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Ätna Update (01.10. - 26.11.2021)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.
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26. November 2021

In der letzten Woche kam es am Nordostkrater zu einer explosiven Ascheemission. Ansonsten blieb der Ätna relativ ruhig und die seismische Aktivität war weiterhin niedrig.

Am 20. November kam es am Nordostkrater gegen 11:16 Uhr zur einer explosiven Ascheemission. Dabei wurde eine bräunliche, pilzförmige Wolke freigesetzt, die schnell in südliche Richtung getrieben wurde und sich rasch auflöste. Weitere schwächere Ascheemissionen folgten während den nachfolgenden Minuten. Anschließend konnte ich pulsartige Emission von bläulichem Gas (vermutlich Schwefeldioxid) beobachten. Dann zogen Wolken auf, die die weitere Beobachtung bis kurz vor Sonnenuntergang verhinderten. Dann konnte ich um 18:03 Uhr noch einmal die Freisetzung einer pilzförmigen Aschewolke erkennen. Am Abend, während der Nacht und auch an den nachfolgenden Tagen waren dann keine weiteren Emissionen über die Webcams zu sehen.
An der Bocca Nuova konnte ich in der vergangenen Woche kräftige Gasemission beobachten, die zeitweise pulsartig verstärkt war. Am 24. November wirkten die Gasemissionen energiereich und es entwickelten sich häufig pilzförmige Gaswolken. Am Südostkraterkomplex setzte der Neue Südostkrater im Gipfelbereich anhaltend etwas Gas frei. Aus der neuen Bresche in seiner Ostflanke stiegen geringe Mengen an weißem Dampf auf.

Dieses Webcam-Foto zeigt die explosive Aschefreisetzung aus dem Nordostkrater am Vormittag des 20. November. Die graue, pilzförmige Aschewolke wird vom Wind schnell in südliche Richtung getragen:
Explosive Aschefreisetzung aus dem Nordostkrater
Foto vom 20.11.2021, 11:18 Uhr: Milo-Webcam des INGV

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 15.11. bis 21.11. keine Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 15.11. bis 21.11. keine Veränderungen [1].

Die Infraschallaktivität war zwischen dem 15.11. und 21.11. moderat, aber etwas höher als in der Vorwoche. Die Quelle war überwiegend die Bocca Nuova und untergeordnet der Nordostkrater [1].

Im Zeitraum vom 15.11. bis 21.11. stiegen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche etwas an. Sie bewegten sich weiterhin auf mittlerem Niveau (ca. 5000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag). Somit dauerte der seit Ende September andauernde Trend zu steigenden Schwefeldioxidemissionen nach wie vor an. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) unterlagen zwischen dem 15.11. und 21.11. deutlichen Schwankungen, bewegten sich aber insgesamt weiterhin auf mittelhohem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der letzten Woche gelegentlich schwache langperiodische Signale, sowie Explosionssignale.
Der Tremor schwankte in der letzten Woche auf mittlerem Niveau [2].

Zwischen dem 21.11. und dem 23.11. kam es im Gebiet südlich von Motta Camastra bzw. östlich von Linguaglossa (nördlich des Ätna) zu mehreren sehr schwachen Beben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 1.5 erreichte. Am 24.11. wurde nordöstlich von Maletto (Nordwestflanke) ein Beben der Stärke 1.8 gemessen [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Bei der explosiven Ascheemission, die sich am 20. November im Nordostkrater ereignet hat, könnte es sich um einen Schloträumer gehandelt haben. Möglicherweise wurde hier altes Material weggesprengt und so ein freier Weg für austretendes Gas geschaffen, denn nach dem Ereignis wurde für einige Zeit bläuliches Gas emittiert, was auf Schwefeldioxid hindeutet. Es ist gut möglich, dass die Magmasäule unter dem Nordostkrater etwas angestiegen ist, denn der letzte Paroxysmus ist nun schon über vier Wochen her. Das Aufsteigen des Magmas kann dann schon mal eine plötzliche, vielleicht auch phreatomagmatische (Kontakt zwischen Magma und Wasser) Explosion verursachen. Zu strombolianischer Aktivität ist es im Nordostkrater danach aber wohl nicht gekommen und auch die Gasemissionen gingen im Nordostkrater wieder zurück. Am Südostkraterkomplex deutet zurzeit nichts auf einen bevorstehenden Paroxysmus hin, aber das kann sich bekanntlich ja sehr schnell ändern. Mit jedem Tag nimmt die Wahrscheinlichkeit dafür jetzt wieder zu.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 15/11/2021 - 21/11/2021
  2. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.

