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Ätna Update (06.01. - 27.01.2023)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.
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27. Januar 2023

In der vergangenen Woche wurde an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters weiterhin Lava freigesetzt, jedoch unterlag die Förderrate starken Fluktuationen. Tremor und seismische Aktivität blieben unauffällig.

Nach dem der Berg am 22. Januar den ganzen Tag über komplett in Wolken gehüllt war, zeigte die Monte Cagliato-Wärmebildkamera am 23. Januar eine deutliche Abschwächung des Lavastroms. Dieser war zuvor vom effusiven Schlot an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters in östliche Richtung freigesetzt worden. Nur noch einige Stellen des Stroms, der zuvor an der Basis der steilen westlichen Wand des Valle del Bove stagnierte, waren noch heiß. Am Morgen des 24. Januar zeigte sich dann knapp unterhalb des effusiven Schlots eine neue kräftige thermische Anomalie. Sie wurde von einem neuen Schwall Lava verursacht, der sich über den inzwischen abkühlenden Strom der Vortage erneut in östliche Richtung ergoss. Der neue Lavastrom kam aber nur langsam voran und am Morgen des 25. Januar stagnierte seine Front am Rande des Valle del Bove, oberhalb des Steilhangs. Später zogen erneut Wolken auf und hüllten den Berg bis zum Morgen des 26. Januar ein. Dann war durch Wolkenlücken erkennbar, dass der Strom weiterhin stagnierte und sich gegenüber dem Vortag sogar noch etwas abgeschwächt hatte. Am Abend des 26.01. intensivierten sich die thermischen Anomalien unterhalb des effusiven Schlots und erneut setzte sich ein Schwall frischer Lava in östliche Richtung in Bewegung. Während der vergangenen Nacht bewegte sich dieser Strom dann der steilen westlichen Wand des Valle del Bove hinab und erreichte am Morgen ca. 2300 m hohes Gelände. Im weiteren Verlauf des Tages stagnierte die Front aber wieder und heute Abend sah der Lavastrom nicht mehr ganz so gut genährt aus wie gestern.
An den Gipfelkratern zeigte sich an der Bocca Nuova in der vergangenen Woche wieder die meiste Gasemission, die nach wie vor häufig pulsartig verstärkt war. Voragine und Nordostkrater setzten weiterhin kaum Gas frei. Am Neuen Südostkrater wurde anhaltend Gas aus dem Gipfelbereich emittiert. Am Vormittag des 26. Januar mischten sich ab ca. 11:30 Uhr einige bräunliche Aschewolken unter die Gaswolken. Gegen 14:45 Uhr konnte ich dort eine noch kräftigere Ascheemission erkennen, die aber dennoch vergleichsweise schwach war. Punkt der Emissionen war offenbar der obere nördliche Gipfelbereich, der auch während den Nächten der letzten Wochen zeitweise etwas schwachen Glutschein generierte.

Auf diesem Webcam-Foto, das gestern Nachmittag entstand, kann man in der rechten Bildhälfte den Neuen Südostkrater erkennen. Die aus seinem Gipfelbereich austretende Gasfahne ist mit leicht grauen bis bräunlichen Aschewolken durchsetzt. Links davon der Zentralkraterkegel mit der Bocca Nuova, die anhaltend pulsartig verstärkt Gaswolken emittiert:
Kleine Ascheemissionen am Neuen Südostkrater
Foto vom 26.01.2023, 14:57 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola

Wie das INGV berichtet wurde am 18. Januar, nach dem vorübergehenden Ende der Lavaemission an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters, erneut Lava gefördert. Diese formte zwei Lavaströme. Einer in nordöstliche und einer in östliche Richtung. Der Lavastrom, der in östliche Richtung unterwegs war erreichte schnell den Rand des Valle del Bove und seine Front wurde am 19. Januar auf 2450 m Höhe beobachtet. Am 20. Januar kam er noch weiter Hang abwärts voran und erreichte die Basis des Hangs. Anschließend ging die Emissionsrate an dem effusiven Schlot aber wieder deutlich zurück. Nach erneuter Steigerung der Lavaförderung bewegte sich am 22. Januar ein neuer Schwall Lava auf dem gleichen Weg dem Rand des Valle del Bove hinab und erreichte am Abend 2220 - 2250 m hohes Gelände.
Das Volumen der seit dem 27. November freigesetzten Lava wird vom INGV auf 3,7 - 4,8 Mio. m3 berechnet.
Inzwischen wurde eine Probe des aktuellen Materials, die am 20.12.2022 gezogen wurde, chemisch untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Lava mit einem CaO/Al2O3-Verhältnis von 0.46 und einem FeOtot/MgO-Verhältnis von 3.3 höher entwickelt war, als die Lava, die im Jahre 2022 während den paroxysmalen Phasen des Südostkraterkomplexes bzw. bei der Eruption vom Mai emittiert wurde. Dies bedeutet nach Angaben des INGV, dass kaum Material aus größerer Tiefe gefördert wurde [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum zwischen dem 16. und 22. Januar keine signifikanten Veränderungen [1].
Die klinometrischen Daten zeigten zwischen dem 16. und 22. Januar keine signifikanten Veränderungen [1].

