORE 17:30 UTC
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


21. Mai 2016

Heute Morgen gab es in der Voragine eine weitere paroxysmale Episode. Sie war schwächer als die vergangenen beiden Episoden. Dennoch wurden mehrere hundert Meter hohe Lavafontänen freigesetzt. Ein kleiner Lavastrom ergoss sich aus einer Spalte an der oberen Ostflanke der Voragine.

In der Nacht vom 19.05. auf den 20.05. behinderten Wolken die Beobachtung der eruptiven Aktivität des Ätna. Zeitweise wurde jedoch der Blick auf die Ostflanke frei und mittels der Cagliato-Wärmebildkamera des INGV-OE konnte ich beobachten, dass der Lavastrom aus der oberen Ostflanke nur noch schwach genährt wurde. Lediglich sein oberer Abschnitt war etwas aktiv. Im Laufe der Nacht ging auch diese Aktivität immer mehr zurück.
Nach Sonnenaufgang war am 20.05. an den Gipfelkratern kräftige Emission von Gas- und Dampf aus Voragine und Nordostkrater erkennbar. Ascheemissionen konnte ich den ganzen Tag über nicht beobachten. Gegen 21:00 Uhr begannen sich dann schwache thermische Anomalien über der Voragine zu zeigen. Auch über lichtstarke visuelle Webcams war zeitweise Glutschein über dem Gipfelkrater erkennbar; ein Hinweis auf strombolianische Explosionen in der Voragine. Leider wurden die Beobachtungen immer wieder durch Wolken im Gipfelbereich behindert.
Fotos der Cagliato-Wärmebildkamera des INGV-OE zeigten am 21. Mai nach 02:30 Uhr immer wieder kräftige thermische Anomalien über der Voragine. Diese wurden offenbar von starken strombolianischen Explosionen verursacht. Gegen 04:15 Uhr wurden die Anomalien dann größer und anhaltend. Innerhalb von wenigen Minuten baute sich eine weitere paroxysmale Episode auf und glutheißes Material wurde pulsartig ca. 300 m höher als der Kraterrand der Voragine ausgestoßen. Ein kräftiger nördlicher Wind verbog die Eruptionssäule und verfrachtete die Asche in südöstliche Richtung; aus Catania wurde am Morgen von feinem Ascheregen berichtet. Gegen 05:00 Uhr zogen immer mehr Wolken auf und behinderten den Blick auf das eruptive Geschehen. Zu diesem Zeitpunkt ging der Paroxysmus, der schwächer als die beiden früheren wirkte, jedoch offenbar auch wieder zu Ende. Wie verschiedene Fotos in sozialien Medien zeigten, kam es zur Emission eines kleinen Lavastroms aus der Voragine bzw. aus einer Spalte an ihrer Flanke in östliche Richtung. Der Lavastrom bewegte sich dem Zentralkraterkegel, knapp nördlich des Südostkraters hinab.
Leider behinderten Asche, Gas und Dampf die Beobachtung aus südlicher Richtung. Vermutlich wurde aber auch wieder ein Lavastrom aus der Voragine in westliche Richtung emittiert, denn in diesem Bereich konnte man zeitweise kräftigen Glutschein erkennen. Den ganzen Tag über war der Gipfelbereich dann in Wolken gehüllt. Diese lockerten erst gegen Abend wieder auf und nun konnte ich kräftige Gasemission aus der Voragine beobachten. Am oberen östlichen Kraterrand bzw. der oberen östlichen Flanke des Zentralkraterkegels erfolgte zuästzlich Emission von weißem Dampf; offenbar markierte dieser den Verlauf einer eruptiven Spalte die während dem Paroxysmus den kurzen Lavastrom an der Ostflanke des Zentralkraterkegels freisetzte. Neue eruptive Aktivität konnte ich bis Sonnenuntergang nicht beobachten.

Dieses Foto der Wärmebildkamera auf dem Monte Cagliato zeigt die paroxysmale Aktivität in der Voragine von Osten aus. Kräftige thermische Anomalien markieren die Emission von Lavafontänen. Die Eruptionssäule wird vom Wind in südöstliche Richtung gebogen:
Intensive thermische Anomalien über der Voragine markieren die paroxysmale Episode
Foto vom 21.05.16, 04:48 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Auf diesem Foto, das an der unteren Ostlanke des Ätna entstand und welches mir von Herr T. Böttcher freundlicherweise zu Verfügung gestellt wurde, kann man neben dem Glutschein über der Voragine, insbesondere die Eruptionssäule gut erkennen. Sie verursachte an der oberen Südostflanke, bis hinunter zur SP92 auf ca. 1800 m Höhe, leichten Niederschlag von Lapilli. Die Asche wurde bis nach Catania getragen:
Eruptionssäe von Osten aus gesehen
© T.Böttcher 21.05.2016, 04:25 Uhr

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater), die während dem Paroxysmus der Voragine am 19.05. bedingt durch starken Tremor völlig verrauscht waren, zeigten nach dem Ende der heftigen Aktivität weiterhin ein deutliches und gleichmäßiges Rauschen. Am 20.05. gegen Mittag begannen kräftige langperiodische Signale aufzutreten. Sie zeigten sich in sehr unterschiedlichen Abständen von meist unter einer Minute und dauerten mal nur sehr kurz und manchmal mehrere Minuten lang an. Am Abend mischten sich dann auch einige starke Explosionssignale darunter, wobei das Grundrauschen wieder zunahm. Nach Mitternacht dominierte dann der kräftige Tremor die Seismogramme. Heute war dann lediglich leichtes Rauschen erkennbar.
Der mittlere Tremor unterlag nach dem Paroxysmus vom 19.05. einem steten Abwärtstrend und erreichte im Tagesverlauf niedriges Niveau. Am 20.05. stabilisierte er sich dann und begann am späten Abend wieder allmählich zu steigen. Nach Mitternacht nahm der Tremor dann sprunghaft zu und markierte das Einsetzen der paroxysmalen Episode der Voragine. Anschließend fiel er auf niedriges Niveau. Heute Abend begann er wieder leicht zu steigen [2].

