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Ätna Update (01.04. - 20.05.2022)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.

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20. Mai 2022

In den vergangenen Tagen hat sich die eruptive Tätigkeit am Neuen Südostkrater fortgesetzt. Es kam weiterhin zur Förderung eines Lavastroms nach Norden in das Valle del Leone, sowie zu überwiegend moderater strombolianischer Aktivität. Der Tremor ist noch etwas gestiegen.

Auch in der Nacht auf den 17. Mai setzte sich die effusive Aktivität an der Nordflanke des Neuen Südostkraters fort. Diese war nach wie vor schubartig. Die Front des Lavastroms, die zuvor noch im Valle del Leone unterwegs war, drehte unterdessen in östliche Richtung ab und begann dem steiler werdenden Hang hinab in das Valle del Bove zu fließen. Gleichzeitig kam es an dem explosiven Schlot, an der oberen Nordflanke des Neuen Südostkraters, phasenweise zu überwiegend milden strombolianischen Explosionen. Insgesamt war die Aktivität dort höher als an den Vortagen.
Nach Tagesanbruch war an dem explosiven Schlot häufig Emission von moderaten Mengen dunkler Asche erkennbar. Diese mischte sich unter die anhaltend freigesetzte Gassäule und färbte sie grau. Die Gasfahne wurde vom Wind in südwestliche Richtung getragen. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigte sich der explosive Schlot sehr aktiv und es kam zu anhaltenden strombolianischen Explosionen, die ihren Ursprung offenbar in zwei unterschiedlichen Öffnungen hatten. Der Lavastrom zeigte sich am 17. Mai besser genährt als an den Vortagen und kam langsam weiter in östliche Richtung voran. Wie Bilder in sozialen Medien zeigten, hatte er in seinem oberen Abschnitt einen gut ausgeprägten Lavakanal ausgebildet an dem streckenweise bereits Tunnelbildung einsetzte. Gegen 14:00 Uhr zeigten Fotos der Monte Cagliato Wärmebildkamera einen neuen heißen Fleck knapp südlich vom bisherigen Austrittspunkt des Lavastroms. Offenbar kam es hier zum Überlauf des Lavakanals. Schnell entwickelte sich ein weiterer Lavastrom, der sich parallel zum ersten bewegte. Im Laufe der Nacht auf den 18. Mai wurde die Front des Lavastroms zunehmend inaktiv, kam zum Stillstand und begann abzukühlen. Der Strom schien sich nun in seinem oberen Abschnitt weiter zu verbreitern und begann vermutlich wieder vermehrt in Richtung Valle del Leone zu strömen.
Am Tage schien der explosive Schlot weniger Asche zu emittieren als an den Vortagen, allerdings waren die Beobachtungen auch häufig durch Wolken behindert. Der Lavastrom verlagerte sich in seinem oberen Abschnitt etwas weiter nach Nordwesten und seine Front war über die Webcams nicht erkennbar. Vermutlich ergoss er sich in das relativ flache Areal nördlich des Neuen Südostkraters, wo der mittlerweile relativ stark verfüllte südliche Abschnitt des Valle del Leone beginnt.
Nach Einbruch der Dunkelheit zeigte der explosive Schlot am Abend es 18. Mai anhaltende strombolianische Tätigkeit. Die Explosionen erfolgten dabei alle 3 - 5 Sekunden und das glühende pyroklastische Material wurde ca. 100 - 150 m hoch ausgeworfen. Es regnete auf die nördliche bis nordwestliche Flanke des Neuen Südostkraterkegels herab. Manche glühenden Bomben rollten der Flanke bis zu nördlichen Basis des Kegels hinunter. Diese Aktivität dauerte die ganze Nacht auf den 19. Mai über an. Unterdessen schien sich die effusive Aktivität etwas abzuschwächen.
Nach Sonnenaufgang war am explosiven Schlot anhaltende Gasemission erkennbar. Nach kurzer Zeit zogen allerdings Wolken auf, die die Beobachtung der Aktivität bis zum Abend verhinderten. Gegen 20:00 Uhr war über die Monte Cagliato - Wärmebildkamera erkennbar, dass der Lavastrom nur noch im nordwestlichen Abschnitt des bisherigen Lavafelds aktiv war und sich in das Valle del Leone ergoss. Am explosiven Schlot kam es weiterhin zu strombolianischer Aktivität mit moderaten Explosionen, die alle 3 - 6 Sekunden erfolgten. Zeitweise ereigneten sich auch stärkere Explosionen, die glühendes Material bis auf die Südostflanke des Kegels schleuderten.
Während der vergangenen Nacht wurde aus dem effusiven Schlot verstärkt schubartig Lava gefördert. Diese bewegte sich entlang des westlichen Rands des bisherigen Lavafelds und durchquerte das Valle del Leone in nördliche Richtung. Die Front hatte heute Morgen einen Punkt erreicht der noch etwas nördlicher lag, als das Gebiet von wo aus die Lava vor drei Tagen in östliche Richtung abgebogen war. Im Laufe des heutigen Tages schien die Lavaemission wieder abgenommen zu haben.
Der explosive Schlot an der oberen Nordflanke des Neuen Südostkraters war die gesamte vergangene Nacht sehr aktiv und es kam zeitweise zu kräftigen strombolianischen Explosionen, die auch von der Südseite des Kegels sichtbar waren. Am Tage wurde bei dieser Aktivität zeitweise auch etwas Asche generiert. Heute Abend nach Einbruch der Dunkelheit zeigte sich der Schlot weiterhin sehr aktiv und es kam alle paar Sekunden zu kräftigen strombolianischen Explosionen, die glühendes Material bis weit auf die Ost- bzw. Nord- und Nordwestflanke des Kegels schleuderten.