Die Messung der Infraschallaktivität an den Gipfelkratern war im Zeitraum vom 16. - 22.01. durch starken Wind massiv gestört und somit konnten keine Daten bereitgestellt werden [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern blieben im Zeitraum zwischen dem 16. und 22. Januar gegenüber der Vorwoche unverändert und hielten sich im unteren mittleren Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) hielten sich zwischen dem 16. und 22.01. auf mittlerem Niveau und unterlagen einem leicht fallenden Trend [1].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE waren in der vergangenen Woche gelegentlich schwache langperiodische Signale, sowie schwache Explosionssignale erkennbar [2].
Der Tremor bewegte sich in der letzten Woche zunächst auf der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau, nahm dann aber leicht zu und hielt sich auf unterem mittlerem Niveau [2].

Am 22.01. wurde südöstlich des Monte Fontane (Ostflanke) ein Beben der Stärke 1.6 registriert. Am 25.01. kam es im Bereich der Gipfelkrater zu einem Beben der Stärke 1.7 [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Die Analyse der im Dezember freigesetzten Lava ergab, dass sie höher entwickelt war, als die Lava der Eruption vom Mai 2022 und deutlich höher als das Material, das während den paroxysmalen Phasen im Februar 2022 vom Neuen Südostkrater emittiert wurde. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn es handelte sich um bereits weitgehend entgastes Magma, das praktisch keinerlei explosive Aktivität generierte, sondern sehr ruhig ausfloss. Dieses Magma war schon länger im Berg gespeichert und hatte Zeit sich zu verändern (zu entwickeln).
Leider gibt es (noch) keine Analyse der aktuell freigesetzten Lava. Es ist gut möglich, dass sie etwas primitiver als die Lava vom Dezember ist. Da es aber nach wie vor keine nennenswerte explosive Aktivität gibt scheint der Anteil an höher entwickeltem und entgastem Magma immer noch hoch zu sein. Dies könnte sich in nächster Zeit aber auch ändern und frischeres Magma könnte die Oberfläche erreichen.
Gestern gab es im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters ein paar Ascheemissionen. Es kann sein, dass diese von tiefsitzenden Explosionen verursacht wurden, wahrscheinlicher sind aber kleinere Kollapsereignisse. Sollte mehr frisches Magma aufsteigen könnten die Gase allerdings strombolianische Explosionen im Neuen Südostkrater verursachen. Vielleicht waren die Ascheemissionen gestern ja bereits ein erstes Indiz? Interessant ist auch die derzeit stark fluktuierende Emissionsrate; ein Verhalten das seit Mitte Januar vorherrscht und immer wieder neue Lavaschübe verursacht. Auch dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass jetzt ein anderes, mehr gasreiches Magma aufzusteigen beginnt. Es könnte aber auch bedeuten, dass sich nicht mehr ausreichend Druck aufbauen kann, um anhaltend Lava zu fördern. Das zeitweilige Absinken und Aufsteigen der Magmasäule unter dem Neuen Südostkrater könnte dann auch Kollapsereignisse generieren.
Somit sind meiner Meinung nach in nächster Zeit zwei Entwicklungen denkbar: 1. Einsetzen von strombolianischen Explosionen im Gipfelbereich des Neuen Südostkraters, wobei die Lavaemission am effusiven Schlot schubartig verstärkt erhalten bleibt. 2. Abschwächung oder gar Ende der Eruption und Kollapsereignisse im Gipfelbereich oder entlang der Nordflanke des Neuen Südostkraters verbunden mit Ascheemissionen.
Es bleibt auf jeden Fall weiterhin spannend!