Vom 09.05. bis 15.05. nahmen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche zu und lagen oft oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Am 13. Mai wurde dann eine Emissionsrate von über 8.000 Tonnen und am 15. Mai von über 10.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag gemessen [1].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 09/05/2016 - 15/05/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


19. Mai 2016

Heute Morgen hat sich in der Voragine ein weiterer Paroxysmus ereignet. Schlechtes Wetter verhinderte eine direkte Beobachtung. Asche und Lapilli gingen an der Ostflanke des Bergs nieder. Die Lavaströme an der oberen West- und Ostflanke des Ätna sind weiter aktiv, werden aber nicht mehr so gut genährt.

In der vergangenen Nacht war der Lavastrom im Valle del Bove, der aus der oberen Ostflanke des Ätna gefördert wurde, weiterhin aktiv. Fotos der auf dem Monte Cagliato installierten Wärmebildkamera des INGV-OE zeigten, dass die Front nur noch sehr langsam weiter Hang abwärts voran kam. Sie befand sich weiterhin im Gebiet westlich bis südwestlich des Monte Simone. Nach 07:00 Uhr zogen dichte Wolken auf die die weitere Beobachtung verhinderten. An der effusiven Spalte, im Gebiet nördlich des Neuen Südostkraters war in den Nachtstunden anhaltender und kräftiger Glutschein zu erkennen. Gelegentlich war dieser Glutschein auch stärker, was auf Schlackenwurf oder strombolianische Explosionen an der Spalte schließen lässt. Leider behinderten auch hier gegen Morgen dichte Wolken die weitere Beobachtung.
Unterdessen bewegte sich der Lavastrom an der Westflanke des Ätna, der direkt aus der Voragine gespeist wurde, weiter dem Hang hinab. Seine Front dürfte grob geschätzt ca. 2100 m hohes Gelände erreicht haben und sich im Gebiet östlich des Forstwegs zwischen Rifugio di Monte Palestra und dem Monte Nunziata befunden haben.
Leider dauerte das schlechte Wetter heute den ganzen Tag über an und verhinderte die Beobachtung einer weiteren paroxysmalen Episode in der Voragine, die sich heute Morgen ereignete. Erst bei Anbruch der Dunkelheit lockerten die Wolken wieder langsam auf. Der Lavastrom an der Westflanke des Ätna zeigte sich nur noch in seinem oberen Abschnitt, bis ca. 2700 m Höhe aktiv. Der restliche Strom wurde nur noch durch einige glühende Stellen markiert.
Auch der Lavastrom im Valle del Bove war heute Abend noch aktiv. Allerdings wirkte der untere Abschnitt, also entlang des steilen Hangs oberhalb des Monte Simone nicht mehr gut genährt. Die Beobachtungen waren jedoch durch Wolken behindert und die Sichtbedingungen verschlechterten sich nach 19:00 Uhr erneut rapide.

Wie das INGV berichtet zeigte gestern kurz vor Mitternacht ein bei Punta Lucia (obere Nordwestflanke) stationierter Neigungsmesser, kräftiges Anschwellen des Gipfelbereichs; ein ähnliches Verhalten wurde bereits kurz vor dem ersten Paroxysmus der Voragine beobachtet. Diese Inflation wurde auch von steigendem Tremor begleitet. Heute Morgen stieg der Tremor dann rapide an und gleichzeitig waren in den Gebieten südlich und östlich des Bergs laute, nahezu kontinuierliche Schläge zu hören. Eine dichte Eruptionswolke wurde in einer Höhe von ca. 1000 m über dem Gipfel vom starken Wind in östliche Richtung getrieben. Asche und Lapilli regnete auf den östlichen Sektor des Ätna, allerdings in einem schmalen Bereich der sich nördlich an das Gebiet anschloss welches bereits gestern von Ascheregen betroffen war. Das Wetter gestaltete die Beobachtung der eruptiven Aktivität sehr schwierig und lediglich an Hand der Tremor- und Infraschalldaten konnte auf eine paroxysmale Episode in der Voragine geschlossen werden. Eine bei Bronte stationierte Wärmebildkamera zeigte einen neuen Übertritt von Lava aus der Voragine. Der Lavastrom bewegte sich dabei über die Lava die bei dem ersten Paroxysmus eruptiert wurde hinweg. Gegen 09:00 Uhr dauerte die eruptive Aktivität in der Voragine noch an, der Tremor begann jedoch zu fallen [1].