Wie das INGV berichtet erreichte die Front des Lavastroms am 17. Mai 2300 m hohes Gelände und befand sich in der Nähe des Monte Rittmann. Bis zu diesem Tag wurde durch die effusive Tätigkeit ein Volumen von 900.000 m3 Lava freigesetzt. Der Lavastrom hatte eine Länge von maximal 2,4 Km und eine Dicke von ca. 2 m. Wie weiter berichtet wird, war am 18. Mai ein neuer Strom aktiv, dessen Front sich im Valle del Leone auf ca. 2700 m Höhe bewegte [1].

Dieses Webcam-Foto zeigt den Neuen Südostkrater von Südosten aus. Die strombolianischen Explosionen sind inzwischen so kräftig, dass sie auch von Süden aus gesehen werden können, obwohl sich der Schlot an der oberen Nordflanke des Kegels befindet:
Strombolianische Explosionenam Neuen Südostkrater von Südosten aus
Foto vom 20.05.2022, 21:43 Uhr: Webcam des L.A.V.E. auf dem Schiena dell'Asino.

Auf diesem Foto der Monte Cagliato Wärmebildkamera des INGV kann man den aktiven Teil des Lavastroms erkennen, der durch eine schmale aber intensive thermische Anomalie gekennzeichnet wird und sich im Westen des bisherigen Lavafelds bewegt. Man kann auch noch die ehemalige Front des Stroms erkennen, die sich als schwache Anomalie abzeichnet und nach Osten in das Valle del Bove hinabreicht. Die neue Front befindet sich oberhalb (noch im Valle del Leone) und etwas nördlich davon:
Lavafronten im Valle del Leone und Valle del Bove
Foto vom 20.05.2022, 08:33 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Die Infraschallaktivität war bis zum 14. Mai niedrig und konzentrierte sich auf die Bocca Nuova. Dann verlagerte sich die Quelle bedingt durch die eruptive Aktivität zum Neuen Südostkrater. Die Frequenz der Ereignisse blieb jedoch eher niedrig [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte ab Ende April eine leichte Zunahme der vertikalen Komponente an den Stationen ECNE (Nordostkrater) und EPDN (Pizzi Deneri). Außerdem wurde am 06. Mai eine leichte Zunahme der Entfernung zwischen den Stationen ECRI (Monte Crisimo) und ECOR (Grotta del Corruccio) ermittelt. Diese Stationen befinden sich an der Pernicana Verwerfung (Nordostflanke) [1].
Die klinometrischen Stationen zeigten zwischen dem 06. und 10. Mai eine leichte Zunahme der Deformation des Bodens. Diese war an der Station "Case del Vescovo" an der Südflanke des Bergs mit 0,2 Mikroradiant am stärksten [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern sind seit Anfang Mai leicht gestiegen. Sie bewegten sich knapp oberhalb von 2000 Tonnen SO2 pro Tag.
Die Chlorwasserstoffemissionen der Gipfelkrater sind seit April deutlich angestiegen und waren wieder so hoch wie zuletzt im Februar.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) haben seit Anfang Mai weiter zugenommen und bewegen sich auf hohem Niveau.
Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 10. Mai bestimmt wurde, war mit einem Wert von ca. 0.65 höher als der letzte Messwert. Damit hat der Wert nach einer Abnahme, die im Februar begann und sich im März fortsetzte, nach Stagnation im April nun wieder hohes Niveau erreicht [1].

Der Tremor nahm bis zum 19. Mai langsam weiter zu und begann anschließend etwas stärker zu schwanken. Allerdings bewegt er sich nach wie vor auf hohem Niveau [2].
Die Quelle des Tremors wurde am 12. Mai auf 3000 m Höhe in der Nähe des Südostkraters lokalisiert [1].

