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Ätna Update (10.04. - 29.05.2015)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.
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29. Mai 2015

Auch die vergangene Woche verlief am Ätna sehr ruhig. Während der Tremor niedrig blieb verstärkte sich die seismische Aktivität und konzentrierte sich auf die Nordwestflanke des Bergs. Heute nahmen die Gasemissionen an Voragine und Nordostkrater deutlich zu.

In der vergangenen Woche behinderten Wolken zeitweise die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden zeigten sich die üblichen Gasemissionen. Diese konzentrierten sich auf Nordostkrater und Bocca Nuova. An der Bocca Nuova wurde das meiste Gas in ihrem nordwestlichen Abschnitt emittiert. Am Neuen Südostkrater kam es im Gipfelbereich zur Freisetzung von etwas Gas. Heute nahmen die Gasemissionen an der Voragine, die an den Vortagen nicht besonders auffällig waren, deutlich zu und waren pulsartig verstärkt. Auch am Nordostkrater wirkten die Gasemissionen heute kräftiger.

Wie das INGV berichtet kam es am Morgen des 20. Mai am Nordostkrater zu sporadischen Emissionen bräunlicher Asche. Diese Emissionen wechselten sich mit pulsartiger Freisetzung von weißem Dampf ab [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 18.05. - 24.05. deutlich niedriger als in der Vorwoche. Meist lagen die Spitzenemissionsraten bei 5.000 Tonnen SO2 pro Tag. Lediglich am 19.05. und 24.05. wurden rund 7.000 Tonnen SO2 pro Tag gemessen [1].

Seit dem 27.05. sind die Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) wieder online verfügbar, zuvor standen sie einige Tage nicht zur Verfügung. Sie zeigten nur seltene und schwache langperiodische Signale. Allerdings traten zeitweise Episoden mit leichtem Rauschen auf, die einige zig Minuten oder wenige Stunden andauerten und vulkanischem Tremor ähnelten.
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche auf niedrigem Niveau und unterlag nur geringen Schwankungen [2].

Am 23.05. ereigneten sich im Raum Maletto - Bronte (Nordwestflanke) mehrere Erdbeben, wobei das stärkste eine Magnitude von 2.6 erreichte. Die Hypozentren dieser Beben lagen in einer Tiefe von 25 - 30 Kilometern [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 18/05/2015 - 24/05/2015
  2. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
  3. INGV-Sezione di Catania. 2015. Monitoraggio sismico e vulcanico. TERREMOTI RECENTI. Monitoraggio sismico delle aree vulcaniche della Sicilia orientale (Etna ed Isole Eolie)


22. Mai 2015

Nach dem Ende der eruptiven Episode des Neuen Südostkraters kam es in den letzten Tagen an den Gipfelkratern des Ätna lediglich zu ruhiger Gasemission. Tremor und seismische Aktivität blieben niedrig.

In den vergangenen Tagen behinderten zunächst Wolken die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Dann wurde das Wetter aber wieder besser und es zeigte sich an allen Gipfelkratern ruhige Gasfreisetzung. Sie wirkte an der Bocca Nuova am stärksten, konzentrierte sich auf den nordwestlichen Schlot und war oft pulsartig. Im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters wurde ebenfalls noch kräftig Gas bzw. Dampf emittiert.

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 11.05. - 17.05. deutlich höher als in der Vorwoche. Die Spitzenemissionsraten lagen bei über 5.000 Tonnen SO2 pro Tag. Am 14. Mai wurde ein Messwert von über 9.000 Tonnen SO2 pro Tag und am 15. Mai von über 20.000 Tonnen SO2 pro Tag gemessen. Die Emissionsraten für Fluor- bzw. Chlorwasserstoff nahmen im selben Zeitraum im Vergleich zur letzten Messung erneut zu [1].

Nach dem das starke Rauschen, das durch den eruptionsbedingten Tremor bis zum 16.05. sämtliche Signale auf den Online-Seismogrammen der Gipfelregion überlagerte nachgelassen hatte, konnte man in den vergangenen Tagen auf den Seismogrammen der Station ECNE (Nordostkrater) zunächst nur seltene und sehr schwache langperiodische Signale erkennen. Diese traten ab dem 19.05. wieder etwas häufiger auf und wurden auch ein wenig stärker, blieben aber unbedeutend. Am 21.05. waren dann phasenweise stärkere Explosionssignale zu sehen. Außerdem kam es zeitweise zu etwas stärkerem Rauschen das an krampfartigen Tremor erinnerte. Heute zeigten sich wieder einzelne stärkere Explosionssignale.

Der Tremor bewegte sich in den vergangenen Tagen auf niedrigem Niveau, unterlag jedoch insgesamt einem ganz leicht steigenden Trend [2].

Inzwischen wurden zahlreiche Fotos über die jüngste eruptive Episode des Neuen Südostkraters veröffentlicht. Hier ein Foto das mir Herr T. Bretscher freundlicherweise zur Verfügung stellte. Es zeigt den Lavastrom am frühen Morgen des 15. Mai auf dem Weg in das Valle del Bove, beobachtet vom Monte Fontane aus. Noch viel mehr tolle Fotos findet man auf seiner Flickr-Seite:
Lavastrom vom Monte Fontane aus
© T. Bretscher
15.05.2015 00:48 Uhr

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 11/05/2015 - 17/05/2015
  2. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


17. Mai 2015

Gestern ging die eruptive Episode des Neuen Südostkraters wieder zu Ende. Zunächst hörten die strombolianischen Explosionen auf und am Abend wurde auch keine Lava mehr gefördert. Der Tremor fiel auf niedriges Niveau.