19. November 2021

Auch in der vergangenen Woche blieb der Ätna verhältnismäßig ruhig und es zeigten sich lediglich die gewohnten Gasfreisetzungen. Der Tremor war moderat und die seismische Aktivität war schwach.

In der letzten Woche zeigte sich anhaltende Gasemission aus Nordostkrater und Voragine. Aus der Bocca Nuova wurde pulsartig verstärkt Gas emittiert. Am Südostkraterkomplex wurde aus dem Gipfelbereich des Neuen Südostkraters anhaltend etwas Gas emittiert. Aus der neuen Bresche in seiner Ostflanke stieg weißer Dampf empor. Bedingt durch erhöhte Luftfeuchtigkeit wirkten die Emissionen zeitweise deutlich stärker als sie tatsächlich waren.

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 08.11. bis 14.11. keine Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 08.11. bis 14.11. keine Veränderungen [1].

Die Infraschallaktivität nahm zwischen dem 08. November und 14. November etwas zu. Allerdings waren die Messungen durch starken Wind beeinträchtigt. Quelle der Aktivität waren Bocca Nuova und Nordostkrater [1].

Im Zeitraum vom 08.11. bis 14.11. lagen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater erneut auf mittlerem Niveau (ca. 5000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag) und waren gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Seit Ende September zeigt sich bei den Schwefeldioxidemissionen ein leicht zunehmender Trend. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) gingen zwischen dem 08.11. und 14.11. zurück und bewegten sich auf mittelhohem Niveau [1].

Auf den Online-Seismogramme der Station ECNE waren in der vergangenen Woche meist nur wenige langperiodische Signale erkennbar. Eine Ausnahme bildete der 15. November, als sich kurze Phasen verstärkten Rauschens, sowie einige stärkere Signale zeigten. Der Tremor schwankte in der letzten Woche auf mittlerem Niveau [2].

Am 18.11. kam es am Monte Grosso (Südflanke) zu zwei Beben die Magnituden von 1.5 bzw. 2.1 erreichten [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Die leichte Unruhe im Berg, die sich in der vorletzten Woche noch auf den Seismogrammen zeigte, hat sich in der vergangenen Woche wieder weitgehend gelegt. Nichts deutet im Moment auf einen bevorstehenden Paroxysmus am Südostkraterkomplex hin. Dennoch sind nun fast vier Wochen seit der letzten paroxysmalen Phase vergangen und somit wird die Wahrscheinlichkeit für einen neuen Paroxysmus nun wieder größer.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 08/11/2021 - 14/11/2021
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12. November 2021

In der letzten Woche kam es am Neuen Südostkrater zu kleinen Aschefreisetzungen. Der Tremor verhielt sich moderat und die seismische Aktivität blieb weiterhin gering.

Auch in der vergangenen Woche behinderte schlechtes Wetter häufig die Beobachtung des Gipfelbereichs mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden zeigten sich insbesondere am 07. und 08. November im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters wiederholt kleine Emissionen von dunkler Asche. Gleichzeitig stieg aus der tiefen Bresche in seiner Ostflanke anhaltend weißer Dampf auf. Aus der Bocca Nuova konnte ich pulsartig verstärkte Gasemission erkennen.

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 01.11. bis 07.11. keine Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 01.11. bis 07.11. keine Veränderungen [1].

Die Daten der Infraschallaktivität zeigten in der Woche vom 01. November bis 07. November nur wenige Ereignisse. Allerdings waren die Messungen auch von starkem Wind beeinträchtigt. Quelle der Aktivität war die Bocca Nuova [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 01.11. bis 07.11. keine Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 01.11. bis 07.11. keine Veränderungen [1].

Im Zeitraum vom 01.11. bis 07.11. lagen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf mittlerem Niveau (ca. 5000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag) und waren somit gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) unterlagen im gleichen Zeitraum starken Schwankungen und bewegten sich zwischen mittelhohem und sehr hohem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der letzten Woche zunächst nur wenige langperiodische Signale. Ab den Mittagsstunden des 10. November waren dann plötzlich viele Signale erkennbar, die ca. alle 30 Sekunden auftraten. Dieses Verhalten dauerte auch am 11.11. noch an, wobei es mehrmals zu Pausen von 1 - 2 Stunden kam während denen kaum Signale auftraten. Heute wurden die Signale dann wieder weniger [2].
Der Tremor schwankte in der letzten Woche auf mittlerem Niveau [2].