Dieses Foto vom heutigen Abend zeigt den Lavastrom an der Westflanke des Ätna. In seinem unteren Bereich gibt es nur noch wenige glühende Stellen. Erst oberhalb von ca. 2700 m Höhe scheint er besser genährt zu sein. Eine Wolkenkappe verhüllt leider die Gipfelkrater und nur etwas Glutschein der Voragine dringt durch sie hindurch:
Lavastrom an der Westflanke
Foto vom 19.05.2016, 20:55 Uhr: Webcam 1 von Radio Studio 7

Der Tremor stieg gestern Abend kurz vor Mitternacht zunächst sprunghaft an und erreichte schnell die Werte, die er am 17.05. während der strombolianischen Aktivität am Nordostkrater hatte. Nach einer Stagnation während den Nachtstunden schnellte er heute Morgen gegen 06:00 Uhr rasch empor und erreichte gegen 08:00 Uhr das gleiche Niveau wie während dem ersten Paroxysmus der Voragine. Nach 09:00 Uhr fiel er wieder rapide ab, erholte sich jedoch bald und war am späten Abend in etwa so hoch, wie während der Anfangsphase der eruptiven Aktivität am 17. Mai [2].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. AGGIORNAMENTO ETNA, 19 MAGGIO 2016, ORE 11:00 UTC
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


18. Mai 2016

Heute kam es in der Voragine zu einer kurzen, aber heftigen eruptiven Phase die mit der Freisetzung von Lavafontänen verbunden war. Gleichzeitig öffnete sich an der oberen Ostflanke des Ätna eine eruptive Spalte. Diese setzt einen Lavastrom frei der sich in das Valle del Bove ergießt. Außerdem wird ein schmaler Lavastrom aus der Voragine emittiert, der entlang der oberen Westflanke des Ätna unterwegs ist.

Am späten gestrigen Abend wurden die strombolianischen Explosionen innerhalb des Nordostkraters immer intensiver und nach 22:00 Uhr wurden immer häufiger glühende Bomben über den östlichen Rand des Gipfelkraters hinaus geschleudert. Die starke strombolianische Aktivität dauerte die ganze Nacht über an. Heute Morgen gegen 06:00 Uhr zeigte die Monte Cagliato - Wärmebildkamera des INGV-OE verstärkte Emission von Gas und Asche aus dem Nordostkrater. Die mächtige Wolke wurde vom Wind über das Valle del Bove hinweg in östliche Richtung getrieben und behinderte mehr und mehr die Beobachtung der eruptiven Aktivität aus diesem Blickwinkel.
Nach Sonnenaufgang war über die La Montagnola Webcam des INGV-OE pulsartige Ascheemission aus dem Nordostkrater erkennbar. Diese wurde nach 09:00 Uhr deutlich schwächer, allerdings zeigte sich nach wie vor anhaltende und starke Gasemission die mit bräunlicher Asche durchsetzt war.
Kurz vor 13:00 Uhr intensivierte sich relativ rasch die Gasfreisetzung aus der Voragine. Unter die pulsartig verstärkten Gaswolken mischte sich nach wenigen Minuten dunkle Asche. Gleichzeitig zeigte die La Montagnola - Wärmebildkamera des INGV-OE intensive thermische Anomalien über der Voragine; ein Indiz dafür, dass glühend heiße Asche emittiert wurde, was auf die Freisetzung von Lavafontänen schließen lässt. Die thermischen Anomalien erreichten bereits nach wenigen Minuten Höhen von wenigen hundert Metern. Die aus Dampf, Gas und Asche bestehende Eruptionssäule stieg mind. 1500 m über dem Gipfel des Ätna auf und wurde vom Wind rasch in östliche Richtung gebogen.
Während der eruptiven Aktivität in der Voragine waren an der Ostflanke des Neuen Südostkraters gelegentlich bräunliche Aschewolken erkennbar. Diese wurden vermutlich vom Kollapskrater an seiner oberen Ostflanke emittiert. Gegen 13:30 Uhr zeigte sich dann allerdings eine dunkle Aschesäule die offenbar aus dem Gebiet nördlich des Neuen Südostkraters freigesetzt wurde! Vermutlich kam es hier nun auch zu eruptiver Aktivität; vermutlich öffnete sich eine eruptive Spalte. Die Ascheemissionen in diesem Bereich wurden jedoch immer wieder von der Gas- und Aschesäule aus der Voragine überlagert und es war schwer zu erkennen, was im Gebiet nördlich des Neuen Südostkraters vor sich ging. Auf einigen Webcam-Fotos war jedoch mehrfach die Freisetzung von bräunlicher Asche aus diesem Bereich sichtbar.

Am Morgen des 18. Mai kam es zunächst zu kräftigen Ascheemissionen aus dem Nordostkrater des Ätna. Der Wind trieb die braunen Aschewolken rasch nach Osten, wo sie sich über dem Valle del Bove bald auflösten. Dieses Bild entstand in Giardini/Recanati und wurde mir freundlicherweise von Herrn A. Neveling zur Verfügung gestellt:
Anhaltende Ascheemissionen am NEC
© A. Neveling 18.05.2016, 06:26 Uhr