In der Nacht vom 15.05. auf den 16.05. kam es im zentralen bis östlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters noch  zu sporadischen, überwiegend moderaten strombolianischen Explosionen. Dabei wurde glühendes Material bis zu 100 m höher als der Kraterrand geschleudert. Nach Sonnenaufgang zeigte sich am Gipfel des Neuen Südostkraters zunächst anhaltende Emission von Gas, durchsetzt mit dunkler Asche. Bald ließen die Ascheemissionen jedoch nach und es wurde lediglich noch weißer Dampf freigesetzt. Auch die Dampfemission ging im Laufe des Morgens immer weiter zurück. Nach Einbruch der Dunkelheit konnte ich keine strombolianischen Explosionen mehr beobachten.
Der Lavastrom, der seit dem 13.05. aus der unteren nordöstlichen Flanke des Neuen Südostkraters gefördert wurde, zeigte sich auch in der Nacht vom 15.05 auf den 16.05. weiterhin gut genährt. Der nördliche Teilstrom, der sich entlang der südlichen Basis der Serra delle Concazze am Monte Simone vorbei in östliche Richtung bewegte, schlug am frühen Morgen des 16.05. einen mehr südöstlichen Kurs ein und bewegte sich auf ca. 1700 - 1800 m hohem Gelände in Richtung des Monte Finocchio, wo er am Abend zum Stillstand kam. Gleichzeitig wurde der entlang der steilen westlichen Wand des Valle del Bove nach Osten fließende südliche Teilstrom im Laufe der Morgenstunden immer schlechter genährt und war nach 12:00 Uhr nicht mehr aktiv. Die Front des Hauptlavastroms bewegte sich weiterhin in südöstliche Richtung auf ca. 1700 m hohem Gelände und befand sich am frühen Morgen oberhalb des Rocca Musarra. Bis zum Nachmittag kam sie noch ein wenig weiter südöstlich voran, jedoch wurde der Hauptlavastrom nach 18:00 Uhr ebenfalls nicht mehr gut genährt und seine Front begann zu stagnieren. Am späten Abend des 16.05. war der gesamte Lavastrom inaktiv und am abkühlen.
Während der vergangenen Nacht zogen Wolken auf und schlechtes Wetter mit Regen machte heute den ganzen Tag über die Beobachtung des Ätna mittels Webcams unmöglich.

Dieses Foto der auf dem Monte Cagliato stationierten Wärmebildkamera des INGV-OE zeigt den Verlauf des Lavastroms bzw. seiner Teilströme am Morgen des 16. Mai. Der südliche Teilstrom (links) der sich parallel zum Hauptstrom der steilen westlichen Wand des Valle del Bove hinab ergießt wird bereits nicht mehr so gut genährt (weniger Hitzeemission). Der Hauptstrom (rechts davon) ist dagegen noch gut versorgt und seine Front befindet sich westlich des Rocca Musarra (Bildmitte). Der nördliche Teilstrom, der den Monte Simone nördlich umflossen hat, ist auf Südostkurs in Richtung des Monte Finocchio:
Expansion des Lavastroms aus Neuem Südostkrater
Foto vom 16.05.15, 10:48 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Wie das INGV berichtet betrug die maximale Länge des Lavastroms 5 Kilometer. Die Front des größten Teilstroms erreichte 1700 m hohes Gelände und befand sich westlich des Rocca Musarra. Wie weiter berichtet wird war die Asche, die am Vormittag des 15.05. aus der Bocca Nuova emittiert wurde kalt und bestand aus altem Material [1].

Der Tremor ging im Laufe des 16.05. immer weiter zurück und erreichte in den Mittagsstunden ein Niveau das noch etwas niedriger lag als unmittelbar vor der eruptiven Episode. Heute ist der Tremor jedoch wieder leicht gestiegen [2].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. AGGIORNAMENTO ETNA, 17 MAGGIO 2015
  2. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


15. Mai 2015

Gestern hat sich die strombolianische Aktivität am Neuen Südostkrater noch etwas gesteigert. Der Lavastrom der an seiner nordöstlichen Flanke emittiert wird hat inzwischen das Gebiet westlich des Monte Simone erreicht und expandiert nun nach Südosten. Nach einer Serie von Ascheemissionen aus der Bocca Nuova ging die strombolianische Aktivität heute deutlich zurück.

In der Nacht auf den 14. Mai dauerten die strombolianischen Explosionen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters weiter an. Gegen Morgen nahm ihre Intensität immer mehr zu und über die Montagnola-Wärmebildkamera des INGV-OE war nach 07:00 Uhr erkennbar, dass heißes Material mindestens 100 m höher als der Kraterrand geschleudert wurde. Es ging auf der mittleren, gelegentlich auch auf der unteren südöstlichen bis östlichen Flanke des Kegels nieder. Die verstärkte strombolianische Aktivität war auch von einer Zunahme der Ascheemissionen begleitet. Häufig stiegen bräunliche bis schwarze, blumenkohlförmige Aschewolken mehrere Hundert Meter über dem Gipfel des Neuen Südostkraters auf, bevor sie vom Wind in südwestliche Richtung getrieben wurden.
Am Vormittag des 14. Mai nahm die eruptive Aktivität, die sich zuvor auf den östlichen Abschnitt des Neuen Südostkraterkegels konzentriert hatte, auch im westlichen Bereich des Gipfels zu. Dort wurde nun vermehrt bräunlich-rote Asche freigesetzt. Später kam es zur Emission von weißem Dampf oder Gas bzw. zur Freisetzung kleiner dunkler blumenkohlförmiger Aschewolken. Thermische Anomalien auf den Fotos der Montagnola-Wärmebildkamera zeigten am frühen Abend, dass es dort wohl auch zu kleinen strombolianischen Explosionen kam.
Unterdessen kam der Lavastrom, der seit dem 13. Mai aus der unteren östlichen bis nordöstlichen Flanke des Neuen Südostkraterkegels gefördert wird, rasch weiter nach Nordosten voran und bewegte sich entlang der westlichen Wand des Valle del Bove in Richtung Monte Rittman. Gegen 06:00 Uhr drehte er in östliche Richtung ab und strömte schnell dem steilen Hang in Richtung Monte Simone hinab. Am Nachmittag des 14. Mai breitete er sich über das flachere Gelände der Talsohle des Valle del Bove auf etwa 2000 m hohem Gelände, südwestlich des Monte Simone nach Osten bis Südosten hin aus. Am späten Abend zeigten Fotos der auf dem Monte Cagliato stationierten Wärmebildkamera des INGV-OE auch eine kleine thermische Anomalie in einem Gebiet nördlich der eigentlichen Lavafront; vermutlich hat ein Teilstrom den Monte Simone nördlich umflossen und bewegt sich nun parallel zur nördlichen Wand des Valle del Bove (Serra delle Concazze) nach Osten.