Am 09.11. wurde im Piano Pernicana (Nordostflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Die zahlreichen Signale auf den Online-Seismogrammen, die sich am 10. und 11. November zeigten, könnten von tiefsitzenden strombolianischen Explosionen oder pulsartiger Gasfreisetzung verursacht worden sein. Vor ein paar Tagen kam es auch wiederholt zu Aschefreisetzungen aus dem Neuen Südostkrater und so ist es gut möglich, dass dies bereits Vorboten einer neuen paroxysmalen Phase sind. Der letzte Paroxysmus ist inzwischen fast drei Wochen her und somit könnte sich innerhalb der nächsten eins bis zwei Wochen wieder ein neuer Paroxysmus am Südostkraterkomplex ereignen.

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05. November 2021

Die letzte Woche verlief am Ätna sehr ruhig. Die seismische Aktivität war sehr schwach und der Tremor blieb niedrig.

In der vergangenen Woche behinderten Wolken häufig die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden konnte ich pulsartig verstärkte Gasemission aus der Bocca Nuova beobachten. Gelegentlich waren die Gaswolken mit ein wenig bräunlicher Asche durchsetzt. Am Neuen Südostkrater wurde aus der neuen Bresche in der Ostflanke, die bei dem Paroxysmus vom 23. Oktober entstanden war, etwas weißer Dampf emittiert. Aus dem Gipfelbereich stieg gleichzeitig anhaltend Gas empor. Der Nordostkrater setzte zeitweise Gas frei.

Die Infraschallaktivität war zwischen dem 18.10. und 24.10. niedrig und konzentrierte sich auf die Bocca Nuova und den Nordostkrater [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 25.10. bis 31.10. keine Veränderungen [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 25.10. bis 31.10. keine Veränderungen [1].

Im Zeitraum vom 25.10. bis 31.10. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf durchschnittlichem Niveau und waren gegenüber der Vorwoche unverändert. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) stiegen im gleichen Zeitraum deutlich an und erreichten sehr hohes Niveau. Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 20. Oktober bestimmt wurde, ergab mit 0.58 einen etwas niedrigeren Messwert, als bei der letzten Untersuchung [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der letzten Woche gelegentlich schwache langperiodische Signale.
Der Tremor schwankte in der letzten Woche zwischen niedrigem und mittlerem Niveau und unterlag insgesamt einem leichten Aufwärtstrend der sich heute verstärkte [2].

In der vergangenen Woche war die seismische Aktivität sehr gering und es kam lediglich zu einigen Beben unterhalb einer Magnitude von 1.5 [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Da nach wie vor hohe Konzentrationen an Helium-3 gemessen werden und auch das freigesetzte Kohlendioxid weiter angestiegen ist, gehe ich davon aus, dass immer noch ausreichend Magma unter dem Berg vorhanden ist, um weiterhin eruptive Aktivität zu generieren. Vermutlich wird sich diese in Form weiterer paroxysmaler Phasen des Südostkraterkomplexes zeigen. Zurzeit deuten die meisten Daten nicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Paroxysmus hin und einiges spricht dafür, dass dieser wohl erst in zwei bis drei Wochen stattfinden wird. Etwas Kopfzerbrechen bereiten mir jedoch die hohen Messwerte für Kohlendioxid und ein leicht steigender Trend bei dem Tremorsignal. Dies könnten wiederum Indikatoren für einen baldiges eruptives Ereignis sein. Darum gestaltet sich eine Prognose zur weiteren Entwicklung diesmal schwierig.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 25/10/2021 - 31/10/2021
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  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.

29. Oktober 2021

In der letzten Woche hat sich am Ätna wieder ein Paroxysmus ereignet. Es kam zu hohen Lavafontänen und Ascheausstoß bis 10 Km Höhe, sowie zu Hangrutschungen am Neuen Südostkrater, die pyroklastische Ströme verursachten. Ein dort freigesetzter Lavastrom ergoss sich in das Valle del Bove.