Am 19. und 20.05. kam es am Monte Scorsone (Ostflanke) zu zwei Beben, die Magnituden von 2.2 bzw. 2.4 erreichten [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Die jetzt veröffentlichten Daten zeigen, dass das Magma wohl gegen Ende April langsam damit begann aufzusteigen, denn es kam zu kleineren Veränderungen bei den GPS-Daten der Stationen an der Nordflanke, was sich auch in Form einiger Erdbeben an der Nordostflanke (Pernicana Verwerfung) bemerkbar machte. Daneben wurde eine kleine Zunahme der Bodendeformation an der Südflanke gemessen. Die hohen Kohlendioxidkonzentrationen, die sich bereits über den April aufbauten kündigten das Eintreffen des Magmas an. Der Anstieg der Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis), der sich ebenfalls schon im April bemerkbar machte, ist ebenfalls auf das Eintreffen des Magmas zurückzuführen.
Wie geht es nun weiter? Das Magma schien bisher nicht besonders gasreich gewesen zu sein, denn die explosive Aktivität hielt sich in Grenzen. Inzwischen ist ein Lavavolumen freigesetzt worden, das in etwa dem einer größeren paroxysmalen Phase entspricht. Es ist möglich, dass nun die Magmakammer, die die paroxysmalen Phasen bisher nährte geleert ist und jetzt erst primitiveres und gasreicheres Magma dort eindringen kann und dann eruptiert werden wird. Dies dürfte zu kräftigerer explosiver Aktivität führen. Die Intensität der strombolianischen Explosionen hat in den letzten beiden Tagen bereits zugenommen. Interessant ist, dass der Tremor für die sichtbare Aktivität relativ hoch ist. Vermutlich liegt das daran, dass nur ein relativ schmaler Aufstiegsweg vorhanden ist und dadurch der starke Tremor generiert wird. Seit gestern unterliegt der Tremor stärkeren Schwankungen. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Druck im Inneren langsam nachlässt und das Magma dadurch zunehmend schubartig aufsteigt. Dies könnte ein Hinweis sein, dass die Eruption nun schon wieder langsam dem Ende zugeht.
Die große Frage ist nun aber wieviel Magma noch in der Tiefe vorhanden ist. Dies kann leider niemand genau sagen. Es dürfte sich aber durch Deflation und Nachlassen der Kohlendioxid- bzw. Helium-Konzentrationen ankündigen. Ich persönlich glaube, dass sich die Eruption begleitet von Intensitätsschwankungen noch mindestens einige Tage fortsetzen wird und dabei auch noch etwas explosiver werden wird. Die effusive Tätigkeit könnte gleichzeitig nachlassen. Sollten sich neue effusive Schlote etwas weiter Hang abwärts öffnen, dann könnte die effusive Aktivität sogar noch einige Wochen andauern und nur allmählich ausklingen.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. ETNA - COMUNICATO STRAORDINARIO - 18/05/2022
  2. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2022.

16. Mai 2022

In den letzten drei Tagen hat sich die Eruption am Neuen Südostkrater noch etwas verstärkt. Es wird weiterhin Lava in nordöstliche Richtung gefördert und außerdem kommt es zu milder strombolianischer Aktivität. Der Tremor ist unterdessen weiter gestiegen.

Während der Nacht auf den 14. Mai dauerte die Lavaeffusion aus dem Schlot an der mittleren Nordflanke des Neuen Südostkraters weiterhin an und verstärkte sich noch etwas. Der Lavastrom setzte seinen nordöstlichen Kurs fort und bewegte sich langsam in Richtung Valle del Leone. Seine Front befand sich auf ca. 2800 m hohem Gelände. Gleichzeitig generierte der explosive Schlot sporadisch kurze Phasen von strombolianischen Explosionen.
Am Morgen des 14. Mai zeigte sich nach Sonnenaufgang, dass dieser Schlot auch nach wie vor sporadisch kleine dunkle Aschewolken produziert. Die sporadisch explosive, aber ansonsten rein effusive Aktivität dauerte den ganzen Tag über an. Auch der Lavastrom setzte seinen Kurs fort, kam jedoch nur langsam voran. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigte sich, dass die Eruption ohne Abschwächung andauerte, was angesichts des inzwischen noch weiter gestiegenen Tremors auch zu erwarten war.
Am Morgen des 15. Mai bewegte sich die Front des Lavastroms entlang der Grenze zwischen Valle del Leone und Valle del Bove in nördliche Richtung und war auf geschätzt 2600 m hohem Gelände unterwegs. Während die Förderung von Lava, die inzwischen häufig pulsartig verstärkt erfolgte, weiterhin andauerte, generierte der explosive Schlot wiederholt kleine Aschewolken. Manchmal kam es auch zu länger andauernder Emission von Asche. Im Laufe des Tages war auch immer wieder Freisetzung von Gas aus dem zentralen Krater, zwischen altem und neuem Südostkrater, erkennbar. Außerdem setzte eine weiter südlich befindliche kleine Öffnung, die in dem Gebiet liegt in der der Krater in die große Bresche übergeht, anhaltend Gas bzw. weißen Dampf frei. Thermische Anomalien waren jedoch nicht erkennbar.
Am Abend des 15. Mai zeigte sich nach Sonnenuntergang die Fortdauer der effusiven und explosiven Aktivität. Dabei produzierte der Schlot an der oberen Nordflanke des Neuen Südostkraters praktisch kontinuierlich strombolianische Explosionen. Während der vergangenen Nacht dauerte die eruptive Aktivität weiterhin an, aber der Lavastrom kam kaum noch weiter nach Norden voran. Im Laufe des Tages verbreiterte sich die Front des Lavastroms in dem etwas flacheren Gebiet zwischen Valle del Leone und Valle del Bove, trat dabei jedoch immer noch nicht den Weg weiter Hang abwärts (in östliche Richtung) an.
Von Süden her war am Südostkraterkomplex weiterhin wenig Aktivität erkennbar. Während aus dem zentralen Krater anhaltend etwas Gas aufstieg, emittierte die kleine Öffnung in der Nähe der großen Bresche weiterhin anhaltend Dampf und Gas.
Heute gegen 18:00 Uhr verstärkten sich die sporadischen Ascheemissionen an dem explosiven Schlot und wurden anhaltend. Mit Anbruch der Dunkelheit zeigten sich dort anhaltende, jedoch überwiegend milde strombolianische Explosionen.