Dieses Foto, das mir Herr A. Neveling freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, entstand am Morgen des 14. Mai in Giardini/Naxos, an der Küste nordöstlich des Ätna. Es zeigt sehr schön den aus der unteren nordöstlichen Flanke des Neuen Südostkraters austretenden Lavastrom der sich in nordöstliche Richtung entlang der steilen westlichen Wand des Valle del Bove ausbreitet:
Eruptive Aktivität des NSEC am Morgen des 14.05.2015 von Naxos aus
© A. Neveling
14.05.2015 05:51 Uhr

In der vergangenen Nacht intensivierten sich die strombolianischen Explosionen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters noch etwas. Gelegentlich wurde heißes Material mindestens 150 m höher als der Kraterrand geschleudert. Auf der gesamten oberen bis mittleren Südost- bis Nordostflanke des Kegels ging ein ständiger Regen aus glühendem pyroklastischem Material nieder. Zwar konzentrierte sich die strombolianische Aktivität weiterhin auf den östlichen Abschnitt des Gipfelbereichs, gelegentlich kam es aber auch im zentralen Abschnitt zu strombolianischen Explosionen. Sporadisch war auch ein Schlot im Westen des Neuen Südostkraters strombolianisch Aktiv; diese Öffnung hatte sich begleitet von Ascheemissionen vermutlich am Vormittag des 14. Mai gebildet bzw. reaktiviert.
Bei Morgengrauen war überwiegend schwache, zeitweise auch etwas stärkere und pulsartige Emission von dunkler Asche vor allem aus dem östlichen Abschnitt des Neuen Südostkratergipfels erkennbar. Nach 11:00 Uhr verstärkten sich die Ascheemissionen und wurden nahezu anhaltend. Eine dunkle Aschesäule wurde vom westlichen Wind rasch in östliche Richtung getrieben. Um 11:33 Uhr zeigten die Webcams dann eine graue Aschewolke über der Voragine, wobei nicht zu erkennen war, ob sie tatsächlich aus der Voragine oder nicht vielleicht aus der Bocca Nuova emittiert wurde. Denn nur wenige Minuten später kam es am nordwestlichen Schlot der Bocca Nuova zur Freisetzung grauer Wolken aus Asche und Gas bzw. Dampf. Ähnliche Emissionen ereigneten sich dann noch mehrfach während den nachfolgenden Stunden. Unterdessen schwächten sich die Ascheemissionen am Neuen Südostkrater wieder ab und auch die strombolianische Aktivität ging deutlich zurück. Nach Sonnenuntergang waren heute Abend nur noch schwache und sporadisch auftretende strombolianische Explosionen erkennbar.
Bereits am späten gestrigen Abend spaltete sich am Lavastrom ein Teilstrom auf Höhe der steilen westlichen Wand des Valle del Bove ab. Dieser Teilstrom floss südlich vom Hauptstrom und schwoll während der vergangenen Nacht deutlich an. Er erreichte gegen 08:00 Uhr das flacher werdende Gebiet südwestlich des Monte Simone, wo er sich möglicherweise wieder mit dem Hauptstrom vereinte. Die Front des weiterhin gut genährten Hauptstroms hatte sich unterdessen vor allem in südöstliche Richtung ausgebreitet. Wegen dem flachen Gelände ist ihre genaue Position jedoch nicht gut mittels Webcams zu ermitteln. Am heutigen Abend hat sie vermutlich 1700 m hohes Gelände westlich des Rocca Musarra erreicht.

Auf diesem Webcam-Foto, das in der vergangenen Nacht entstand, kann man neben den strombolianischen Explosionen im östlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters, auch eine kleine Explosion in seinem westlichen Abschnitt (links) erkennen:
Strombolianische Explosionen im Westen und Osten des Neuen Südostkraters
Foto vom 15.05.15, 00:12 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Heute Vormittag kam es nicht nur zu Ascheemissionen aus dem Neuen Südostkrater (rechts), sondern es wurde auch Asche vermischt mit Dampf/Gas aus dem nordwestlichen Schlot der Bocca Nuova emittiert:
Ascheemissionen aus Bocca Nuova und Neuen Südostkrater
Foto vom 15.05.15, 11:51 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Mit Hilfe der Wärmebildkamera des INGV-OE, die auf dem Monte Cagliato an der Ostflanke des Ätna stationiert ist, kann man sehr gut den Verlauf der Lavaströme aus dem Neuen Südostkrater beobachten. Diese Aufnahme vom heutigen Abend zeigt den zunächst nach Nordosten fließenden Lavastrom, der sich später am westlichen Steilhang des Valle del Bove in Form von zwei Teilströmen (rechte Bildmitte) in Richtung Monte Simone bewegt. Dort fächerte er sich auf dem flacher werdenden Gelände auf und strömt vor allem in Richtung Südost (links):
Verlauf des Lavastroms aus dem Neuen Südostkrater
Foto vom 15.05.15, 19:36 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Wie das INGV berichtet ist die eruptive Spalte, die sich am frühen Nachmittag des 13. Mai an der unteren Nordostflanke des Neuen Südostkraters geöffnet hatte und seit dem einen Lavastrom freisetzt, ca. 150 - 200 m lang. Sie besitzt drei Schlote die nicht nur effusiv sondern auch schwach explosiv aktiv sind [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 04.05. - 10.05. im Vergleich zur Vorwoche etwas niedriger. Am 05.05. und 08.05. wurden Spitzenemissionsraten von 5.000 Tonnen SO2 pro Tag gemessen. Am 07. Mai lag der Messwert bei über 8.000 Tonnen SO2 pro Tag. Die Emissionsraten für Fluor- bzw. Chlorwasserstoff nahmen im selben Zeitraum im Vergleich zur letzten Messung zu [2].