  1. INGV-Sezione di Catania. 2023. Etna - BOLLETTINO SETTIMANALE - SETTIMANA DI RIFERIMENTO 16/01/2023 - 22/01/2023
  2. INGV-Sezione di Catania. 2023. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2023.

20. Januar 2023

In der vergangenen Woche nahm die Lavaemission an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters vorübergehend ab. Dadurch entwickelte sich ein neuer Lavastrom, der nun direkt in Richtung Valle del Bove unterwegs ist.

Am 14. Januar stagnierten die Fronten der Lavazungen, die von dem effusiven Schlot an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters genährt wurden, auf ca. 2200 - 2300 m Höhe. Im Laufe des Abends schwächten sich die damit verbundenen thermischen Anomalien, die von der Monte Cagliato-Wärmebildkamera aufgezeichnet wurden, immer mehr ab. Am 15. Januar war der Lavastrom nur noch im oberen Abschnitt, innerhalb des Valle del Leone aktiv. Am 16. Januar arbeiteten sich dann wieder neue kleine Lavazungen entlang des steilen westlichen Hangs des Valle del Bove hinab, waren aber nicht mehr so gut genährt wie in den Vorwochen. Am 17. Januar waren dann nur noch sehr kleine thermische Anomalien erkennbar und es sah so aus als hätte die Lavaemission ganz aufgehört. Am Morgen des 18. Januar zeigte sich dann in der Nähe des effusiven Schlots eine neue thermische Anomalie. Ein neuer Lavastrom bewegte sich nun in östliche Richtung und verlies somit das bisher geschaffene Lavafeld. Bis zum Abend des 19. Januars hatte der Lavastrom zwar seinen östlichen Kurs fortgesetzt, kam aber trotz des steiler werdenden Geländes nur langsam voran. Heute Morgen stagnierte seine Front auf grob geschätzt ca. 2400 m Höhe. Später zogen Wolken auf und behinderten die weitere Beobachtung.
Unterdessen setzten die Gipfelkrater in der vergangenen Woche die gewohnten Gasemissionen fort. Sie waren an der Bocca Nuova am kräftigsten und häufig pulsartig verstärkt. Am Neuen Südostkrater wurde aus dem Gipfelbereich anhaltend etwas Gas emittiert. An Voragine und Bocca Nuova konnte ich kaum Gasemission beobachten.

Wie das INGV berichtet wurde die Front des am weitesten vorangekommenen Lavastroms am 14. Januar auf 2250 m hohem Gelände beobachtet. Bis zum 14. Januar hatte sich ein Lavafeld mit einer Fläche von 700.000 m2 entwickelt. Das Volumen wurde auf 3,5 - 4,5 Mio. m3 berechnet [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum zwischen dem 09. und 15. Januar keine signifikanten Veränderungen [1].
Die klinometrischen Daten zeigten zwischen dem 09. und 15. Januar keine signifikanten Veränderungen bei den Hangneigungen des Vulkangebäudes [1].

Die Messung der Infraschallaktivität an den Gipfelkratern war im Zeitraum vom 09. - 15.01. häufig durch starken Wind gestört. Während den ruhigen Phasen konnte eine ähnliche Aktivität wie in der Vorwoche registriert werden [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern hielten sich im Zeitraum zwischen dem 09. und 15. Januar im unteren mittleren Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) hielten sich zwischen dem 09. und 15.01. auf mittlerem Niveau und unterlagen nur geringen Schwankungen.
Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die zuletzt am 09. Januar bestimmt wurde, war mit einem Wert von 0.63 ähnlich hoch wie bei der letzten Messung im Dezember. Der Wert bewegte sich somit nach wie vor auf hohem Niveau [1].