Auf diesem Webcam-Foto kann man in der linken Bildhälfte die Eruptionssäule aus der Voragine erkennen. Diese enthält Dampf, Gas und Asche und wird vom Wind rasch in östliche Richtung gebogen. Ganz rechts, direkt am Bildrand sieht man einen dunklen Streifen. Offenbar wurde zu diesem Zeitpunkt eine Fontäne aus dunkler Asche aus dem Gebiet nördlich des Neuen Südostkraters emittiert, was vermutlich mit der Öffnung einer eruptiven Spalte in Verbindung steht:
Emission von Gas,Dampf und Asche aus der Voragine und Aschesäe aus Gebiet nördlich des NSEC
Foto vom 18.05.16, 13:33 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Während des Höhepunkts der eruptiven Episode schossen die Lavafontänen mehr als 300 m über den Kraterrand der Voragine hinaus. Dunkle Aschesäulen (Tephrafinger) markieren ihre Position:
Höhepunkt der paroxysmalen Episode in der Voragine
Foto vom 18.05.16, 15:30 Uhr Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Gegen 15:30 Uhr erreichten die Lavafontänen mehrfach Höhen von mindestens 300 m über dem Kraterrand und dunkle Aschesäulen (Tephrafinger) schossen in den Himmel. Kurz vor 16:00 Uhr ging die eruptive Aktivität in der Voragine dann rasch zurück und bald zeigten sich keine thermischen Anomalien mehr über dem Gipfelkrater. Auch die Freisetzung von Asche, Dampf und Gas schwächte sich deutlich ab. Aus dem Bereich nördlich des Neuen Südostkraters und aus dem Nordostkrater wurde nun anhaltend bräunliche Asche emittiert. Anschließend zogen Wolken auf die die weitere Beobachtung der eruptiven Aktivität vorübergehend behinderten.
Nach Auflösung von Dunst und Wolken war über eine, im Gebiet des Pizzi Deneri stationierte Webcam, ein Lavastrom an der oberen nordöstlichen Flanke des Ätna erkennbar. Er bewegte sich somit in dem Bereich nordöstlich des Neuen Südostkraters und wurde offenbar von  der eruptiven Spalte, die sich dort heute Mittag vermutlich geöffnet hatte, genährt. Bald war der Lavastrom auch über die Cagliato-Wärmebildkamera zu sehen. Es zeigte sich, dass er aus dem Gebiet der kleinen Schlackenkegel emittiert wurde, die sich während der Eruption vom Juli/August 2014 nördlich des Neuen Südostkraters gebildet hatten. Offenbar hat sich die eruptive Spalte, die im Sommer 2014 aktiv war, heute reaktiviert. Der Lavastrom legte einen ganz ähnlichen Kurs wie die Ströme von 2014 ein, zeigte sich gut genährt und bewegte sich in östliche bis nordöstliche Richtung dem Valle del Bove hinab. Im Laufe des heutigen Abends kam der Lavastrom langsam weiter östlich voran und floss dem steilen Geländeabschnitt westlich des Monte Simone hinab. Seine Front dürfte sich gegen 22:00 Uhr auf ca. 2000 m hohem Gelände bewegt haben.

Der Lavastrom an der oberen östlichen Flanke des Ätna vom nördlichen Rand des Valle del Bove aus gesehen. In der rechten oberen Bildhälfte kann man schemenhaft den Nordostkrater erkennen:
Lavastrom an der oberen Ostflanke
Foto vom 18.05.2016, 20:30 Uhr: Webcam 6 von Radio Studio 7

Gleichzeitig war heute Abend nach Sonnenuntergang auch ein Lavastrom an der westlichen Flanke des Ätna sichtbar. Dieser wurde laut INGV [2] direkt aus der Voragine freigesetzt, war relativ klein und auf den Gipfelbereich limitiert. Er dürfte sich nun grob geschätzt auf das Gebiet Monte Nunziata - Monte Scavo zu bewegen.
Weitere strombolianische Explosionen konnte ich heute Abend nach Sonnenuntergang weder an Voragine noch Nordostkrater erkennen.

Inzwischen wurden auf sozialen Medien diverse Fotos von der heutigen eruptiven Aktivität veröffentlicht. Interessant sind hierbei einige Fotos und Videos die von der oberen Nordostflanke des Ätna aus gemacht wurden. Sie zeigen mindestens zwei kleine Schlote die Lavafetzen auswerfen und Gas freisetzen. Einer davon befand sich nach einer ersten Analyse des Materials einige hundert Meter östlich bis nordöstlich der Schlackenkegel von 2014, am oberen Hang des Valle del Leone und emittierte auch einen kleinen Lavastrom. Ein anderer war offenbar noch etliche hundert Meter weiter nördlich aktiv, vermutlich schon eher im Gebiet des Piano delle Concazze gelegen [1].

Der Tremor stieg im Laufe des späten gestrigen Abends weiterhin kontinuierlich an und erreichte gegen Mitternacht einen vorläufigen Höhepunkt. Anschließend ging er leicht zurück, bevor er heute Mittag während der eruptiven Aktivität in der Voragine noch einmal rapide anstieg. Anschließend schwächte er sich rasch ab und erreichte am heutigen Abend ein Niveau, wie er es vor dem Einsetzen der eruptiven Aktivität hatte [3].

  1. Facebook - Etna Web. 2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. AGGIORNAMENTO ETNA, 18 MAGGIO 2016, ORE 13:45 UTC
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


17. Mai 2016

Strombolianische Aktivität im Nordostkrater!
Nach einem kontinuierlichen Anstieg des vulkanischen Tremors, der gestern begann, setzten heute milde strombolianische Explosionen im Nordostkrater ein.