Dieses Foto der Monte Cagliato Wärmebildkamera zeigt den Lavastrom am heutigen Abend. Die Front hat sich im relativ flachen Gebiet zwischen Valle del Leone und Valle del Bove verbreitert und kommt kaum noch nach Norden voran. Vermutlich wird sich der Strom bald dem Hang hinab in östliche Richtung bewegen und somit dem Kurs vieler früherer Ströme in das Valle del Bove folgen:
Lavastrom im Valle del Leone
Foto vom 16.05.2022, 19:03 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Der Tremor nahm in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai noch einmal deutlich zu. An den nachfolgenden Tagen stieg er langsam, aber kontinuierlich weiter an und erreichte am 16. Mai den mittleren Bereich hohen Niveaus [1].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE

13. Mai 2022

An der Nordflanke des neuen Südostkraters hat sich gestern ein Schlot geöffnet, der einen kleinen Lavastrom fördert. Gleichzeitig ist der Tremor auf hohes Niveau gestiegen. Zuvor hatte sich bereits die seismische Aktivität des Ätna etwas verstärkt.

Bis zum 10. Mai setzten sich an den Gipfelkratern des Ätna zunächst die Gasemissionen wie gewohnt fort. Am intensivsten waren sie weiterhin an der Bocca Nuova, wo sie auch häufig pulsartig verstärkt auftraten. Wolken und Neuschnee behinderten anfangs noch die Beobachtungen mittels Webcams.
Am Morgen des 11. Mai mischten sich dann unter die weißen Gas- bzw. Dampfwolken, die aus dem zentralen Krater zwischem alten und neuem Südostkrater austraten, erste dünne Aschewolken. Diese Aschefreisetzungen intensivierten sich bis zum Abend noch etwas und in der Nacht auf den 12. Mai zeigten lichtstarke Webcams sporadisch schwachen Glutschein im nördlichen Sektor des zentralen Kraters bzw. im nördlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters. Dieser wurde offenbar von einzelnen milden strombolianischen Explosionen verursacht.
Auch am 12. Mai kam es am Südostkraterkomplex immer wieder zur Freisetzung von kleinen, dunklen Aschewolken. Am späten Nachmittag intensivierten sich die Ascheemissionen etwas und ab ca. 20:00 Uhr war eine kleine und schwache thermische Anomalie im unteren Abschnitt der Nordflanke des Südostkraterkomplexes erkennbar. Diese vergrößerte und intensivierte sich im Laufe des Abends etwas. Sie wurde von einem kleinen, langsamen und vermutlich zähen Lavastrom verursacht. Dieser wurde aus einem neun Schlot gefördert, der sich gegen 19:00 Uhr an der mittleren Nordflanke des Kegels gebildet hatte, was mit der Emission von Asche, kleineren Hangrutschungen und kurzen pyroklastischen Strömen einher ging.
Während der Nacht auf den 13. Mai nahm die Ausdehnung des Lavastroms nur sehr langsam zu. Gleichzeitig war über dem Kegel des Neuen Südostkraters auch von Südosten aus sporadisch schwacher Glutschein erkennbar. Heute Morgen nach Sonnenaufgang waren weiterhin kleinere Ascheemissionen aus dem Gipfelbereich des Neuen Südostkraters bzw. des zentralen Kraters zwischen neuem und altem Südostkrater sichtbar. Dann kamen allerdings dichte Wolken auf, die weitere Beobachtungen bis zum Abend verhinderten. Gegen 19:30 Uhr lockerten die Wolken dann wieder auf. Über die Wärmebildkamera auf dem Monte Cagliato war nun erkennbar, dass sich der seit gestern Abend aktive Lavastrom weiter ausgedehnt und einen nordöstlichen Kurs eingeschlagen hatte. Er bewegte sich dabei entlang der nördlichen Basis des Neuen Südostkraters. Seine Länge dürfte inzwischen einige hundert Meter betragen.
Mit Anbruch der Dunkelheit zeigten Livecams sporadisch pulsierenden Glutschein im nördlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters. An dieser Stelle, die oberhalb des effusiven Schlots liegt, war bereits bei Tageslicht anhaltende Gasemission, sowie sporadische Aschefreisetzung zu sehen gewesen. Nun kam es hier zu strombolianischer Aktivität. Auch gegen 22:00 Uhr förderte der effusive Schlot weiterhin etwas Lava und nährte den schmalen Strom, der nur langsam weiter in nordöstliche Richtung vorankam.