Der Tremor, der am 13.05 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte und danach wieder etwas abfiel, steigerte sich in der Nacht vom 13.05. auf den 14.05. deutlich. Am 14.05. setzte sich der Anstieg der Tremoramplitude weiter fort und in der vergangenen Nacht rangierte der Tremor auf mittlerem Niveau ohne weiter zu steigen. Heute Vormittag fiel er plötzlich rasch ab, steigerte sich danach aber wieder schnell, erreichte jedoch nicht mehr das Niveau wie zuvor. Seit diesem Ereignis zeigt sich ein leicht fallender Trend [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. AGGIORNAMENTO ETNA, 14 MAGGIO 2015, ORE 19:20 UTC
  2. INGV-Sezione di Catania. 2015. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 04/05/2015 - 10/05/2015
  3. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


13. Mai 2015

Heute dauerten die moderaten strombolianischen Explosionen am Neuen Südostkrater weiterhin an. Bereits am frühen Morgen öffnete sich ein effusiver Schlot an der oberen Ostflanke des Neuen Südostkraters und setzte einen kleinen Lavastrom frei. Es kam zu Hangrutschungen und Ascheemissionen und am Nachmittag wurde ein neuer Lavastrom aus der unteren Nordostflanke des Kegels gefördert.

In der vergangenen Nacht setzten sich die strombolianischen Explosionen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters fort. Sie erfolgten aus mehreren Schloten im östlichen Abschnitt und schleuderten glühendes pyroklastisches Material meist einige zig Meter über den Kraterrand hinaus; Häufig ging es auf die obere östliche bis südöstliche Flanke des Neuen Südostkraters nieder. Um 04:12 Uhr zeigte die Monte Cagliato-Wärmebildkamera des INGV-OE eine kleine thermische Anomalie knapp unterhalb des östlichen Kraterrands. Gleichzeitig stieg eine Aschewolke empor und in den Minuten danach intensivierte sich die thermische Anomalie rasch und bewegte sich sehr langsam der Ostflanke des Neuen Südostkraters hinab, was auf die Emission eines kleinen Lavastroms schließen lässt.
Bei Morgengrauen zeigten sich neben den anhaltenden strombolianischen Explosionen auch gelegentliche Emissionen moderater Mengen dunkler, manchmal auch bräunlicher Asche. Die Aschewolken wurden vom Wind in südliche bis südöstliche Richtung getragen. Um 10:00 Uhr war dann über die Webcams eine große bräunliche Aschewolke über der Ostflanke des Neuen Südostkraters erkennbar. Nach dem diese Wolke abgezogen war, konnte ich eine Vergrößerung der an der oberen Ostflanke des Neuen Südostkraters befindlichen thermischen Anomalie beobachten. Die Lavaförderung schien sich nun etwas zu intensivieren, denn der schmale Lavastrom der zuvor mehr oder weniger an der Ostflanke stagnierte, kam nun schneller in nordöstliche Richtung voran. Er erreichte gegen 12:00 Uhr die nordöstliche Basis des Südostkraterkegels und expandierte anschließend weiterhin nach Nordosten. Er folgte dabei dem Kurs der Lava die bei der eruptiven Episode des Neuen Südostkraters Ende Dezember freigesetzt wurde. Unterdessen kam es an der oberen Ostflanke des Neuen Südostkraters zu weiteren kleineren bräunlichen Aschefreisetzungen.
Zwischen 13:00 Uhr und 14:00 Uhr nahm die Emission dunkler Asche aus dem Gipfelbereich des Neuen Südostkraters deutlich zu und um 14:45 Uhr war über die Wärmebildkamera des INGV-OE eine neue kleine thermische Anomalie an der unteren Nordostflanke des Neuen Südostkraters erkennbar. Diese dehnte sich zunächst langsam in nördliche Richtung aus, was für die Freisetzung eines weiteren Lavastroms spricht. Gegen 16:45 Uhr überholte die Front dieses neuen Lavastroms den bisherigen Lavastrom, der inzwischen nur noch schwach genährt wurde und stagnierte. Die Lava dehnte sich ebenfalls in nördliche bis nordöstliche Richtung aus und bewegte sich knapp westlich vom ersten Lavastrom. Gegen 19:00 Uhr schien dieser erste Lavastrom kaum noch genährt zu werden, während sich die Expansion des neuen Lavastroms beschleunigte.
Bei Einbruch der Dunkelheit waren heute Abend weiterhin moderate strombolianische Explosionen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters erkennbar. Gleichzeitig wurde nahezu anhaltend dunkle Asche emittiert. Der neue Lavastrom zeigte sich gut genährt und wurde offenbar aus mindestens zwei effusiven Schloten gespeist. Er setzte seine langsame Expansion in nördliche bis nordöstliche Richtung, entlang des oberen westlichen Rands des Valle del Bove fort.

Wie das INGV heute berichtet erfolgten die moderaten strombolianischen Explosionen in der vergangenen Nacht aus drei unterschiedlichen Schloten die sich im östlichen Abschnitt des Neuen Südostkraters befanden. Sie waren entlang einer eruptiven Spalte angeordnet die von West nach Ost verlief. Wie weiter berichtet wird öffnete sich heute um 04:10 Uhr knapp unterhalb des östlichen Kraterrands ein effusiver Schlot. Dieser Vorgang war von einigen kleinen Hangrutschungen begleitet. Der effusive Schlot setzte einen kleinen Lavastrom frei. Um 10:00 Uhr dehnte sich die eruptive Spalte weiter entlang der oberen Flanke des Neuen Südostkraters aus und generierte dabei Hangrutschungen und Wolken aus rotbrauner Asche. Dieser Vorgang dauerte etwa 10 min [1].