Während sich am 14. und 15. Mai am Nordostkrater nur pulsartige Gasemission zeigte, mischten sich gestern gelegentlich dünne Aschewolken unter das Gas. In der vergangenen Nacht waren dann über die Cagliato-Wärmebildkamera des INGV-OE weitere, zunächst schwache Ascheemissionen erkennbar. Gegen 07:00 Uhr setzte am Nordostkrater verstärkte Gasfreisetzung ein, die mit etwas bräunlicher Asche durchmischt war. Den ganzen Tag über konnte man starke, pulsartige Gasfreisetzung beobachten. Gelegentlich waren die Emissionen mit wenig grauer Asche vermischt. Unterdessen zeigten die übrigen Gipfelkrater keine besonderen Auffälligkeiten. In sozialen Medien wurde über hörbare donnernde Geräusche im Nordsektor des Vulkans berichtet; vermutlich wurden sie vom Nordostkrater verursacht.
Nach Einbruch der Dunkelheit war dann heute gegen 21:00 Uhr rötlicher Glutschein über dem Nordostkrater erkennbar. Dieser zeigte wechselnde Intensität, was auf strombolianische Explosionen auf dem Grund seines Schlots schließen lässt. Über die Wärmebildkameras waren bis 22:00 Uhr jedoch nur leichte thermische Anomalien erkennbar; heißes Material wurde somit noch nicht auf die Höhe des Kraterrands ausgeworfen und die strombolianische Aktivität dürfte daher relativ mild sein.

Dieses Webcam-Foto vom heutigen Abend zeigt den Glutschein über dem Nordostkrater des Ätna. Es wurde aus nordöstlicher Richtung aufgenommen. Links unterhalb vom Krater kann man schemenhaft die Kegel der Eruption vom Sommer 2014 erkennen:
Glutschein über dem Nordostkrater
Foto vom 17.05.2016, 21:21 Uhr: Webcam 6 von Radio Studio 7

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten am 14.05. phasenweise verstärktes Rauschen, genau wie bereits an den Vortagen. Am 15.05. verstärkte sich das vom Tremor generierte Rauschen leicht und wurde anhaltend. Am 16.05. war es von kurzen Phasen noch stärkeren Rauschens durchsetzt und intensivierte sich in der vergangenen Nacht deutlich. Heute war das Rauschen so stark, dass es alles überlagerte und nur noch einzelne, kräftige Explosionssignale eine höhere Amplitude erreichten. Auch der mittlere Tremor zeigte ein ganz ähnliches Bild und legte ab dem 15.05. zunächst langsam zu. Ab der zweiten Tageshälfte des 16.05. setzte ein weiterer, langsamer, jedoch kontinuierlicher Anstieg ein, der bis zum heutigen späten Abend andauert. Der Tremor hat inzwischen mittleres Niveau erreicht [1].

Am 15.05. und 16.05. ereigneten sich im Gebiet Monte Scorsone - Rifugio Citelli (Ost-/Nordostflanke) mehrere sehr schwache Beben, wobei das stärkste eine Magnitude von 1.5 erreichte [2].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


13. Mai 2016

In den vergangenen beiden Wochen setzte sich die ruhige Gasemission des Ätna fort. Allerdings kam es am 07. Mai zu einer Aktivitätssteigerung am Neuen Südostkrater, verbunden mit der Freisetzung von heißem Material und einer Intensivierung, sowie Verlagerung des Tremors. Die seismische Aktivität hat sich wieder etwas verstärkt.

An den Gipfelkratern waren in den letzten 14 Tagen die üblichen Gasemissionen erkennbar. Am Nordostkrater waren sie weiterhin am stärksten und überwiegend pulsartig. Nennenswerte Ascheemissionen konnte ich hier nicht beobachten. An Voragine und Bocca Nuova waren die Gasemissionen eher schwach. Am Neuen Südostkrater wurde das meiste Gas aus dem Kollapskrater an seiner oberen Ostflanke emittiert. Ab dem 30. April waren hier die Gasemissionen gelegentlich mit etwas bräunlicher Asche durchsetzt. Nach einer Phase schlechten Wetters, die eine Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams nahezu ständig verhinderte, waren am 04.05. erneut kleinere Ascheemissionen aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters erkennbar. An den nachfolgenden Tagen wurden diese wieder seltener, jedoch nahmen die Gasemissionen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters zu. Am frühen Morgen des 07.05. zeigte die Cagliato-Wärmebildkamera des INGV-OE kräftige Gasemission aus dem Kollapskrater die offenbar auch von Asche durchsetzt war. Auch leichte thermische Anomalien, die auf den Ausstoß von heißem Material schließen lassen, waren in der Umgebung des Kollapskraters sichtbar. Am Tage wurde dann aus dem Nordostkrater etwas Asche emittiert. An den nachfolgenden Tagen gingen die Asche- und Gasemissionen wieder deutlich zurück. Schlechtes Wetter behinderte anschließend die weiteren Beobachtungen. Heute konnte ich keine nennenswerten Aschefreisetzungen mehr beobachten.