Dieses Webcam-Foto der auf dem Monte Cagliato stationierten Wärmebildkamera des INGV zeigt die kleine thermische Anomalie, die am heutigen Abend durch den Lavastrom an der Nordflanke des Neuen Südostkraters generiert wird. Der Strom bewegt sich entlang der nördlichen Basis des Neuen Südostkraters in nordöstliche Richtung:
Lavastrom an der Nordflanke des Neuen Südostkraters
Foto vom 13.05.2022, 21:18 Uhr: Wärmebildkamera des INGV auf dem Monte Cagliato.

Von Südosten aus betrachtet macht sich der Lavastrom nur durch die schwach rötlich illuminierten Gaswolken über der Nordflanke des Neuen Südostkraters bemerkbar:
Rötlich illuminierte Gaswolken am Neuen Südostkrater von Südosten aus
Foto vom 13.05.2022, 21:22 Uhr: Webcam des L.A.V.E. auf dem Schiena dell'Asino.

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE zeigten sich bis zum 08. Mai alle zwei bis drei Minuten schwache langperiodische Signale. Manchmal tauchten auch kleine Explosionssignale auf. Am 09. Mai nahm die Häufigkeit der langperiodischen Signale langsam zu und ab dem 10. Mai wurde das Seismogramm von schwachem, aber anhaltendem Rauschen überlagert. Dieses steigerte sich an den nachfolgenden Tagen noch etwas und wurde von zunehmendem Tremor verursacht.
Der Tremor, der sich bis zum 07. Mai entlang der Grenze zwischen unterem und mittlerem Niveau bewegt hatte, begann ab dem 08. Mai allmählich zu steigen und erreichte mittleres Niveau. Am 11. Mai nahm er weiter zu und überschritt während der Nacht auf den 12. Mai die Grenze zu hohem Niveau. Am 12. und 13. Mai schwankte er im Bereich knapp oberhalb dieser Grenze [1].

Am 07.05. wurden nordwestlich von Vena (Nordostflanke) mehrere Beben gemessen, wobei das Stärkste eine Magnitude von 2.6 erreichte. Am 08.05. kam es am Monte Zoccolaro (Südostflanke) zu zwei Beben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 2.0 hatte. Am 12.05. wurde im Gebiet südöstlich von Vena ein Beben der Stärke 1.8 registriert [2].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Nun ist die eruptive Aktivität also doch wieder zum Südostkraterkomplex zurückgekehrt, obwohl an den Tagen zuvor die Bocca Nuova aktiver war. Jedoch zeigte sich auch schon vor früheren paroxysmalen Phasen des Südostkraters verstärkte Gasemission bzw. tiefsitzende explosive Tätigkeit in der Bocca Nuova. Obwohl der Schlot in der Bocca Nuova offen ist und tiefer liegt als der Südostkraterkomplex, ist es für das Magma scheinbar doch einfacher am Südostkraterkomplex bzw. im aktuellen Fall am Neuen Südostkrater auszutreten.
Das bisher emittierte Material scheint relativ zäh und gasarm zu sein. Anders lässt sich die relativ langsame und ruhige Förderung der Lava nicht erklären. Ich vermute, dass sich das eruptive Verhalten beschleunigen wird sobald dieses Material ausgestoßen ist. Es ist gut möglich, dass sich dann sogar wieder ein Paroxysmus ereignen kann. Allerdings ist auch eine längere Phase mit moderater strombolianischer und/oder effusiver Aktivität denkbar. Die nächsten 24 - 48 Stunden dürften somit recht spannend werden!

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06. Mai 2022

In den vergangenen 14 Tagen setzte sich am Ätna die ruhige Gasemission fort. Dabei wurde an der Bocca Nuova allerdings ein Gasring emittiert. Der Tremor blieb unverändert, aber die seismische Aktivität hat leicht zugenommen.