Auf den Online-Seismogrammen der Station ECNE waren in der vergangenen Woche regelmäßig schwache Explosionssignale, sowie einzelne langperiodische Signale erkennbar. Ab dem 18. Januar zeigten sich auch wiederholt Phasen von stärkerem Rauschen, die nur 1 - 3 Minuten lang andauerten [2].
Der Tremor schwankte in der vergangenen Woche zwischen niedrigem und mittlerem Niveau. Den stärksten Rückgang gab es am 17. Januar. Anschließend stieg der Tremor wieder etwas an [2].
Die Quelle des Tremors wurde im Zeitraum zwischen dem 09. und 15. Januar im Bereich unterhalb des Zentralkraters auf einer Höhe zwischen 1000 m und 2800 m lokalisiert [1].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Der Tremor unterlag in den letzten Tagen einigen Schwankungen und die Förderrate der Lava ging am 17. Januar vorübergehend deutlich zurück. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Versorgung des effusiven Schlots mit frischem Magma allmählich ins Stocken gerät. Vermutlich steigt im Moment nicht genug Magma auf bzw. es hat sich im Berg einen anderen Pfad gesucht, dem es entlang migriert. Auch die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater waren in den letzten Wochen rückläufig und es kam zu leichter Deflation des Vulkangebäudes.
Dies deutet meiner Meinung darauf hin, dass die aktuelle Eruption langsam zu Ende gehen könnte. Allerdings zeigt die nach wie vor hohe Helium-3-Konzentration, dass weiterhin frisches Magma unter dem Berg aufsteigt, welches früher oder später zumindest zum Teil eruptiert werden wird. Somit bleibt es schwierig eine Prognose abzugeben.


  1. INGV-Sezione di Catania. 2023. Etna - BOLLETTINO SETTIMANALE - SETTIMANA DI RIFERIMENTO 09/01/2023 - 15/01/2023
  2. INGV-Sezione di Catania. 2023. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE

13. Januar 2023

Die ruhige Förderung von Lava an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters dauerte auch in der letzten Woche weiter an. Die freigesetzten Lavaströme stagnierten am Rande des Valle del Bove auf 2200 m hohem Gelände. Der Tremor war nur leicht erhöht.

In der vergangenen Woche setzte sich die Emission von Lava an dem effusiven Schlot an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters fort. Es wurden weiterhin verschiedene Teilströme genährt, die sich durch ein System von Tunneln und Kanälen bis zum Rand des Valle del Bove bewegten. Dort stagnierten die Fronten von zwei bis drei Lavazungen auf ca. 2100 m hohem Gelände oberhalb des Monte Simone. Ab dem 08. Januar zogen sich die Zungen zurück. Schlechtes Wetter mit Neuschnee behinderte die Beobachtungen bis zum 10. Januar. Ab dem 11. Januar gab es wieder sehr gute Sichtbedingungen und das heiße, fächerförmige Lavafeld zeichnete sich als dunkle Fläche sehr gut auf dem schneebedeckten Berg ab. Im Laufe des Tages stiegen die Fronten der Lavazungen wieder etwas weiter dem Hang hinab und erreichten ca. 2200 m hohes Gelände.
Am 12. Januar kam die südlichste Lavazunge noch weiter Hang abwärts voran, stagnierte dann aber heute auf ca. 2100 - 2200 m hohem Gelände.
Unterdessen setzten sich an den Gipfelkratern des Ätna die üblichen Gasemissionen fort, die weiterhin an der Bocca Nuova am stärksten waren. In den Nächten konnte ich dort jedoch keinen Glutschein mehr beobachten. Dagegen zeigte sich ab dem 11. Januar auf lichtstarken Webcams im oberen nördlichen Gipfelbereich des Neuen Südostkraters etwas Glut. Diese wurde vermutlich durch aufsteigende Hitze bzw. Hochtemperaturfumarolen verursacht.

Wie das INGV berichtet erreichte die Front des am weitesten fortgeschrittenen Lavastroms zwischen dem 04. und 07. Januar 2170 m hohes Gelände. Die mittlere Förderrate konnte mit Hilfe von Satellitendaten auf ca. 3 m3 Lava/s geschätzt werden. Am 07. Januar wurde das Volumen, der seit dem Beginn der Eruption am 27.11.2022 geförderten Lava auf ca. 2,5 - 4,3 Millionen m3 berechnet [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte zwischen dem 02. und 08. Januar keine signifikanten Veränderungen. Allerdings setzte sich der leichte Trend zur Deflation des Vulkangebäudes fort [1].
Die klinometrischen Daten zeigten zwischen dem 02. und 08. Januar keine signifikanten Veränderungen bei den Hangneigungen des Vulkangebäudes [1].