Während der Nacht auf den 23. Oktober verdichteten sich die Wolken im Gipfelbereich des Ätna, so dass der Blick auf die Anfangs noch gut sichtbare strombolianische Aktivität im zentralen Krater des Südostkraterkomplexes immer stärker behindert wurde. Nach Sonnenaufgang lockerte es dann etwas auf und ab ca. 10:30 Uhr waren dunkelgraue Aschewolken zwischen den weißen Wetterwolken erkennbar, die den Südostkraterkomplex weiterhin teilweise einhüllten. Ab 10:39 Uhr intensivierten sich die Ascheemissionen deutlich und innerhalb weniger Minuten entwickelte sich eine gewaltige Eruptionssäule über dem Gipfelkrater. Gleichzeitig stieg der Tremor rapide und erreichte bald sehr hohes Niveau. Die dunkle Eruptionssäule, die auf ca. 9000 - 10.000 m Höhe aufstieg wurde vom Wind in östliche bis nordöstliche Richtung gebogen und sorgte für Ascheregen entlang der Ostküste von Mascali bis hinauf nach Taormina. Die heftige explosive Aktivität, verbunden mit der Freisetzung von ca. 700 m hohen Lavafontänen sorgte für einen dichten Regen aus heißem pyroklastischem Material, der vor allem auf die südliche bis östliche Flanke des Neuen Südostkraters nieder ging. Um 10:49 Uhr löste sich an der Ostflanke des Neuen Südostkraters dann ein pyroklastischer Strom und bewegte sich schnell in Richtung Valle del Bove. Weitere pyroklastische Ströme lösten sich um 11:02 Uhr, 11:30 Uhr und 11:37 Uhr. Laut INGV legten sie eine Strecke von ca. 1,5 Km zurück. Fotos der Wärmebildkamera auf dem La Montagnola zeigten außerdem die Freisetzung von Lava in dem Bereich, in dem sich die pyroklastischen Ströme gelöst hatten. Vermutlich hatten sich hier neue effusive Schlote bzw. eine eruptive Spalte geöffnet und so eine Hangrutschung verursacht. Die hier freigesetzte Lava mischte sich mit den pyroklastischen Strömen und bewegte sich ebenfalls in Richtung Valle del Bove. Um 11:58 Uhr kam es zu einem weiteren pyroklastischen Strom, der aber kürzer war als die vorhergehenden. Anschließend ereigneten sich an der Ostflanke des Neuen Südostkraters weitere kleine Rutschungen, die kurze pyroklastische Ströme generierten. Ab 12:00 Uhr begannen die Lavafontänen in sich zusammen zu sacken, aber es kam noch zu explosiver Aktivität. Diese endete gegen 12:20 Uhr. Der Tremor fiel gleichzeitig rasch auf niedriges Niveau. Die Förderung von Lava aus der Ostflanke des Neuen Südostkraters, die bedingt durch die Öffnung der neuen Schlote bzw. der Rutschungen inzwischen eine tiefe Narbe aufwies, dauerte noch bis zum Abend gegen 19:00 Uhr an. Dies konnte ich dank dem inzwischen wolkenfreien Valle del Bove mittels der Monte Cagliato - Wärmebildkamera beobachten. Die Front des Lavastroms stagnierte zu diesem Zeitpunkt im Gebiet der westlichen Talsohle des Valle del Bove, nordwestlich des Monte Centenari.
Während der Nacht auf den 24. Oktober zeigte sich nur noch in der großen und tiefen Narbe in der Ostflanke des Neuen Südostkraters Glutschein. Später zogen Wolken auf und kündigten eine mehrtägige Schlechtwetterperiode an, die mit Wind, Starkregen und Überschwemmungen einher ging und einige Webcams im Gipfelbereich zeitweise ausfallen ließ.
Am 28. Oktober lockerten die Wolken im Gipfelbereich vorübergehend auf und es zeigten sich wiederholt Emissionen von dunkler Asche über dem Südostkraterkomplex. Quelle war offenbar der Gipfelkrater des Neuen Südostkraters. In der vergangenen Nacht und auch heute war das Wetter wieder sehr schlecht und somit ein Blick auf die Gipfelkrater unmöglich.

Wie das INGV berichtet hatte der Lavastrom, der aus der Ostflanke des Neuen Südostkraters freigesetzt wurde, eine Länge von 2,3 Km und ein Volumen von 500.000 m3. Seine Front stoppte auf 2150 m hohem Gelände [1].

Dieses Webcam-Foto zeigt neben der dunklen Aschesäule über dem Südostkraterkomplex auch bräunliche Aschewolken an der Ostflanke des Neuen Südostkraters. Sie werden durch Rutschungen verursacht, die dabei auch kurze pyroklastische Ströme generieren:
Aschesäule über dem Südostkraterkomplex und Rutschungen an Ostflanke
Foto vom 23.10.2021, 12:06 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola

Hier noch ein Foto der eindrucksvollen Eruptionssäule, das mir freundlicherweise von Herrn Samuel Jan Koch zur Verfügung gestellt wurde Es entstand während dem Höhepunkt der paroxysmalen Phase und wurde von der Gipfelstation der Seilbahn (Südflanke) aus aufgenommen:
Die Eruptionssäule von Gipfelstation der Seilbahn aus
23.10.2020, 10:55 Uhr, © Samuel Jan Koch

Die Infraschallaktivität konzentrierte sich ab dem 20. Oktober zunächst auf den Nordostkrater und war niedrig, nahm dann in Zusammenhang mit der sich steigernden eruptiven Aktivität des Südostkraterkomplexes ab dem 22. Oktober zu und war während dem Paroxysmus vom 23. Oktober am höchsten [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 18.10. bis 24.10. keine Veränderungen.
Die klinometrischen Daten für den Zeitraum zwischen dem 18.10. und 24.10. zeigten am 23. Oktober eine deutliche Deflation des Vulkangebäudes, die einen maximalen Wert von 3 Mikroradiant erreichte [1].