Zwischen dem 23.04. und 06.05. waren die Gasemissionen an der Bocca Nuova weiterhin am kräftigsten und häufig pulsartig verstärkt. Am 02. Mai wurde dabei auch ein spektakulärer Gasring produziert, was auf tiefsitzende explosive Aktivität hinweist. Am Südostkraterkomplex stieg anhaltend Gas aus dem zentralen Krater, zwischen neuem und altem Südostkrater empor. Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters setzten ebenfalls anhaltend Gas frei. Zeitweise war auch Entwicklung von weißem Dampf im oberen Abschnitt der östlichen Bresche erkennbar. An Voragine und Nordostkrater konnte ich kaum Gasentwicklung beobachten.

Dieses Webcam-Foto zeigt den Gasring, der am Morgen des 2. Mai von der Bocca Nuova produziert wurde. Er wird mit dem Wind in östliche Richtung getrieben:
Gasring aus der Bocca Nuova
Foto vom 02.05.2022, 09:48 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola

Der Bericht des INGV zur Aktivität des Ätna erscheint wegen der niedrigen Aktivität nun erst einmal nur monatlich. Inzwischen wurde der Bericht für April veröffentlicht.

Wie das INGV berichtet wurden die Gipfelkrater am 08. April mittels Helikopterüberflug untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Bocca Nuova weiterhin zwei Öffnungen im Zentrum des Kraterbodens besitzt, die zusammengewachsen sind und pulsartig verstärkt entgasen. Die Intrakraterkgel der Voragine zeigen dagegen keine Gasemission. Am Südostkrater hat sich in dem Krater, der am 21. Februar den letzten Paroxysmus generiert hatte, ein Kollapskrater entwickelt. Dieser hat einen Durchmesser von nur wenigen Metern und setzt kaum Gas frei. Kleine Fumarolen entlang des Kraterrands emittieren ebenfalls etwas Gas. Auch der Nordostkrater setzt lediglich aus Fumarolen entlang des Kraterrands etwas Gas frei [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte im April keine signifikanten Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im April keine signifikanten Veränderungen [1].

Die Infraschallaktivität war im April stabil mit einem leichten Trend zur Abschwächung. Insgesamt bewegte sie sich auf niedrigem bis mittelniedrigem Niveau. Quelle der Aktivität war hauptsächlich die Bocca Nuova [1].

Im April veränderte sich die Intensität der Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern kaum. Die täglichen Spitzenemissionsraten lagen auf niedrigem bis mittelniedrigem Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) nahmen im April kräftig zu und erreichten hohes Niveau.
Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 11. April bestimmt wurde, war mit einem Wert von 0.6 vergleichbar mit dem letzten Messwert, der im März ermittelt wurde. Der Wert bewegt sich auf der Grenze zwischen mittlerem und hohem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in den vergangenen beiden Wochen regelmäßig schwache langperiodische Signale. Vereinzelt waren auch kleine Explosionssignale erkennbar. Der Tremor bewegte sich entlang der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau [2].

Zwischen dem 25.04. und 28.04. kam es im Bereich des Monti Centenari (Ostflanke) zu einigen schwachen Erdbeben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 2.1 erreichte. Am 02.05. wurde westlich des Monte Scorsone (Ostflanke) ein Beben der Stärke 2.0 registriert. Am 04.05. kam es im Gebiet nördlich des Piano Pernicana (Nordostflanke) zu einem Beben der Stärke 1.7 [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Auch wenn es in den vergangenen 14 Tagen am Ätna weiterhin sehr ruhig war, deuten einige, allerdings schwache Zeichen darauf hin, dass sich die Aktivität in nächster Zeit wieder verstärken und zur Bocca Nuova hin verlagern könnte. So lässt die Freisetzung eines Gasrings darauf schließen, dass es zu einzelnen tiefsitzenden Explosionen in der Bocca Nuvoa kommt. Hier wird zurzeit auch das meiste Gas freigesetzt. Desweiteren hat sich die seismische Aktivität in den letzten beiden Wochen etwas verstärkt. Beben im Bereich der Monti Centenari und an der mittleren Ost- bzw. Nordostflanke könnten auch ein Hinweis sein, dass sich die Magmasäule langsam nach oben bewegt. Hinzu kommen die deutlich gestiegenen Kohlendioxidemissionen, die bisher häufig ein Vorzeichen eruptiver Aktivität waren. Auch die letzte Bestimmung des 3He/4He - Verhältnisses zeigt, dass der Abwärtstrend, der im Februar begann offenbar zum Stillstand gekommen ist, was evtl. ein Hinweis sein könnte, dass ein Schub von frischem Magma dabei ist unter dem Berg aufzusteigen.
Alle diese Zeichen sind für sich alleine jedoch noch relativ schwach, deuten in Summe aber zumindest an, dass sich demnächst wieder etwas ereignen könnte. So ist es z.B. denkbar, dass es in nächster Zeit in der Bocca Nuova zu strombolianische Aktivität kommt. Aber auch der Südostkraterkomplex könnte wieder aktiv werden. Für einen Paroxysmus gibt es keine Anzeichen, aber dies kann sich ja bekanntlich auch sehr schnell ändern. Lassen wir uns also überraschen, wie es weitergeht.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. Etna - BOLLETTINO MENSILE - MESE DI RIFERIMENTO APRILE 2022
  2. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2022.