Dieses Webcam-Foto der Monte Cagliato-Wärmebildkamera zeigt die Emission von Gas/Asche aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters. Dabei wird auch heißes Material freigesetzt, wie eine kleine thermische Anomalie im Bereich knapp unterhalb des Kollapskraters zeigt:
Emission von Gas/Asche und heißem Material aus dem NSEC
Foto vom 07.05.16, 03:51 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Vom 25.04. bis 01.05. waren die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater etwas schwächer als in der Vorwoche und lagen zeitweise oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Am 25. April wurde eine Emissionsrate von über 7.500 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag gemessen. Die Chlorwasserstoff-Emissionen nahmen im gleichen Zeitraum gegenüber der Vorwoche leicht zu [1]. In der Zeit vom 02.05. bis 08.05. gingen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater nochmals leicht zurück. Die Spitzenemissionsraten lagen gelegentlich oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Am 02.05. wurden sogar vorübergehend mehr als 8.500 Tonnen und am 03.05. mehr als 11.000 Tonnen SO2 pro Tag registriert [2].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE (Nordostkrater) war bis zum 05.05. anhaltendes und schwaches Rauschen erkennbar das vermutlich von leicht erhöhtem Tremor verursacht wurde. Nur selten zeigten sich schwache Explosionssignale. Ab dem 06.05. war das Rauschen phasenweise verstärkt. Langperiodische Signale bzw. Explosionssignale waren weiterhin selten zu beobachten. Der Tremor schwankte insgesamt auf niedrigem Niveau und unterlag einem ganz leicht steigenden Trend [3]. Wie das INGV berichtet, kam es am 07.05. zu einem vorübergehenden und leichten Anstieg des Tremors. Gleichzeitig verlagerte sich dabei die Quelle des Tremors vom Gebiet unterhalb der Gipfelkrater (auf ca. 3000 m Höhe) zum Neuen Südostkrater. Außerdem verstärkten sich dort die Infraschall-Ereignisse [2].

Am 05.05. kam es bei Pozzillo (Südostflanke) zu einem Beben der Stärke 1.8. Am 08.05. ereignete sich im Raum östlich von Ragalna (Südflanke) eine kleine Serie sehr schwacher Erdbeben. Das stärkste erreichte dabei eine Magnitude von 2.0. Am 12.05. wurden im Raum Mascalucia - Trecastagni (Südostflanke) zwei Beben registriert, wobei das stärkste eine Magnitude von 2.2 erreichte [4].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 25/04/2016 - 01/05/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 02/05/2016 - 08/05/2016
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  4. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


29. April 2016

Die Ascheemissionen aus dem Nordostkrater bzw. dem Neuen Südostkrater haben sich in der vergangenen Woche abgeschwächt. Die seismische Aktivität blieb leicht erhöht und die Gasemissionen der Gipfelkrater haben sich in den letzten 14 Tagen etwas verstärkt.

In den letzten beiden Wochen kam es am Nordostkrater zunächst noch zu weiteren, überwiegend leichten Ascheemissionen. Die meist pulsartigen Gasemissionen waren zeitweise mit etwas grauer bis rotbrauner Asche durchsetzt. Sporadisch waren die Aschefreisetzungen auch etwas stärker und länger andauernd. Seit dem 23. April haben sich diese Emissionen deutlich abgeschwächt. An der Voragine und an der Bocca Nuova wurde nur wenig Gas emittiert. Am Neuen Südostkrater kam es im Gipfelbereich zu leichten Gasemissionen. Am Kollapskrater des Neuen Südostkraters wurde ebenfalls etwas Gas frei gesetzt. Hier kam es auch immer wieder zu kleinen Aschefreisetzungen. Ähnlich wie beim Nordostkrater waren die dünnen Aschewolken grau bis rotbraun gefärbt und traten nach dem 23. April deutlich seltener auf. Heute wurden dann wieder etwas häufiger dünne, bräunliche Aschewolken emittiert. Auch die Gasfreisetzungen wirkten etwas intensiver als an den Vortagen.

Am 15. April wurden die Gipfelkrater von INGV-Personal besucht. Dabei wurden folgende Beobachtungen gemacht:
Aus dem Nordostkrater kommt es zu pulsartiger Gasfreisetzung. Diese ist zeitweise von zum Teil länger andauernden schwachen Emissionen feiner grau-rötlicher Asche durchsetzt. Am Neuen Südostkrater kommt es ebenfalls zu ganz ähnlichen Ascheemissionen. Diese erfolgen aus dem Kollapsschlot vom 25. November 2015, der sich an der oberen Ostflanke des Kegel befindet.  Insgesamt sind die Ascheemissionen weniger häufig als in der Vorwoche. Voragine und Bocca Nuova setzen lediglich Gas aus verschiedenen Fumarolensystemen frei. Diese befinden sich an den inneren Kraterwänden. Die Voragine ist durch die Produkte der eruptiven Aktivität vom 3-5. Dezember 2015 blockiert. In der Bocca Nuova kommt es im zentralen Abschnitt des Kraters zu allmählichem und leichtem Kollaps was dort zur Bildung eines neuen Kollapsschlots führt [1].

Vom 11.04. bis 17.04. waren die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater vergleichbar mit denen der Vorwoche und lagen meist oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Am 11. April wurde sogar eine Emissionsrate von über 7.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag gemessen. Die Chlorwasserstoff-Emissionen nahmen im gleichen Zeitraum gegenüber der Vorwoche  leicht zu [1]. Zwischen dem 18.04. und dem 24.04. verstärkten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater noch etwas und lagen stets über 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Am 23.04. wurde eine Emissionsrate von 6.500 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag registriert [2].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE (Nordostkrater) war in den vergangenen 14 Tagen anhaltendes und schwaches Rauschen erkennbar das vermutlich von leicht erhöhtem Tremor verursacht wurde. Alle paar Minuten zeigten sich schwache Explosionssignale, sporadisch auch langperiodische Signale. Ab dem 23.04. traten diese Signale deutlich seltener auf. Der Tremor schwankte auf niedrigem Niveau und unterlag in den letzten Tagen einem leicht steigenden Trend [3].