Die Infraschallaktivität an den Gipfelkratern war im Zeitraum vom 02. - 08.01. durch eine relativ hohe Frequenz der Ereignisse gekennzeichnet. Die Amplitude war allerddings niedrig, was auf eine schwache bis moderate Aktivität schließen lässt. Quelle der Ereignisse war die Bocca Nuova [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern gingen im Zeitraum zwischen dem 02. und 08. Januar im Vergleich zur Vorwoche leicht zurück und bewegten sich im unteren mittleren Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) hielten sich zwischen dem 02. und 08.01. auf mittlerem Niveau und unterlagen nur geringen Schwankungen [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten in der vergangenen Woche gelegentlich schwache Explosionssignale bzw. langperiodische Signale.
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche zunächst noch auf der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau, stieg dann aber ab dem 10. Januar wieder etwas an und geht seitdem langsam wieder zurück [2].
Die Quelle des Tremors wurde bis zum 05. Januar auf 2700 - 2900 m Höhe im Gebiet zwischen Südostkrater und effusivem Schlot lokalisiert. Ab dem 05. Januar verlagerte sie sich dann in das Gebiet nordwestlich des Südostkraters auf eine Höhe von 2300 - 2700 m [1].

Am 07.01. wurde im Bereich der Grotta del Gelo (Nordflanke) ein Beben der Stärke 1.5 verzeichnet. Am 12.01. wurden bei Biancavilla (Südflanke) zwei Beben registriert, die Magnituden von 2.3 bzw. 1.9 aufwiesen [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2023. Etna - BOLLETTINO SETTIMANALE - SETTIMANA DI RIFERIMENTO 02/01/2023 - 08/01/2023
  2. INGV-Sezione di Catania. 2023. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2023.

06. Januar 2023

Während den letzten Tagen zeigte sich über der Bocca Nuova zeitweise leichter Glutschein. Gleichzeitig setzte sich die effusive Aktivität am Neuen Südostkrater fort und die Lavaströme kamen weiter voran, obwohl der Tremor zurück ging.

In der vergangenen Woche setzte sich die Förderung von Lava an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters fort. Die Lava bewegte sich nach wie vor in Form von mehreren Teilströmen durch das Valle del Leone bis zum Rand des Valle del Bove. Auf dem steiler werdenden Gelände entwickelten sich immer wieder neue Zungen. Mal wurde eine mehr südliche und mal eine mehr nördliche Zunge genährt. Dadurch kamen die Fronten der Zungen nicht weit voran und stagnierten auf ca. 2200 m hohem Gelände im Gebiet südwestlich bis westlich des Monte Simone.
Im Laufe des 03. Januar schwächte sich die Intensität der thermischen Anomalien, die durch die aktiven Lavazungen auf den Fotos der Monte Cagliato-Wärmebildkamera sichtbar waren, deutlich ab. Am Abend war dann nur noch der obere Abschnitt des Lavafelds aktiv. Am Nachmittag des 04. Januar intensivierten sich die thermischen Anomalien im Bereich des effusiven Schlots und einige Zeit später wurden auch die Lavazungen am Rande des Valle del Bove wieder aktiv. Bis zum Morgen des 05. Januar bewegten sie sich erneut dem steilen Gelände hinab, kamen aber zunächst nicht weiter als auf ca. 2300 - 2200 m Höhe voran.
Bis zum Abend des 05. Januar verstärkte sich die Lavaförderung und insbesondere im südlichen Abschnitt des Lavafelds intensivierte sich eine Lavazunge immer mehr. Am frühen Morgen des 06. Januar erreichte ihre Front die Talsohle des Valle del Bove auf ca. 2000 m Höhe. Gleichzeitig kam auch etwas weiter nördlich eine weitere Zunge besser voran als in den Vorwochen und bewegte sich auf die Talsohle zu.

Dieses Foto, das mir freundlicherweise von Herrn J. Forker zur Verfügung gestellt wurde, zeigt die Lavaströme am Rande des Valle del Bove. Es wurde am 02. Januar von der Serra delle Concazze aus gemacht. Die Lavazungen, die sich langsam dem steilen westlichen Rand des Valle del Bove hinab bewegen sind durch aufsteigende bläuliche Gaswolken gekennzeichnet. Oberhalb davon, ganz am Anfang des Lavafelds, markiert eine schmale, aber dichte Gassäule die Austrittsöffnung der Lava auf ca. 2800 m hohem Gelände. Dahinter erkennt man den Neuen Südostkrater. An seinem Gipfel setzen Fumarolen, die meist entlang von Spalten angeordnet sind, anhaltend weißen Dampf und Gas frei:
Lavaströme am Rande des Valle del Bove von der Serra delle Concazze aus betrachtet
02.01.2023, 13:40 Uhr, © J. Forker

Am Abend des 02. Januar zeigten lichtstarke Webcams pulsierenden Glutschein über der Bocca Nuova. Thermische Anomalien konnte ich jedoch nicht beobachten. Vermutlich setzten tiefsitzende strombolianische Explosionen in einem der Schlote der Bocca Nuova ein. Auch während den folgenden Nächten war schwacher Glutschein über der Bocca Nuova zu sehen. Am Abend des 05. Januar waren die Gaswolken über dem Gipfelkrater dann nur noch sporadisch illuminiert, aber am frühen Morgen des 06. Januar zeigte sich der Glutschein wieder häufiger.