22. April 2022

Der Ätna setzte in der letzten Woche seine ruhige Gasemission fort. Tremor und seismische Aktivität blieben niedrig.

Leider wurde bisher weder der wöchentliche Bericht des INGV von der letzten, noch von der vorletzten Woche veröffentlicht. Darum muss ich mich für die Updates weiterhin auf die Online-Daten und Webcams beschränken.

Schlechtes Wetter behinderte in der letzten Woche zeitweise die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden war weiterhin kräftige und häufig pulsartig verstärkte Gasemission aus der Bocca Nuova erkennbar. An Voragine und Nordostkrater konnte ich nur geringe Gasfreisetzung beobachten. Am Südostkraterkomplex stieg anhaltend etwas Gas aus dem zentralen Krater, zwischen neuem und altem Südostkrater empor. Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters setzten ebenfalls anhaltend Gas frei.

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der vergangenen Woche regelmäßig schwache langperiodische Signale.
Der Tremor schwankte in der letzten Woche auf niedrigem Niveau [1].

Am 17.04. wurde bei Macchia (Ostflanke) ein Beben der Stärke 2.0 registriert [2].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Der Berg verhielt sich auch in den letzten beiden Wochen weiterhin relativ ruhig und es gibt aktuell keine Vorzeichen für unmittelbar bevorstehende eruptive Aktivität.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  2. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2022.

15. April 2022

Auch in der vergangenen Woche blieb der Ätna sehr ruhig. Der Tremor ist noch etwas gefallen und auch die seismische Aktivität blieb niedrig.

Der wöchentliche Bericht des INGV liegt bisher nicht vor, darum fällt dieses Update recht kurz aus.

Gute Wetterbedingungen ermöglichten in der vergangenen Woche eine durchgehende Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Dabei zeigte sich die stärkste Gasemission weiterhin an der Bocca Nuova. Dort waren die Gasfreisetzungen auch häufig pulsartig verstärkt. Aus Voragine und Nordostkrater wurde nur wenig Gas freigesetzt. Am Südostkraterkomplex zeigte sich leichte, aber anhaltende Gasemission aus dem zentralen Krater, zwischen altem und neuem Südostkrater. Einige Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters setzten ebenfalls Gas frei.

Dieses Webcam-Foto vom 12. April zeigt den Südostkraterkomplex von Südosten aus. Dieser wird vom Neuen Südostkrater dominiert dessen östliche Bresche man auf diesem Foto gut erkennen kann. Links vom Neuen Südostkrater schließt sich die große südliche Bresche an, deren steile innere östliche Wand ein kleines Stück über die südliche Flanke des Neuen Südostkraters emporragt. Nur einige Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters setzen etwas Gas frei. Die große Gaswolke dahinter stammt von der Bocca Nuova:
Der Südostkraterkomplex von Südosten aus
Foto vom 12.04.2022, 10:28 Uhr: Webcam des L.A.V.E. auf dem Schiena dell'Asino.

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der vergangenen Woche regelmäßig schwache langperiodische Signale.
Der Tremor bewegte sich in der letzten Woche auf niedrigem Niveau und unterlag einem leicht fallenden Trend [1].

Am 10.04. wurde am Monte Centenari (Ostflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen. Am 14.04. kam es im Bereich des Zentralkraters zu einem Beben der Stärke 1.5 [2].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  2. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2022.

08. April 2022

Der Berg verhielt sich auch in der letzten Woche sehr ruhig. Der Tremor ist wieder etwas zurückgegangen. Die seismische Aktivität blieb niedrig.

Auch in der vergangenen Woche sorgte zunächst noch schlechtes Wetter für Behinderungen bei der Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. In den letzten Tagen besserten sich die Bedingungen jedoch und es zeigte sich weiterhin pulsartig verstärkte Gasemission an der Bocca Nuova. Aus dem Nordostkrater wurde nur wenig Gas emittiert. Am Südostkraterkomplex trat anhaltend Gas aus dem zentralen Krater, zwischen altem und neuem Südostkrater aus.

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 28.03. bis 03.04. keine signifikanten Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 28.03. bis 03.04. keine signifikanten Veränderungen [1].