Am 19.04. kam es westlich vom Monte Parmentelli (Südwestflanke) zu einem Beben der Stärke 1.7. Am 20.04. wurde westlich vom Rifugio Sapienza (Südflanke) ein Beben der Stärke 1.5 registriert. Am 26.04. und 27.04. kam es im Raum Zafferana - Fondo Macchia (Ostflanke) zu mehreren Erdbeben, wobei das stärkste eine Magnitude von 2.6 erreichte. Am 29.04. wurde bei Santa Maria Ammalati (Südostflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen [4].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 11/04/2016 - 17/04/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 18/04/2016 - 24/04/2016
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  4. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


15. April 2016

In den letzten 14 Tagen setzten sich die Ascheemissionen des Nordostkraters unter Abschwächung fort. Heute waren sie wieder deutlich stärker. Auch aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters wurde etwas Asche freigesetzt. Während der Tremor niedrig blieb, nahm die seismische Aktivität deutlich zu und auch die Gasemissionen der Gipfelkrater intensivierten sich.

Bis zum 06. April dauerten die zeitweilligen, meist schwachen bis moderaten Emissionen bräunlicher Asche aus dem Nordostkrater noch an, unterlagen allerdings einem sich abschwächenden Trend. Schlechtes Wetter mit Neuschnee behinderte anschließend bis zum 10.04. die Beobachtungen mittels Webcams. An den nachfolgenden Tagen konnte ich nur noch sehr schwache Aschefreisetzungen erkennen bevor sie sich in der letzten Nacht wieder deutlich intensivierten. Nach Sonnenaufgang stand heute Morgen eine dichte Aschewolke über dem Nordostkrater. Der Wind verfrachtete die bräunliche und kalte Asche rasch in nordöstliche Richtung. Die Aschefreisetzungen dauerten den ganzen Tag über an und generierten über der Nordflanke des Bergs eine kilometerlange dunkle Fahne.
In den letzten 14 Tagen wurde das meiste Gas weiterhin am Nordostkrater freigesetzt. An den übrigen Gipfelkratern zeigten sich die gewohnten Gasemissionen. An der Bocca Nuova konzentrierten sich die Gasemissionen auf den nordwestlichen Kraterabschnitt. Am Neuen Südostkrater wurde zunächst nur wenig Gas aus dem Gipfelbereich, sowie aus dem Kollapskrater an seiner oberen Ostflanke emittiert. Allmählich nahmen die Gasemissionen aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters jedoch zu und wirkten zeitweise recht kräftig. Am 13. April kam es dann dort ab ca. 15:00 Uhr zu pulsartiger Freisetzung von bräunlicher Asche. Die leichten Emissionen dauerten über 30 Minuten an und schwächten sich danach wieder deutlich ab. Gelegentlich wurde auch gleichzeitig aus den Schloten im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters etwas Asche emittiert. In der vergangenen Nacht und auch heute den Tag über kam es aus dem Kollapskrater des Neuen Südostkraters zu weiteren kleinen und schwachen Aschefreisetzungen.

Dieses Webcam-Foto vom 13. April zeigt die Freisetzung von dunkler Asche aus dem Kollapsschlot des Neuen Südostkraters. Links davon der Gipfelbereich des Neuen Südostkraters, aus dem an diesem Tag ebenfalls geringe Mengen Asche emittiert wurden:
Freisetzung von dunkler Asche aus dem Kollapsschlot des Neuen Südostkraters
Foto vom 13.04.16, 15:18 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater gingen im Zeitraum vom 28.03. - 03.04. im Vergleich zur Vorwoche deutlich zurück. Nur am 30. März lagen die Spitzenemissionsraten bei über 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Die Messwerte für Chlorwasserstoff stiegen dagegen im Vergleich zur vergangenen Messung leicht an [1]. Vom 04.04. bis 10.04. nahmen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater dann wieder kräftig zu und lagen stets oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Am 10. April wurde sogar eine Emissionsrate von 10.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag gemessen. Auch die Chlorwasserstoff-Emissionen nahmen im gleichen Zeitraum gegenüber der Vorwoche weiter zu [2].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE (Nordostkrater) waren bis zum 08. April zunächst noch häufig minutenlange Phasen verstärkten Rauschens zu sehen. Die an krampfartigen Tremor erinnernden Signale schwächten sich anschließend immer mehr ab und gingen in einem leicht erhöhten, dauerhaften Rauschen unter das offenbar von schwachem und anhaltendem Tremor generiert wurde. Gelegentlich zeigten sich schwache Explosionssignale. In den vergangenen Tagen nahm ihre Anzahl etwas zu.  Insgesamt schwankte der Tremor in den letzten zwei Wochen auf niedrigem Niveau und verstärkte sich zuletzt leicht [3].

Am 31.03. kam es bei San Giovanni Bosco (Südostflanke) zu einem Beben der Stärke 2.2. Am 01.04. wurde östlich von Acireale (Südostflanke) ein Beben der Stärke 1.9 gemessen. Am 03.04. kam es bei Santa Tecla (Südostflanke) zu einem Beben der Stärke 2.1. Am 03.04. wurden südöstlich von Bronte (Nordwestflanke) mehrere schwache Beben verzeichnet. Die stärkste Erschütterung erreichte dabei eine Magnitude von 1.6. Am 04.04. kam es nordöstlich von Pozzillo (Südostflanke) zu einem Beben der Stärke 2.2. Am 06.04. ereignete sich bei Maletto (Nordwestflanke) eine kleine Erdbebenserie. Die stärkste Erschütterung erreichte dabei eine Magnitude von 2.1. Am 10.04. wurde bei Fondo Macchia (Ostflanke) ein Beben der Stärke 1.6 gemessen. Am gleichen Tag kam es bei Maletto, sowie östlich von Biancavilla (Südflanke) zu je einem Beben der Stärke 1.7. Am 14.04. wurden bei Fondo Macchia zwei Beben registriert, wobei das stärkste eine Magnitude von 2.1 erreichte [4].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 28/03/2016 - 03/04/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 04/04/2016 - 10/04/2016
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  4. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