Dieses Webcam-Foto von heute Morgen zeigt die Freisetzung einer großen Wolke aus bräunlicher Asche an der Ostflanke des Neuen Südostkraters. Sie wird durch die Ausdehnung einer eruptiven Spalte verursacht, die einen Hangrutsch auslöst:
Emission von brauner Asche aus der Ostflanke des Neuen Südostkraters
Foto vom 13.05.15, 10:03 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Auch heute Mittag kam es zu weiteren kleinen Hangrutschungen verbunden mit der Freisetzung bräunlicher Aschewolken, wie dieses Webcam-Foto zeigt das von Norden aus gemacht wurde. Die kleinen hellen Gasfahnen im linken unteren Bildabschnitt markieren den Verlauf des Lavastroms der innerhalb einer großen Rutschungsnarbe verläuft:
Ascheemission und Lavastrom an Ostflanke des NSEC
Foto vom 13.05.2015, 12:54 Uhr: Webcam 5 von Radio Studio 7

Heute Abend entstand dieses Foto, das den neuen Lavastrom an der unteren nordöstlichen Flanke des Neuen Südostkraters zeigt. Helle Gaswolken markieren dabei die Position des effusiven Schlots der sich offenbar am nördlichen Rand der Rutschungsnarbe befindet:
Neuer Lavastrom an Ostflanke des NSEC
Foto vom 13.05.2015, 19:55 Uhr: Webcam 5 von Radio Studio 7

Der Tremor, der am späten gestrigen Abend zunächst rapide anstieg, stabilisierte sich gegen Mitternacht und nahm heute Vormittag wieder langsam, aber kontinuierlich ab. Seit dem Nachmittag unterliegt er allerdings wieder einem steigenden Trend [2].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. AGGIORNAMENTO ETNA, 13 MAGGIO 2015, ORE 09:45 UTC
  2. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


12. Mai 2015

Strombolianische Aktivität am Neuen Südostkrater!
Heute, genau vier Wochen nach dem der Ätna erste Zeichen eines Wiedererwachens zeigte, setzte am Neuen Südostkrater leichte strombolianische Aktivität ein. Diese hat sich im Laufe des Tages noch etwas verstärkt und wurde anhaltend. Auch der Tremor unterliegt zurzeit einem steigenden Trend.

In den vergangenen Tagen kam es an den Gipfelkratern zunächst zu den üblichen Gasemissionen. Diese waren erneut an der Voragine kräftiger als am Nordostkrater und hatten oft einen pulsartig verstärkten Charakter. Am 10.05. nahmen auch am Neuen Südostkrater die Gasemissionen leicht zu und konzentrierten sich auf seinen Gipfelbereich. In der vergangenen Nacht zeigten dann lichtstarke Webcams gelegentlich schwachen Glutschein über dem östlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters. Nach Tagesanbruch wirkten die Gasemissionen noch etwas stärker als gestern. Sie unterlagen im Laufe des Tages einem leicht zunehmenden Trend; insbesondere aus dem östlichen Abschnitt des Gipfelbereichs konnte man pulsartige Emission von bläulichem Gas erkennen. Manchmal waren über die Wärmebildkamera des INGV-OE auch schwache thermische Anomalien in diesem Bereich zu erkennen. Bei Sonnenuntergang zeigten sich dann anhaltende, aber schwache strombolianische Explosionen im östlichen Abschnitt des Südostkratergipfels. Das glühende Material wurde dabei wenige zig Meter höher als der Kraterrand geschleudert.

Dieses Webcam-Foto das bei Sonnenuntergang entstand zeigt eine der schwachen strombolianischen Explosionen im östlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters:
Leichte strombolianische Explosion am Neuen Südostkrater
Foto vom 12.05.15, 20:39 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten in den vergangenen Tagen sporadische und schwache langperiodische Signale. Hinzu kam ständiges leichtes Rauschen das von dem etwas erhöhten vulkanischen Tremor generiert wurde. In der heutigen zweiten Tageshälfte kamen dann immer mehr Explosionssignale hinzu, die vermutlich von der strombolianischen Aktivität im Neuen Südostkrater generiert wurden. Diese Signale traten in einem Abstand von 1 - 3 Minuten auf.
Der mittlere Tremor unterlag in den letzten Tagen zunächst geringen Schwankungen und blieb weiterhin auf leicht erhöhtem, aber dennoch niedrigem Niveau. Seit vergangener Nacht zeigt sich eine schwache, aber dennoch anhaltende Zunahme der Tremoramplitude. Dies Zunahme scheint sich am heutigen Abend zu beschleunigen [1].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR


08. Mai 2015

Während der vergangenen Woche sah es so aus, als würde eine Eruption des Ätna unmittelbar bevorstehen, da der Tremor sprunghaft anstieg und die Gasemissionen aus der Voragine stark zunahmen und offenbar von etwas Asche durchsetzt waren. Inzwischen sind die Gasfreisetzungen jedoch wieder zurück gegangen und der Tremor hielt sich auf leicht erhöhtem Niveau ohne dass es zu eruptiver Aktivität kam.

In der letzten Woche verstärkten sich die Gasemissionen an den Gipfelkratern sichtbar. Insbesondere an der Voragine nahmen die Gasfreisetzungen ab dem 03.05. deutlich zu und waren pulsartig verstärkt; manchmal sah es auch so aus, als wären die Emissionen von etwas Asche durchsetzt. Diese recht kräftigen, an tief sitzende explosive Aktivität erinnernden Gasemissionen dauerten auch am 04.05. noch an, schwächten sich danach aber wieder etwas ab. Auch am Nordostkrater kam es wie bereits während der Vorwochen zu pulsartiger Gasemission die ebenfalls noch etwas zunahm. An der Bocca Nuova konzentrierten sich die Gasemissionen auf den nordwestlichen Kraterabschnitt, waren eher anhaltend und wirkten gegenüber den Vorwochen unverändert. Am Südostkraterkomplex wurde das meiste Gas aus dem Gipfelbereich des Neuen Südostkraters emittiert, insgesamt blieben hier die Gasfreisetzungen jedoch eher niedrig.