Auf diesem Webcam-Foto der Piedimonte Etneo - Webcam kann man den Glutschein über der Bocca Nuova (rechte Bildhälfte) gut erkennen. Der große helle Fleck in der linken Bildhälfte wird von den Lavaströmen an der nordöstlichen Basis des Neuen Südostkraters verursacht:
Glutschein über der Bocca Nuova
Foto vom 02.01.2023, 21:15 Uhr: Webcam des INGV in Piedimonte Etneo

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigten zwischen dem 26. Dezember und 01. Januar keine signifikanten Veränderungen. Allerdings wurde während des vergangenen Monats eine Umkehr des Trends zur Inflation festgestellt und die Messungen zwischen den Stationen Pizzi Deneri (EPDN), Cratere del Piano (ECPN) und Punta Lucia (EPLU) ergaben eine leichte Deflation des Vulkangebäudes [1].
Die klinometrischen Daten zeigten zwischen dem 26. Dezember und 01. Januar keine signifikanten Veränderungen [1].

Die Infraschallaktivität an den Gipfelkratern war im Zeitraum vom 26.12. bis 01.01. weiterhin niedrig, jedoch wurden die Messungen durch Wind beeinträchtigt. Quelle der Aktivität war die Bocca Nuova [1].

Die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern veränderten sich im Zeitraum zwischen dem 26. Dezember und 01. Januar im Vergleich zur Vorwoche kaum und bewegten sich weiter auf mittlerem Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) hielten sich zwischen dem 26.12. und 01.01. auf mittlerem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE waren in der vergangenen Woche zunächst noch durch Rauschen überlagert, das von dem anhaltend erhöhten Tremor verursacht wurde. Nach Rückgang des Tremors waren ab dem 05. Januar gelegentlich schwache Explosionssignale erkennbar [2].
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche zunächst noch auf mittlerem Niveau und unterlag nur geringen Schwankungen. Ab dem 05. Januar ging er deutlich zurück und erreichte niedriges Niveau [2].
Die Quelle des Tremors lag zwischen dem 26. Dezember und 01. Januar im Bereich des Südostkraters auf einer Höhe zwischen 2700 und 2900 m [1].

Am 01.01. kam es im Gebiet nördlich von Ragalna (Südflanke) zu zwei Beben, die Magnituden von 2.0 und 2.8 erreichten [3].

Meine Interpretation der Daten und Spekulationen über die weitere Entwicklung:
Interessant war in den vergangenen Tagen, dass sich nach längerer Zeit wieder sporadischer Glutschein über der Bocca Nuova zeigte. Dies war zuletzt im September letzten Jahres der Fall. Vermutlich kommt es dort jetzt wieder zu tiefsitzenden strombolianischen Explosionen. Interessant ist auch, dass der Tremor am 05. Januar deutlich zurück ging, dies aber die Lavaförderung am effusiven Schlot nicht beeinträchtigte. Im Gegenteil: Da die Fronten der Lavazungen heute so weit wie noch nie während der aktuellen Eruption vorangekommen sind, hat die Förderrate offenbar zugenommen.
Da in den letzten Wochen schwache Deflation am Vulkangebäude gemessen wurde, wird zurzeit vermutlich mehr Lava gefördert, als unter dem Berg aufsteigt. Sollte das so weiter gehen, dann könnte sich bald ein Ende der Eruption andeuten. Nach wie vor scheint jedoch reichlich frisches Magma unter dem Berg einzutreffen, denn das Verhältnis der Heliumisotope hatte bei der letzten Messung Mitte Dezember wieder hohes Niveau erreicht. Somit bleibt es schwer vorherzusagen, wie es mit der aktuellen Eruption weitergehen wird.

  1. INGV-Sezione di Catania. 2023. Etna - BOLLETTINO SETTIMANALE - SETTIMANA DI RIFERIMENTO 26/12/2022 - 01/01/2023
  2. INGV-Sezione di Catania. 2023. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2023.

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