01. April 2016

Auch in der letzten Woche kam es am Nordostkrater wieder zu leichten Ascheemissionen. Gestern und heute waren die Freisetzungen vorübergehend intensiver. Weiterhin waren die Online-Seismogramme von krampfartigem Tremor dominiert. Insgesamt blieb der Tremor jedoch niedrig und die seismische Aktivität gering.

In der vergangenen Woche waren die kräftigen, pulsartigen Gasemissionen des Nordostkraters weiterhin häufig mit etwas bräunlicher Asche durchsetzt. Selten zeigten sich dabei auf den Wärmebildkameras auch schwache thermische Anomalien, was auf die Freisetzung von heißem aber überwiegend altem Material hin deutet. Gestern Morgen kurz nach 09:15 Uhr intensivierten sich die Ascheemissionen plötzlich. Die pulsartig ausgestoßenen bräunlich bis grauen Aschewolken stiegen wenige hundert Meter über dem Gipfelbereich auf und wurden vom Wind rasch in südliche Richtung getrieben. Nach ca. zwei Stunden schwächten sich diese Emissionen wieder deutlich ab. Heute Morgen zwischen 06:30 Uhr und 08:00 Uhr kam es am Nordostkrater erneut zu einer Phase verstärkter Ascheemission. Dabei zeigte sich ein ganz ähnliches Bild wie gestern.
An den übrigen Gipfelkratern des Ätna kam es in der letzten Woche zu den üblichen Gasemissionen. An der Bocca Nuova wurde das meiste Gas weiterhin aus dem nordwestlichen Kraterabschnitt emittiert. Am Südostkraterkomplex setzten Fumarolen im Bereich des Sattels, zwischen dem Kegel des alten und des Neuen Südostkraters Gas und Dampf frei. Im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters kam es zu schwacher Gasemission.

Dieses Webcam-Foto vom Morgen des 31. März zeigt die vom Nordostkrater pulsartig ausgestoßenen Aschewolken. Ein nördlicher Wind treibt die bräunlich bis grauen Emissionen rasch nach Süden:
Moderate und pulsartige Emission von grauer Asche aus dem Nordostkrater
Foto vom 31.03.2016, 09:36 Uhr: Milo-Webcam des INGV

Die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater stiegen im Zeitraum vom 21.03. - 27.03. im Vergleich zur Vorwoche an. Meist lagen die Spitzenemissionsraten bei über 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten in der vergangenen Woche immer wieder minutenlange Phasen verstärkten Rauschens die an krampfartigen Tremor erinnerten. Diese Phasen waren meist nur von kurzen, wenige Minuten andauernden Pausen unterbrochen. Zwischen dem 26. und 28. März war das Rauschen so intensiv, dass es sich auch schwach auf den Online-Seismogrammen anderer, weiter Hang abwärts gelegenen Stationen bemerkbar machte. Der Tremor bewegte sich in der letzten Woche weiterhin auf niedrigem Niveau [2].

Am 27.03. kam es nordöstlich von Maletto (Nordwestflanke) zu einem Beben der Stärke 1.6 [3].

Kurze eigene Einschätzung der Lage:
Nach der ersten relativ explosiven Aschefreisetzung des Nordostkraters, die sich am 23. Februar ereignete und bei der auch glühendes Material ausgeworfen wurde, ging ich davon aus, dass schon bald neue eruptive Aktivität an den Gipfelkratern einsetzen würde. Inzwischen sind gut fünf Wochen vergangenen, jedoch kam es zu keiner neuen Eruption. Nur die Ascheemissionen des Nordostkraters setzten sich weiterhin fort, wenn auch überwiegend schwach. Wie das INGV nach Auswertung der Daten eines Erdbeobachtungssatelliten mitteilte, herrschte in den letzten Monaten deutliche Deflation des Berges vor. Somit ist wohl anzunehmen, dass die Aschefreisetzungen des Nordostkraters eher durch Kollaps, als durch Aufstieg von Magma ausgelöst werden. Dabei kann es allerdings auch mal zu stärkeren Explosionen kommen, die dann auch heißes Material aus dem Krater schleudern. Angesichts dieser Beobachtungen ist in nächster Zeit vermutlich nicht mit neuer eruptiver Aktivität des Ätna zur rechnen.
Interessant ist, dass die Aschefreisetzungen praktisch nur am Nordostkrater stattfinden und sich nicht z.B. in der Voragine oder der Bocca Nuova ereignen. Möglicherweise hat dies damit zu tun, dass der Schlot des Nordostkraters bis in größere Tiefe offen ist. Vielleicht stehen die Aschefreisetzungen dort aber auch im Zusammenhang mit der Verschiebung eines großen Blocks der Ostflanke hin in östliche Richtung; ein Vorgang der während und nach der Eruption der Voragine beobachtet wurde.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2016. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 21/03/2016 - 27/03/2016
  2. INGV-Sezione di Catania. 2016. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  3. INGV-Sezione di Catania. 2016. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


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