Bei einem Besuch der Gipfelkrater am 29. April durch INGV-Personal wurden unter anderen folgende Beobachtungen gemacht:
In der Bocca Nuova befinden sich zwei grubenförmige Krater, einer in der Nähe des nordwestlichen und einer in der Nähe des südöstlichen Kraterrands. An dem nordwestlichen Krater kommt es zu diffuser Gasemission, während der südöstliche Krater von Schutt bedeckt ist. Die ehemalige Trennwand (Diaframma) zur Voragine ist gegenüber früheren Beobachtungen noch weiter erodiert und niedriger geworden. In der Nähe zur inneren westlichen Wand von Bocca Nuova/Voragine ist die ehemalige Trennwand durch Bergrutschungen völlig verschwunden.
Wie weiter berichtet wird kam es am 01. Mai  um 15:03 Uhr an der Bocca Nuova zu einer kleinen Freisetzung von etwas bräunlich-roter Asche. Diese Emission wurde vermutlich durch Rutschungen innerhalb des nordwestlichen Schlots verursacht [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 27.04. - 03.05. im Vergleich zur Vorwoche deutlich erhöht. Während die Spitzenemissionsraten am 27.04. und 28.04. noch bei 5.000 Tonnen SO2 pro Tag lagen, wurden am 03. Mai über 11.000 Tonnen SO2 pro Tag gemessen. Auch die Emissionsraten für Fluor- bzw. Chlorwasserstoff nahmen im selben Zeitraum im Vergleich zur letzten Messung zu [1].

Leider waren die Online-Seismogramme der Gipfelregion zunächst nicht online verfügbar. Erst ab dem 05.05. konnten die Seismogramme wieder abgerufen werden. An diesem Tag zeigte die Station ECNE (Nordostkrater) ein deutliches und anhaltendes Rauschen, das sicherlich auf erhöhten vulkanischen Tremor zurück geführt werden kann. Am 06.05. verstärkten sich die am Vortag nur selten und schwach auftretenden Explosionssignale und waren im Abstand von 3 - 10 Minuten zu erkennen. Seit dem 07.05. treten sie wieder seltener auf.
Der Tremor stieg in der Nacht auf den 03.05. zwar sprunghaft an, blieb aber trotzdem noch auf niedrigem Niveau. An den nachfolgenden Tagen unterlag er leichten Schwankungen, behielt aber das leicht erhöhte Niveau bei. [2].

Am 29.04. kam es östlich von Ragalna (Südflanke) zu einem Beben der Stärke 1.5. Vom 03.05 bis 05.05. kam es im Raum nordöstlich von Linguaglossa (Nordostflanke) zu einer Serie zahlreicher, meist sehr schwacher Beben. Die stärkste Erschütterung erreichte dabei eine Magnitude von 1.9. Die Hypozentren der Beben lagen in einer Tiefe zwischen 16 und 19 Kilometern [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2015. Bollettino settimanale sul monitoraggio vulcanico, geochimico e sismico del vulcano Etna, 27/04/2015 - 03/05/2015
  2. INGV-Sezione di Catania. 2015. Home. TREMORE VULCANICO. EMNR
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01. Mai 2015

Die letzte Woche verlief am Ätna sehr ruhig und auch die seismische Aktivität ging wieder zurück. Der vulkanische Tremor hat sich im Laufe der Woche jedoch ganz leicht verstärkt.

In der vergangenen Woche zeigten sich an den Gipfelkratern weiterhin die gewohnten Gasfreisetzungen. Diese waren am Nordostkrater am stärksten und meist pulsartig, an Voragine und Bocca Nuova dagegen eher anhaltend. In den letzten Tagen wirkten die Gasemissionen an der Voragine kräftiger als während der vergangenen Wochen. Am Südostkraterkomplex wurde weiterhin im Bereich des Grats zwischen dem Kegel des alten und des Neuen Südostkraters Gas bzw. Dampf emittiert. Am Neuen Südostkrater wurden aus dem Gipfelbereich anhaltend geringe Mengen Gas freigesetzt. In den klaren Nächten konnte man über lichtstarke Webcams häufig einen schwach glühenden Punkt an der oberen nordöstlichen Flanke des Neuen Südostkraters erkennen. Dabei handelte es sich vermutlich um eine Hochtemperaturfumarole die bereits seit einigen Wochen immer mal wieder durch schwachen Glutschein auffällt.

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 20.04. - 26.04. im Vergleich zur Vorwoche praktisch unverändert. Die Spitzenemissionsraten lagen meist unterhalb der Warnschwelle von 5.000 Tonnen SO2 pro Tag, lediglich am 20. April wurde diese Grenze überschritten [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten in der letzten Woche weiterhin langperiodische Signale, allerdings nicht mehr so oft und so deutlich wie in den vergangenen Wochen. Dagegen nahmen die Phasen schwachen Rauschens, das leichtem vulkanischen Tremor glich, an Häufigkeit, Dauer und Intensität zu. Dies manifestiere sich offenbar auch im mittleren Tremorsignal das in den letzten Tagen einen ganz leicht steigenden Trend zeigte, heute aber wieder etwas zurück ging [2].

Am 25.04. wurde bei Zafferana Etnea (Ostflanke) ein Beben der Stärke 2.3 registriert [3].

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24. April 2015

Auch in der vergangenen Woche setzte der Ätna seinen unruhigen Schlaf fort. Während Tremor und Gasemissionen weiterhin niedrig blieben, hat sich die seismische Aktivität verstärkt und sich an der Nordostflanke des Bergs in einer Erdbebenserie manifestiert.

In der letzten Woche konzentrierten sich die Gasemissionen der Gipfelkrater auf Nordostkrater und Bocca Nuova. Am Nordostkrater war die Gasfreisetzung meist anhaltend. An der Bocca Nuova zeigten sich die Gasemissionen zeitweise pulsartig verstärkt und konzentrierten sich auf den nordwestlichen Abschnitt des Gipfelkraters. Am Südostkraterkomplex wurde weiterhin im Bereich des Grats zwischen dem Kegel des alten und des Neuen Südostkraters Gas bzw. Dampf emittiert. Am Neuen Südostkrater wurden aus dem Gipfelbereich anhaltend geringe Mengen Gas freigesetzt. Heute behinderte schlechtes Wetter den ganzen Tag über die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams.