Im Zeitraum vom 18.10. bis 24.10. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf mittlerem Niveau (ca. 5000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag) und waren gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) stiegen im gleichen Zeitraum kräftig an und erreichten sehr hohes Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE waren während der paroxysmalen Phase bedingt durch hohen Tremor stark verrauscht. Anschließend zeigten sich zunächst noch viele kleine Signale, die sich vermutlich auf Rutschungen und Bewegungen des instabilen Materials an den Flanken des Südostkraterkegels zurückführen lassen. Anschließend waren nur gelegentlich schwache langperiodische Signale erkennbar. Nur am Morgen des 25. Oktober kam es zu einer mehrstündigen Serie von zahlreichen langperiodischen Signalen, die im Abstand von ca. 30 Sekunden auftraten. Zeitweise waren die Daten auch von starkem Wind bzw. technischen Problemen beeinträchtigt.
Der Tremor, der sich am 22. Oktober bereits auf mittlerem Niveau befand, stieg am Morgen des 23. Oktober rapide an und erreichte während der paroxysmalen Phase sehr hohes Niveau. Danach fiel er sehr schnell auf niedriges Niveau ab. Am 25. Oktober kam es dann noch mal zu einem vorübergehenden Anstieg bis zur Grenze zum hohen Niveau, was aber durch eine Serie kurz hintereinander folgender langperiodischer Signale verursacht wurde. Dann ging er zurück zur Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau, wo er sich auch den Rest der Woche hielt [2].

Am 25.10. wurde nordöstlich von Piedimonte Etneo (Nordostflanke) ein Beben der Stärke 1.6 gemessen [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Diesmal gab es vor dem Paroxysmus eine relativ lange Aufbauphase, die von strombolianischer Aktivität geprägt war, was in dieser Form während der aktuellen Serie nicht so häufig vorkam. Dafür war der Paroxysmus dann allerdings besonders explosiv, denn die Asche erreichte eine Höhe von bis zu 10 Kilometer und wurde weit nach Nordosten getragen. Diesmal wurde weniger Lava als bei den letzten paroxysmalen Phasen freigesetzt. Ungewöhnlich war auch, das diesmal keine Lava durch die Bresche in südwestliche Richtung strömte, sondern nur an der Ostflanke des Neuen Südostkraters emittiert wurde. Die Öffnung der effusiven Schlote führte dann zu Hangrutschungen verbunden mit pyroklastischen Strömen, womit bei der inzwischen großen Steilheit des Hanges bzw. des gesamten Kegels zu rechnen ist. Die Öffnung effusiver Schlote an der Ostflanke des Neuen Südostkraters ist jedoch nicht ungewöhnlich und schon häufiger während paroxysmaler Phasen des Neuen Südostkraterkegels geschehen.
Auf Grund dieser Beobachtungen, vermute ich, dass diesmal der Druck unter dem Südostkraterkomplex höher als bei den letzten paroxysmalen Phasen war. Bedingt durch die zunehmende Höhe des Kegels und somit der Magmasäule über der Magmakammer ist auch ein zunehmend hoher Druck nötig um diese Magmasäule empor zu schieben. Vermutlich handelte es sich wieder um älteres, also höher entwickeltes Magma, das dadurch etwas kälter und viskoser war und vielleicht auch mehr Wasser enthielt, was auch die erhöhte Explosivität dieser Phase erklären würde.
Vermutlich wird es nun wieder drei bis vier Wochen dauern, bis der nächste Paroxysmus bevor steht. Es sei denn ein Schub frisches und gasreiches Magma würde aufsteigen.

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22. Oktober 2021

Seit zwei Tagen kommt es am Südostkraterkomplex des Ätna zu strombolianischen Explosionen mit steigender Intensität. Heute Abend hat auch der Tremor weiter zugenommen und somit scheint ein neuer Paroxysmus unmittelbar bevor zu stehen.