Die Infraschallaktivität war im Zeitraum vom 28.03. bis 03.04. meist niedrig und lediglich am 28. März etwas erhöht. Quelle der Aktivität war die Bocca Nuova [1].

Im Zeitraum vom 28.03. bis 03.04. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen auf unterem mittlerem Niveau. Die täglichen Spitzenemissionsraten erreichten hohes mittleres Niveau und waren somit etwas höher als in der Vorwoche. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) waren im selben Zeitraum im Vergleich zur Vorwoche nahezu unverändert und hielten sich auf mittlerem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der vergangenen Woche zunächst noch häufig kurze Phasen von verstärktem Tremor, sowie einige langperiodische Signale. Seit dem 05. April haben diese Signale abgenommen.
Der Tremor nahm bis zum 03. April noch etwas zu und bewegte sich durchweg auf mittlerem Niveau. Dann schwächte er sich langsam ab und stabilisierte sich auf niedrigem Niveau [2].

Am 07.04. wurde nördlich des Monte Denza (Südflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Nachdem der Tremor nun wieder gefallen ist und auch die seismische Aktivität weiterhin schwach bleibt, sowie keinerlei Ascheemissionen an den Gipfelkratern stattfinden sieht es im Moment nicht so aus, also würde sich in nächster Zeit noch einmal ein Paroxysmus am Südostkraterkomplex ereignen. Da das Magma aber vermutlich immer noch hoch im Berg steht wird es sicherlich früher oder später zu neuer eruptiver Aktivität kommen. Diese könnte in Form von strombolianischen Explosionen im Südostkraterkomplex oder in der Bocca Nuova bzw. Nordostkrater auftreten.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. Etna - BOLLETTINO SETTIMANALE - SETTIMANA DI RIFERIMENTO 28/03/2022 - 03/04/2022
  2. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2022.

01. April 2022

Auch in der vergangenen Woche blieb der Ätna ruhig und es kam nur zu den üblichen Gasemissionen. Der Tremor hat allerdings etwas zugenommen.

Schlechtes Wetter mit Neuschnee behinderte in der letzten Woche nahezu ständig die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Während den wenigen wolkenfreien Momenten zeigten sich weiterhin die üblichen Gasemissionen, die an der Bocca Nuova am stärksten und meist pulsartig waren. Am Südostkraterkomplex wurde das meiste Gas aus dem zentralen Krater freigesetzt.

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 21.03. bis 27.03. keine signifikanten Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 21.03. bis 27.03. keine signifikanten Veränderungen [1].

Die Infraschallaktivität war im Zeitraum vom 21.03. bis 27.03. weiterhin niedrig. Quelle der Aktivität war meist die Bocca Nuova [1].

Im Zeitraum vom 21.03. bis 27.03. hielten sich die Schwefeldioxidemissionen auf niedrigem Niveau. Die täglichen Spitzenemissionsraten erreichten unteres mittleres Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) stiegen im gleichen Zeitraum an, bewegten sich aber noch auf mittlerem Niveau.
Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 23. März bestimmt wurde, war mit einem Wert von 0.6 erneut niedriger als bei der letzten Messung [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der vergangenen Woche zunächst nur gelegentlich schwache langperiodische Signale. Seit dem 30. März kommt es aber zu einer Häufung. Auch waren wiederholt kurze Phasen (bis zu einer Minute Länge) von leichtem Rauschen zu sehen.
Der Tremor bewegte sich in der letzten Woche weiterhin an der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau und zeigt seit dem 28. März eine leichte Zunahme [2].

Am 30.03. wurde am Monte Intraleo (Südwestflanke) ein Beben der Stärke 2.5 gemessen [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Der in den letzten Tagen leicht gestiegene Tremor, sowie kurze Phasen von stärkerem Tremor auf den Online-Seismogrammen könnten erste Signale der Aufbauphase einer neuen paroxysmalen Phase sein. Leider behinderten auch heute Neuschnee und dichte Wolken ständig den Blick auf den Gipfelbereich, so dass mögliche Aschefreisetzungen der Beobachtung entgangen sein könnten. Allerdings gab es auch vor einer Woche eine ähnliche Entwicklung des Tremors, ohne dass es zu einem Paroxysmus kam. Die erneut gesunkene Konzentration der Heliumisotope zeigt, dass inzwischen weniger Magma aus der Tiefe aufsteigt und sich dadurch die paroxysmalen Phasen am Südostkraterkomplex seltener ereignen dürften bzw. der Druck fehlt überhaupt einen weiteren Paroxysmus zu generieren. Ich denke aber immer noch, dass es bald zu einem Paroxysmus kommen wird. Alternativ ist aber auch eine längere Phase von strombolianischer Aktivität denkbar.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2022. Etna - BOLLETTINO SETTIMANALE - SETTIMANA DI RIFERIMENTO 21/03/2022 - 27/03/2022
  2. INGV-Sezione di Catania. 2022. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2022.

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