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 13.04. - 19.04. im Vergleich zur Vorwoche praktisch unverändert. Die Spitzenemissionsraten lagen stets unterhalb der Warnschwelle von 5.000 Tonnen SO2 pro Tag. Am 14.04. und 16.04. wurden sogar Emissionsraten von unter 1.000 Tonnen SO2 pro Tag registriert. Im Vergleich zur letzten Messkampagne gingen die Emissionsraten für Fluor- und Chlorwasserstoff zurück [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten in der letzten Woche alle paar Minuten schwache langperiodische Signale. Gelegentlich waren auch kleine Explosionssignale erkennbar. Seit dem 22.04. ist auch zeitweise ein schwaches, aber länger andauerndes Rauschen sichtbar wie es von vulkanischem Tremor generiert wird. Heute verstärkte sich dieses Rauschen noch etwas und die LP-Signale traten vorübergehend noch etwas häufiger auf.
Der Tremor bewegte sich in der letzten Woche allerdings weiterhin auf niedrigem Niveau [2].

Am 16.04. kam es im Gebiet westlich von Milo (Ostflanke) zu einer Serie sehr schwacher Beben. Die stärkste Erschütterung erreichte dabei eine Magnitude von 1.9. Vom 19.04. bis 22.04. ereignete sich an der Nordostflanke im Raum südwestlich von Linguaglossa eine Erdbebenserie. Bei den stärksten Beben wurden Magnituden von 2.4 bzw. 3.6 gemessen. Die Hypozentren der Beben lagen dabei meist in einer Tiefe von weniger als 1000 m [3].

Eigene Einschätzung der Lage:
Nach der explosiven Ascheemission der Bocca Nuova vom 12. April hat sich nun also eine Erdbebenserie an der Nordostflanke ereignet. Genau wie das Ereignis in der Bocca Nuova deutet auch diese Erdbebenserie auf Magmabewegungen innerhalb des Bergs hin. Die Beben fanden in sehr geringer Tiefe im Gebiet der Pernicana-Verwerfung statt. Diese Verwerfung wird eigentlich immer dann aktiv, wenn es zu einer Aktivität innerhalb der nordöstlichen Riftzone des Ätna kommt. Das heißt also immer dann, wenn in der Riftzone Magma aufsteigt und sich ausdehnt und die Ostflanke des Ätna dadurch ein kleines Stück weiter nach Osten geschoben wird. Solche Vorgänge treten am Ätna jedoch immer mal wieder auf ohne dass es sofort danach zu einem Ausbruch kommt, so z.B. im Jahre 2010. Allerdings wurden größere Flankeneruptionen, wie z.B. die im Jahre 2002 durch Erdbebenserien entlang der Pernicana-Verwerfung angekündigt, wenn auch in einem viel größeren Maße als bei dem jüngsten Ereignis. Somit bleibt nun abzuwarten, ob sich weitere Beben entlang der Pernicana-Verwerfung ereignen bzw. es zu neuen explosiven Ascheemissionen an den Gipfelkratern kommt. Häufen sich diese Ereignisse, wird meiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit für eine größere Eruption des Ätna bzw. für eine längere Serie eruptiver Episoden des Südostkraters größer.

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16. April 2015

In den letzten Tagen konnte ich an den Gipfelkratern des Ätna keine neuen Ascheemissionen mehr beobachten. Tremor und seismische Aktivität blieben weiterhin niedrig.

Nach der explosiven Ascheemission aus der Bocca Nuova vom 12. April zeigte sich dieser Gipfelkrater in den vergangenen Tagen völlig ruhig und es kam lediglich zu den gewohnten Gasemissionen. Diese waren meist pulsartig und konzentrierten sich auf den nordwestlichen Kraterabschnitt, wirkten aber nicht so kräftig wie noch am 12. April. Auch am Nordostkrater kam es zu pulsartiger Gasfreisetzung. Am Südostkraterkomplex wurde weiterhin im Bereich des Grats zwischen dem Kegel des alten und des Neuen Südostkraters Gas bzw. Dampf emittiert. Am Neuen Südostkrater wurde aus dem Gipfelbereich anhaltend etwas Gas freigesetzt. Lichtstarke Webcams zeigten gelegentlich ein schwaches Glühen am nördlichen Kraterrand was vermutlich von einer Hochtemperaturfumarole verursacht wurde.

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 06.04. - 12.04. etwas niedriger als in der Vorwoche. Die Spitzenemissionsraten lagen stets unterhalb der Warnschwelle von 5.000 Tonnen SO2 pro Tag. Im Vergleich zur letzten Messkampagne waren die Emissionsraten für Fluor- und Chlorwasserstoff dagegen etwas höher [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) zeigten in den letzten Tagen alle paar Minuten schwache langperiodische Signale. Gelegentlich waren auch kleine Explosionssignale erkennbar. Selten gab es mehrere Minuten lang andauernde Phasen von schwachem Rauschen die an vulkanischen Tremor erinnerten.
Insgesamt bewegte sich der Tremor in den vergangenen Tagen weiterhin auf niedrigem Niveau [2].

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12. April 2015

Nach über zwei monatiger Ruhe zeigte der Ätna heute wieder erste Zeichen von Aktivität. An der Bocca Nuova kam es zu einer explosiven Ascheemission die auch von seismischer Aktivität begleitet war.

Nach dem die Gasemissionen der Gipfelkrater gestern noch ähnlich ruhig und normal wie in den vergangenen Wochen wirkten, zeigte sich heute Morgen an Nordostkrater, Voragine und Bocca Nuova insgesamt intensivere Gasfreisetzung. Manchmal waren die Gasemissionen auch pulsartig verstärkt; insbesondere an der Bocca Nuova wirkten sie gelegentlich etwas energiereicher als gewöhnlich. Um 15:06 Uhr zeigte dann die Montagnola-Webcam des INGV-OE eine blumenkohlförmige grau-braune Aschewolke über dem westlichen Abschnitt der Bocca Nuova. Die Wolke stieg mind. 600 m hoch auf und ihr folgte kräftiger Ausstoß von Gas und Dampf. Diese Emissionen waren noch von etwas bräunlicher Asche durchsetzt. Auf Fotos der Wärmebildkamera des INGV-OE waren keine thermischen Anomalien erkennbar, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Aschewolke kalt gewesen ist. Die Asche- und Dampfwolke wurde vom Wind in südöstliche Richtung getragen. Bis zum Abend kam es dann an der Bocca Nuova noch zu kräftiger, pulsartiger Emission von Gas. Weitere explosive Ereignisse konnte ich nicht beobachten.