In der vergangenen Woche zeigte sich an der Bocca Nuova kräftige und häufig pulsartig verstärkte Gasemission. Am Nordostkrater kam es zu pulsartiger Gasemission. Am Südostkraterkomplex wurde zunächst nur aus dem Gipfelbereich des Neuen Südostkraters anhaltend Gas emittiert. Während der Nacht auf den 20. Oktober waren dann sporadische und sehr schwache strombolianische Explosionen innerhalb des zentralen Kraters des Südostkraterkomplexes erkennbar. Während des Tages zeigten sich dort dann wiederholt pilzförmige Emissionen von grauer Asche. Ab den frühen Morgenstunden des 21. Oktobers waren dann schon etwas kräftigere strombolianische Explosionen erkennbar, die auch etwas häufiger als am Vortag auftraten. Während der Vormittagsstunden des 21. Oktober waren erneut einige kleinere Ascheemissionen erkennbar. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigten sich dann regelmäßig strombolianische Explosionen. Diese schleuderten gelegentlich glühendes pyroklastisches Material in die unmittelbare Umgebung des Schlots. Auch während der vergangenen Nacht dauerte diese Aktivität an. Nach Tagesanbruch waren einige leichte Ascheemissionen erkennbar, doch dann zogen schnell dichte Wolken auf, die sich bis zum Abend hielten und sämtliche Beobachtungen verhinderten. Am Abend begann dann der Tremor schneller zu steigen und ab ca. 21:00 Uhr wurden die immer noch dichten Wolken häufig rötlich illuminiert.

Die Infraschallaktivität war zwischen dem 11.10. und 17.10. weiterhin niedrig. Quelle der Aktivität war nach wie vor die Bocca Nuova [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte für den Zeitraum vom 11.10. bis 17.10. keine Veränderungen gegenüber den Daten der Vorwoche [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 11.10. bis 17.10. keine Veränderungen [1].

Im Zeitraum vom 11.10. bis 17.10. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater weiterhin auf durchschnittlichem Niveau und waren gegenüber der Vorwoche unverändert. Die Emissionsraten für Chlorwasserstoff stiegen im gleichen Zeitraum an und bewegten sich auf mittelniedrigem Niveau. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) schwankten vom 11.10. bis 17.10. zwischen mittlerem und hohem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der vergangenen Woche nur gelegentlich schwache langperiodische Signale bzw. einzelne Explosionssignale.
Der Tremor bewegte sich am 16. Oktober noch an der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau. Danach ging er wieder etwas zurück, stieg aber während den nächsten Tagen allmählich an. Am 21. Oktober erreichte er dann knapp mittleres Niveau. Seit dem heutigen Abend ist er weiter am Steigen und strebt in Richtung hohes Niveau [2].

Auch in der vergangenen Woche war die seismische Aktivität sehr gering und es kam lediglich zu einigen Beben unterhalb einer Magnitude von 1.5 [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Nach dem heute Abend die strombolianische Aktivität weiter zugenommen hat und der Tremor schneller am Steigen ist, scheint sich nun der erwartete Paroxysmus am Südostkraterkomplex aufzubauen. Der letzte Paroxysmus ist nun schon etwas mehr als vier Wochen her. Zuvor hatten sich die paroxysmalen Phasen alle drei Wochen ereignet. Somit scheint im Moment nicht viel frisches und gasreiches Magma unter dem Berg aufzusteigen und der Abstand zwischen diesen Ereignissen könnte sich in Zukunft weiter vergrößern bzw. könnten die Paroxysmen auch ganz ausbleiben. Natürlich kann auch jederzeit wieder frisches Magma eintreffen und sich die Situation dadurch wieder deutlich verändern. Dies lässt sich jedoch schwer vorhersagen.

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15. Oktober 2021

Seit ein paar Tagen ist am Ätna der Tremor etwas erhöht, aber zu einem neuen Paroxysmus ist es bisher nicht gekommen. Die seismische Aktivität blieb sehr niedrig und an den Gipfelkratern kam es lediglich zu den normalen Gasemissionen.

In der letzten Woche behinderten Wolken und Neuschnee die Beobachtung der Gipfelregion mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden war kräftige und anhaltende Gasemission aus der Bocca Nuova erkennbar. Aus der Voragine sah ich nur wenig Gas emporsteigen. Am Nordostkrater wurde zeitweise pulsartig Gas emittiert.
Am Südostkraterkomplex setzten Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters anhaltend Gas frei. Diese Emissionen wirkten dort kräftiger als in der Vorwoche, was aber auch an der höheren Luftfeuchtigkeit gelegen haben könnte.

Die Infraschallaktivität war zwischen dem 04.10. und 10.10. niedrig. Quelle der Aktivität war die Bocca Nuova [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte für den Zeitraum vom 04.10. bis 10.10. keine Veränderungen gegenüber den Daten der Vorwoche [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 04.10. bis 10.10. keine Veränderungen [1].