Dieses Webcam-Foto zeigt die explosive Ascheemission aus der Bocca Nuova. Eine blumenkohlförmige, grau-braune Wolke steigt aus dem westlichen Abschnitt des Gipfelkraters ca. 400 m empor:
Explosive Ascheemission aus der Bocca Nuova
Foto vom 12.04.15, 15:06 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Das explosive Ereignis an der Bocca Nuova zeigte sich auch auf den Online-Seismogrammen der Gipfelregion. Um 15:05 Uhr und 15:07 Uhr waren auf dem Seismogramm der Station ECNE (Nordostkrater) zwei ca. 30 Sekunden lang andauernde Serien von Ausschlägen erkennbar. In den Stunden zuvor bzw. danach waren lediglich die üblichen schwächeren LP-Signale oder einzelne schwache Explosionssignale zu sehen. Der Tremor blieb nach wie vor niedrig. Allerdings zeigte das Online-Seismogramm der Station ECNE am Morgen des 11.04. zwischen 09:30 Uhr und 12:00 Uhr ein etwas verstärktes und anhaltendes Rauschen an, wie es von vulkanischem Tremor erzeugt wird [1].

Kurze eigene Einschätzung der Lage:
Nach der eruptiven Episode des Neuen Südostkraters von Anfang Februar, verhielt sich der Ätna bis heute völlig ruhig und zeigte die üblichen Gasemissionen. Auch die seismische Aktivität blieb niedrig. Eine ähnlich inaktive Periode fand auch im vergangenen Jahr zwischen August und Dezember statt bevor es zu einer heftigen eruptiven Episode des Neuen Südostkraters kam. Das heutige Ereignis könnte auf den Aufstieg eines frischen Schubs Magma hindeuten, wie man ihn nach einer mehrmonatigen Ruhephase durchaus erwarten kann.
Häufig wechselt die Aktivität des Ätna zwischen Bocca Nuova/Voragine und Südostkrater hin und her und manchmal kündigen sich Eruptionen des Südostkraters durch explosive Ereignisse in der Bocca Nuova an. Darum ist es denkbar, dass sich die Aktivität in den nächsten Tagen oder Wochen zum Neuen Südostkrater hin verlagert und sich dort eine neue eruptive Episode ereignet. Es ist allerdings auch eine Phase längerer Aktivität innerhalb von Bocca Nuova bzw. Voragine möglich.
Unwahrscheinlicher, aber dennoch möglich ist auch ein Kollapsereignis innerhalb der Bocca Nuova ähnlich wie es sich im Jahre 2010 mehrfach ereignet hat. Solche Kollapsereignisse treten allerdings häufig nach größeren Eruptionen auf, können allerdings auch auf eine Inflation des vulkanischen Gebäudes hindeuten. So wurden die Aktivitätsphasen des Südostkraters der Jahre 2006-2007 und 2011-2013 mehrere Monate zuvor jeweils durch kräftige Kollapsereignisse an Bocca Nuova/Voragine eingeleitet.
Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen ob es sich an der Bocca Nuova heute um ein isoliertes Ereignis oder den Beginn einer neuen Aktivitätsphase gehandelt hat.

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10. April 2015

Auch die letzten zwei Wochen verliefen am Ätna sehr ruhig. Tremor und seismische Aktivität blieben niedrig. Die Gasemissionen sind etwas zurück gegangen.

In den vergangenen 14 Tagen kam es an den Gipfelkratern des Ätna weiterhin zu den gewohnten Gasemissionen. Sie waren meist anhaltend, an der Bocca Nuova zeitweise aber auch pulsartig verstärkt. Durch den Ausfall von Webcams konnte ich den Nordostkrater nur selten beobachten. Hier war dann überwiegend anhaltende und kräftige Gasfreisetzung erkennbar. Am Südostkraterkomplex wurde das meiste Gas weiterhin aus dem Bereich des Grats zwischen dem alten und neuen Kegel emittiert. Im Gipfelbereich des Neuen Südostkraterkegels, sowie entlang seiner oberen südöstlichen Flanke, kam es häufig zur Freisetzung von Dampf.

Wie das INGV berichtet wurden bei Besuchen der Gipfelkrater am 31. März und 03. April Geräusche aus der Tiefe des Nordostkraters vernommen [2].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern waren im Zeitraum vom 23.03. - 29.03. höher als in der Vorwoche. Die Spitzenemissionsraten lagen am 27.03. und 28.03. oberhalb der Warnschwelle von 5.000 Tonnen SO2 pro Tag [1]. Im Zeitraum vom 30.03. - 05.04. gingen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater wieder etwas zurück und lagen stets unterhalb der Warnschwelle. Im Vergleich zur letzten Messkampagne waren die Emissionsraten für Fluor- und Chlorwasserstoff niedriger [2].

Endlich sind wieder Online-Seismogramme der Gipfelregion verfügbar. In den letzten 14 Tagen zeigten sich dabei auf den Seismogrammen der Station ECNE (Nordostkrater) alle paar Minuten schwache langperiodische Signale. Zwischen dem 30.03. und 05.04. waren diese manchmal auch etwas stärker und von kleinen Explosionssignalen durchsetzt.
Der Tremor bewegte sich in den vergangenen zwei Wochen auf niedrigem Niveau und unterlag nur geringen Schwankungen. In den letzten Tagen ist er noch etwas zurück gegangen [3].

Am 01.04. kam es südöstlich von Riposto (Ostflanke) zu einem Beben der Stärke 1.6 [4].

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