Im Zeitraum vom 04.10. bis 10.10. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater weiterhin auf durchschnittlichem Niveau und waren gegenüber der Vorwoche unverändert. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) stiegen im gleichen Zeitraum zunächst an und erreichten am 7. Oktober ein Maximum. An den nachfolgenden Tagen gingen sie wieder in Richtung mittleres Niveau zurück [1].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE waren in der vergangenen Woche zunächst nur sporadisch langperiodische Signale zu sehen, die eine niedrige Intensität zeigten. Seit dem 14. Oktober hat ihre Anzahl etwas zugenommen.
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche bis zum 12. Oktober noch auf niedrigem Niveau und begann anschließend langsam zu steigen. Seit dem 13. Oktober bewegt er sich auf der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau [2].

Die seismische Aktivität war in der letzten Woche sehr gering mit Beben unterhalb einer Magnitude von 1.5 [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Seit dem letzten Paroxysmus am Südostkraterkomplex sind nun über drei Wochen vergangen. Der Tremor ist inzwischen etwas gestiegen und somit nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Paroxysmus innerhalb der nächsten Tage zu.
Natürlich ist es auch möglich, dass sich nicht mehr genügend Druck unter der Magmasäule aufbauen kann und die Paroxysmus-Serie zu Ende geht. Das halte ich im Moment aber für eher unwahrscheinlich.

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08. Oktober 2021

Auch in der letzten Woche blieb der Ätna sehr ruhig und zeigte lediglich die üblichen Gasemissionen der Gipfelkrater. Tremor und seismische Aktivität blieben niedrig.

Wolken mit erstem Schnee behinderten in der vergangenen Woche vorübergehend die Beobachtungen der Gipfelregion mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden zeigte sich an der Bocca Nuova die kräftigste Gasemission. Am Nordostkrater wurde zeitweise pulsartig Gas emittiert. Am Südostkraterkomplex setzten Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters zeitweise Gas frei.

Hier noch nachträglich ein paar Daten zum Paroxysmus des Südostkraterkomplexes vom 21. September des INGV:
Der Lavastrom hatte ein Volumen von 700.000 m3. Seine maximale Länge betrug 1,9 Km. Die am weitesten fortgeschrittene Front stoppte auf 2720 m Höhe südwestlich des Monte Frumento Supino [1].

Bei einem Besuch der Gipfelkrater durch INGV-Personal am 30. September, bei dem auch eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz kam, wurden folgende Beobachtungen gemacht:
An den Gipfelkratern kommt es zu intensiver Gasemission, die die visuelle Beobachtung behindert. Mittels Wärmebildkamera ist keine thermische Anomalie in der Bocca Nuova zu erkennen. Dagegen zeigen sich sehr heiße Bereiche an der Nordwestflanke des Südostkraters im Gebiet der eruptiven Spalte nahe des Kraterrands. Diese werden vermutlich durch Fumarolen verursacht [1].

Die Infraschallaktivität war zwischen dem 27.09. und 03.10. etwas höher als in der Vorwoche und lag auf niedrigem bis mittelniedrigem Niveau. Quelle der Aktivität war ausschließlich die Bocca Nuova [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte für den Zeitraum vom 27.09. bis 03.10. keine Veränderungen gegenüber den Daten der Vorwoche [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten im Zeitraum vom 27.09. bis 03.10. keine nennenswerten Veränderungen [1].

Im Zeitraum vom 27.09. bis 03.10. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf durchschnittlichem Niveau und waren gegenüber der Vorwoche unverändert. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) gingen im gleichen Zeitraum deutlich zurück und fielen auf mittelniedriges Niveau. Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 21. September bestimmt wurde, ergab mit 0.60 einen etwas niedrigeren Messwert, als bei der letzten Untersuchung [1].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE zeigten sich in der vergangenen Woche sporadisch schwache langperiodische Signale.
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche weiterhin auf niedrigem Niveau und unterlag insgesamt einem leicht fallenden Trend [2].

Am 02.10. kam es östlich von Ragalna (Südflanke) zu einem Beben der Stärke 1.9. Am 07.10. wurde südöstlich von Randazzo (Nordflanke) ein Beben der Stärke 1.8 gemessen [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Zwar zeigen die Daten im Moment keine Vorzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden neuen Paroxysmus, aber dieser kann sich trotzdem relativ plötzlich entwickeln, wie man bei der letzten paroxysmalen Phase des Südostkraterkomplexes gesehen hat. Da diese Eruption inzwischen 17 Tage zurück liegt und der Rhythmus zwischen den Paroxysmen zurzeit ca. drei Wochen beträgt, wäre der nächste Paroxysmus rein rechnerisch in vier Tagen fällig. Jedoch halten sich Vulkane selten an solche Gesetzmäßigkeiten und so ein Intervall kann plötzlich kürzer oder länger werden. Die Wahrscheinlichkeit für einen neuen Paroxysmus innerhalb der nächsten 14 Tage halte ich aber für relativ hoch.

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01. Oktober 2021

Während der letzten Woche blieb der Ätna sehr ruhig. Der Tremor hielt sich auf niedrigem Niveau und die seismische Aktivität war sehr gering.

In der vergangenen Woche waren die Gasemissionen der Gipfelkrater an der Bocca Nuova am stärksten. Häufig war die anhaltende Gasemission dort pulsartig verstärkt und gelegentlich von geringen Mengen bräunlicher Asche durchsetzt. Am Nordostkrater kam es zeitweise zu pulsartiger Gasfreisetzung. An der Voragine nahmen die Gasemissionen seit dem 30. September wieder etwas zu, nachdem sie sich in der letzten Woche nach dem Ende der paroxysmalen Phase des Südostkraterkomplexes abgeschwächt hatten. Der Südostkraterkomplex setzte in der letzten Woche aus Fumarolen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters anhaltend etwas Gas frei. Auch aus dem zentralen Krater bzw. der Bresche stieg etwas Gas auf.

Das INGV hat Analysenergebnisse der Lava, die während den letzten paroxysmalen Phasen des Südostkraterkomplexes emittiert wurde, veröffentlicht. Dabei zeigte sich, dass das Material, das bei dem Paroxysmus vom 09. August emittiert wurde mit einem CaO/Al2O3-Verhältnis von 0.55 und einem FeOtot/MgO-Verhältnis von 2.80 primitiver war, als das Material vom Juli. Bei dem Paroxysmus vom 29. August war die Lava dann mit einem CaO/Al2O3-Verhältnis von 0.59 noch primitiver. Der Paroxysmus vom 21. September brachte dann Material hervor, das eine ganz ähnliche Zusammensetzung wie die Lava vom 29. August hatte.
Diese Daten lassen laut INGV vermuten, dass das Magma-Reservoir unter dem Südostkrater ab Ende Juli mit einem Schub frischen Magmas befüllt wurde. Im September kam offenbar weiterhin frisches Magma hinzu, allerdings gingen die Mengen zurück, was zu einer Stabilisierung der Zusammensetzung führte [1].

Die Infraschallaktivität war zwischen dem 20.09. und 26.09. niedrig und nur während der paroxysmalen Phase des Südostkraterkomplexes am 21.09. erhöht. Quelle der Aktivität war die Bocca Nuova [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte für den Zeitraum vom 20.09. bis 26.09. keine Veränderungen gegenüber den Daten der Vorwoche [1].
Die Daten der Stationen des klinometrischen Netzwerks zeigten während dem Paroxysmus vom 21. September Veränderungen bei den Neigungsdaten. Die größte Abweichung wurde mit 3 Mikroradiant an der Station ECP (Cratere del Piano) gemessen [1].

Im Zeitraum vom 20.09. bis 26.09. blieben die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater gegenüber der Vorwoche unverändert und bewegten sich auf durchschnittlichem Niveau. Nur während der paroxysmalen Phase wurde eine Emissionsrate von über 5000 Tonnen SO2 pro Tag gemessen. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) gingen zwischen dem 20.09. und 26.09. deutlich zurück [1].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE waren in der vergangenen Woche sporadisch schwache langperiodische Signale erkennbar.
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche auf niedrigem Niveau [2].

Am 25.09. kam es südwestlich von Zafferana zu einem Beben der Stärke 1.5 [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Die Analysen der im August und September eruptierten Lava sind interessant, denn sie zeigen, dass zwar frisches Magma aufgestiegen ist, dies jedoch nicht reichte eine höhere Frequenz an paroxysmalen Phasen zu generieren. Im Juli traten die Paroxysmen im Abstand von nur 2 bis 7 Tagen auf. Im Augst und September waren die Abstände mit bis zu drei Wochen dagegen viel größer. Die Anwesenheit von frischem Magma alleine, das ja gasreicher als das Magma ist, das schon länger unter dem Berg gespeichert war, ist scheinbar nicht der einzige Grund für eine hohe Frequenz von paroxysmalen Phasen.
Hier spielen noch andere Mechanismen eine Rolle. Vielleicht wirkt sich dabei auch die zunehmende Masse und Höhe des Südostkraterkomplexes aus, denn sie spielt ja dem Druck in der Magmakammer entgegen und dieser muss somit zunehmend größer werden. Sollte nun kein weiteres frisches Magma mehr nachkommen, dann kann es sein, dass der Abstand zwischen den paroxysmalen Phasen noch größer wird.
In der vergangenen Woche war der Berg sehr ruhig und es gab keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Paroxysmus.

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